Schweiz
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«Wie von der Wirtschaftsförderung Vorarlberg in Auftrag gegeben», fand der Luzerner Gewerbeverein die 10-vor-10-Berichterstattung zum Tourismus nach dem Mindestkurs-Aus.   screnshot: srf

Berichte zu Einkaufs-Tourismus

Gewerbeverband ist stinksauer auf SRF: «...wie von der Wirtschaftsförderung Baden-Württemberg beauftragt»

In einem offenen Brief kritisiert der Luzerner Gewerbeverband die SRF-Berichterstattung zu den «schwäbischen Einkaufsparadiesen» als konsumorientiert und kritiklos. SRF-Chefredaktor TV Tristan Brenn ist zufrieden mit der Berichterstattung.

«Die Beiträge des Schweizer Fernsehens kommen fast ausnahmslos daher, als wären sie von der Wirtschaftsförderung Baden-Württemberg und Vorarlberg in Auftrag gegeben»

Gewerbeverband des Kantons Luzern

Bei einem Ereignis wie dem Fall des Mindestkurses schrecken nicht nur einzelne Wirtschaftszweige, sondern auch hunderte Journalisten im Land auf: Innerhalb kürzester Zeit müssen spannende, informative und erklärende Beiträge zum Thema her – auch beim gebührenfinanzierten Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Was das SRF am Montag brachte, liess Gaudenz Zemp aber den Kragen platzen. Prompt reagierte der Chef des Luzerner Gewerbeverbandes darauf mit einem offenen Brief an Roger de Weck. 

«Die Beiträge des Schweizer Fernsehens kommen fast ausnahmslos daher, als wären sie von der Wirtschaftsförderung Baden-Württemberg und Vorarlberg in Auftrag gegeben: konsumorientiert und kritiklos», schreibt der Gewerbeverband. Die Sonderzüge der SBB und die Extrafahrten der Basler Trams in die schwäbischen Einkaufsparadiese würden förmlich angepriesen, um Schnäppchenjäger ins Ausland zu locken, finden die Luzerner Gewerbler. 

Service Public besteht im Aufklären

«Das geht so nicht», sagt Gaudenz Zemp: «Das hiesige Gewerbe zahlt hohe Billag-Gebühren an das Schweizer Fernsehen. Dafür erwarten wir von diesem Sender, dass er die Anliegen und die Bedürfnisse der Wirtschaft ernst nimmt», sagt er gegenüber watson. Aus Sicht des Gewerbeverbandes hätten die Nachrichtensendungen des Schweizer Fernsehens fundierte, notfalls auch aufwendigeren Recherchen den oberflächlichen Geschichten vorzuziehen. «Schliesslich haben sie die finanziellen Ressourcen dazu», sagt Zemp. 

Den Leuten sei teilweise zu wenig bewusst, wie stark der Einkaufstourismus der Schweizer Wirtschaft schade und inländische Arbeitsplätze gefährde. «Der Service Public des Fernsehens besteht hier also im Aufklären und im Aufzeigen der wirtschaftlichen Zusammenhänge», meint Zemp.

«Den gestrigen Beitrag haben wir erfreut zur Kenntnis genommen, nur kam er leider ein paar Tage zu spät»

Gaudenz Zemp, Gewerbeverband Kanton Luzern 

Kam der kritische Beitrag zu spät?

Das tat das SRF dann auch. Im Beitrag «Appell gegen Schnäppchen-Jagd» im 10 vor 10 vom Mittwoch wurden Einkaufstouristen in Konstanz kritischen Fragen ausgesetzt. «Den gestrigen Beitrag haben wir erfreut zur Kenntnis genommen, nur kam er leider ein paar Tage zu spät. Wir werden nun die SRF-Berichterstattung weiterhin genau beobachten», sagt Zemp. 

Da reagierte SRF auf seinen offenen Brief mit einer prompten Antwort. Chefredaktor TV Tristan Brenn schreibt anstelle von Roger de Weck: «Vorneweg gebe ich Ihnen Recht: Es ist Aufgabe von SRF, wirtschaftliche Zusammenhänge aufzuzeigen, auch im Zusammenhang mit dem Einkaufstourismus. Zur Berichterstattung gehört aber ebenso, die unmittelbaren Folgen eines so wichtigen Entscheides wie den der SNB darzustellen, ohne Wertung, ohne Aufruf zum «richtigen» Verhalten. 

Nicht nur im 10 vor 10 Beitrag sondern auch am Radio sei die Sicht des Gewerbes in Sachen Einkaufstourismus aufgezeigt worden. 

Der Schweizerische Gewerbeverband führt derzeit einen Abstimmungskampf gegen das neue Radio- und TV-Gesetz (RTVG), das für Unternehmen mit einem Umsatz von über 500'000 Franken eine abgestufte Gebührenpflicht vorsieht. Der Gewerbeverband hat gegen diese Regelung das Referendum ergriffen. Grösster Gegner des Gewerbeverbandes in dieser Angelegenheit ist die CVP, die die Spitzen der SRG stellt und das Referendum bekämpft. Das Stimmvolk wird voraussichtlich im Juni 2015 über das neue RTVG abstimmen. 

Umfrage

Finden Sie, das SRF berücksichtigt die Perspektive des Gewerbes in seiner Berichterstattung zu wenig?

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220 Votes zu: Finden Sie, das SRF berücksichtigt die Perspektive des Gewerbes in seiner Berichterstattung zu wenig?

  • 32%Nein, die Berichterstattung ist angemessen.
  • 18%Ja, die Gewerbler werden oft als die «bösen Kapitalisten» hingestellt.
  • 49%Journalistische Berichterstattung kann per se nie allen Sichtweisen gleichzeitig gerecht werden.



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    Alle Leser-Kommentare
  • Matthias Studer 23.01.2015 15:00
    Highlight Highlight Ich sehe das so. Jahrelang haben Politiker, Wirtschaftsvertreter, Importeure und Grossisten die Konsumenten verarscht.
    Wer macht noch gerne Geschäfte mit Leuten denen man nicht trauen kann?
    12 2 Melden
  • Rondi 23.01.2015 12:48
    Highlight Highlight Ich habe das Geheule dieser Abzocker so etwas von satt. Die sollen die überrissenen Preise senken. Wir haben über 10% weniger Mehrwertsteuer als in Deutschland. Der Unterschied reicht locker, um die höheren Löhne und Mieten auszugleichen, 10% vom ganzen Umsatz ist sehr viel Geld.
    12 3 Melden
  • Zappenduster 23.01.2015 12:19
    Highlight Highlight Lustige wie jetzt alle zu vorzeige (micro) Patrioten werden und voller patriotischer inbrunst das brasilianische Poulet im Urschweizerischen Coop oder Migros kaufen! Ihr verdammten heuchler!
    14 3 Melden
  • Zeit_Genosse 23.01.2015 11:36
    Highlight Highlight feuferundwegglischwiizer#
    Also wir wollen die vergleichsweise hohen Schweizerlöhne erhalten und die günstigen Preise im Ausland bezahlen. Die Löhne zahlen Unternehmen, Firmen, Gewerbebetriebe an ihre Mitarbeiter. Diese Mitarbeiter kaufen dann im Ausland ein, weil für sie günstiger (weil ausländische Unternehmen tiefere Kosten für Löhne, Miete, usw. haben). Dieses Geld fliesst den Schweizer Betrieben ab und sie haben weniger Einnahmen. Wenn sie jetzt 20% Eurorabatt geben, dann geben sie beim Ertrag nach und sitzen auf den hohen Löhnen. Der Gewinn ist weg und damit entlässt dieser Betrieb Mitarbeiter, die dann vom Staat Sozialbeiträge erhalten. Dieser Staat verdient aber auch weniger, weil das Geld der Steuern abfliesst ins Ausland (Umsatzverlagerung, Firmenverlagerung, Arbeitslosigkeit = weniger Einkommen, usw.). Ich plädiere für eine Wirtschaftssolidarität, wo Konsumenten ihre Schweizer Betriebe mit Käufen unterstützen, die Betriebe die Preise etwas senken (nicht in dem Ausmass), dann dafür Arbeitsplätze erhalten bleiben. Das wäre ein protektionistisch-vernünftiges Handeln innerhalb eines Staates oder definierten Wirtschaftsraums. Oder wir rennen dem Weggli hinterher, weil es an einem anderen Ort nur drei (statt fünf) kostet und lassen den Bäcker und uns verhungern.
    4 15 Melden
    • Matthias Studer 23.01.2015 12:38
      Highlight Highlight Warum soll ich als Konsument nicht auf die ganze Währungsdifferenz beharren? Der Euro wurde bei 1.6 eingeführt. Da fehlt noch einiges.
      Aber es fehlt noch mehr. Die nicht vorhandenen Parallelimporte, die bis jetzt die Politik nicht durchgesetzt hat. Warum auch immer... (Naja, eigentlich wissen wir warum.)
      Das würde dann die Importfirmen unter Druck setzen, die nur beim Namen Schweiz +20% und mehr auf den Preis zusätzlich erheben.
      Dann wären wir langsam weg von der Hochpreisinsel, hätten wieder ein normales Preisverhältnis und ein Grossteil würde sich den Weg nach Deutschland sparen.
      6 2 Melden
    • Lumpirr01 23.01.2015 12:55
      Highlight Highlight @Zeit_Genosse: Während der vergangenen 40 Monaten wurde durch den Heimatschutz der SNB in der Schweiz ein künstliches Wachstum u. a. mit grosser Zuwanderung und derem zusätzlichem Konsum produziert, während zur gleichen Zeit im Euroland ein Nullwachstum vorherrschte. Nun ist diese Blase geplatzt und jetzt geht es darum, den harten globalen Wettbewerb zu bestreiten. Ein neuer Heimatschutz gemäss ihrem Vorschlag kann ich nicht zustimmen!
      4 2 Melden
  • sheimers 23.01.2015 10:09
    Highlight Highlight Auch in Deutschland arbeiten Menschen in den Supermärkten. Einkaufstouristen vernichten keine Arbeitsplätze, sie verschieben sie nur.
    14 10 Melden
    • Tornado 23.01.2015 11:04
      Highlight Highlight Schön gibt es Freiwillige die bei steigender Arbeitslosigkeit auswandern. Ich nehme an Sie gehören dann dazu!
      11 6 Melden
    • Michèle Seiler 23.01.2015 11:13
      Highlight Highlight Danke für diesen Beitrag! Leider sind viele Menschen nicht dazu in der Lage, über den Tellerrand hinauszusehen.
      3 4 Melden
  • christianlaurin 23.01.2015 10:01
    Highlight Highlight Ich will nicht Geschäfte nennen, aber... Ich kriege emails die sagen "newsflash jetzt zugreifen Euro Rabatt von 15%" Hört sich gut an, ja? Aber was sie vergessen zu sagen der Euro hat 20% abgesagt! Da frage ich mich, was ist mit die extra 5% passiert? Des wegen kann ich so was nicht mehr hören. Sie sollten doch zu ihren Meister (Blocher) reden und zuhören das es kein Problem ist und die letzten 3 Jahren hätten sie sich doch vorbereiten könnten.
    5 12 Melden
    • Tornado 23.01.2015 11:41
      Highlight Highlight Rechnen ist glücksache. Eine Senkung von 1.20 auf 1:1 entspricht etwas mehr als 16% und nicht wie überall herumgereicht 20%. Kommt noch dazu dass die allgemeinen Kosten auch nicht einfach so um 20% sinken
      7 0 Melden
    • Zappenduster 23.01.2015 12:15
      Highlight Highlight Die allgemeinen Kosten?????

      Wenn der Detailhändler vorher an einer Orange 40Rp. verdienen musste um seine Ausgaben zu deken, so braucht er auch nach dem Euro taucher noch 40Rp. für die Deckung seiner Kosten. Nur ist die Orange jetzt 16% günstiger im Einkauf. Wieso werden also diese 16% nicht zu 100% weitergegeben?
      2 0 Melden
  • blueberry muffin 23.01.2015 09:09
    Highlight Highlight Dann sollte der SFDRS aber auch mal die Gewerbler aufklaeren, wie schaedlich ihr Verhalten ist, Loehne mittels auslaendischen Arbeitskraeften zu druecken.

    Ist natuerlich was anderes. Das foerdert der Gewerbeverband schliesslich. Typisch Gewerbler - super patriotisch bis es um sein Geld geht.
    18 2 Melden
  • Lumpirr01 23.01.2015 09:07
    Highlight Highlight Der Einkaufstourismus wird weiter wachsen, wenn das Schweizer Gewerbe wie bis anhin die inländischen Verkaufspreise nicht an die geänderten Verhältnisse anpasst und an die Konsumenten weitergibt. Schliesslich haben die meisten inländischen Bewohner durch ihre Pensionskasse oder durch eigene Wertschriften ca. 15% (in Franken) verloren und möchten für diese erlittenen Verluste auch gerne etwas zurückhaben!
    11 4 Melden
  • Hugo Wottaupott 23.01.2015 08:29
    Highlight Highlight der andere der da im TV auflief war 100 mal besser (auch von einem gewerbeverband). am schluss räumte er ein dass auch er kosmetikprodukte im germania kaufe und ab und zu ausländische restaurierte nahrungsaufnahme tätige.
    20 1 Melden
  • tomdance 23.01.2015 07:31
    Highlight Highlight Liebe Watsons

    Ich schätze eure Arbeit in den allermeisten Fällen sehr. Hier habe ich aber den Eindruck, dass ihr in die Abstimmungskampf-Sprachfalle gelaufen seid. Oder der Gewerbeverband hat euch nette Formulierungen untergejubelt. Der erste Teil des Artikels tönt für mich auf alle Fälle so, wie er auch in der aktuellen Gewerbeverbandspostille Blick stehen hätte können. Nur "Staatssender" hat noch gefehlt. Mich würde anstelle der Klönereien des Gewerbeverbandes doch eher die wirkliche Motivation dieses Verbandes hinter dem Referendum interessieren. Wenn die SRG korrekt informiert hat, würden ja nur wenige Betriebe betroffen sein - und bedeutend mehr nicht mehr bezahlen müssen.
    19 5 Melden
  • stadtzuercher 23.01.2015 07:09
    Highlight Highlight Ich lach mich schlapp. Die Wirtschaft am jammern. Aber dass diese ungeniert seit Jahren ältere Schweizer durch jüngere billigere ausländische Arbeitnehmer ersetzt, das ist natürlich was gaanz anderes. Wennschon Personenfreizügigkeit, dann doch auch für die Konsumenten, oder?
    45 7 Melden
    • Hugo Wottaupott 23.01.2015 08:20
      Highlight Highlight die PFZ musste kommen weil viele unternehmen nichtmehr CH sind sondern aufgekauft wurden. diese wollen natürlich ihre eigenen leute.
      6 7 Melden
    • Angelika 23.01.2015 10:16
      Highlight Highlight @stadtzuercher: Muss man nicht unterscheiden zwischen einem Gewerbeverband, der KMU vertritt und der "Wirtschaft", die in den letzten Jahren nur auf Kosten der Allgemeinheit überleben konnte (lies: Banken)? Im Gewerbeverband Luzern sind Apotheker, Floristen, Metzger, Bäcker etc. pp. vertreten. Und denen können Sie kaum absprechen, dass die durch Einkaufstourismus verlieren... Also einfach alle Wirtschaft zu verteufeln scheint mir etwas einfach. Und das sage ich als jemand, der als erster dafür wäre, die Wirtschaft wieder mehr in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen.
      8 4 Melden
    • Angelika 23.01.2015 12:17
      Highlight Highlight @SeKu: Egal ob sich der Gewerbeverband fälschlicherweise als Verband des kleinen Gewerbes darstellt oder nicht, schaden tut der Einkaufstourismus ja doch den kleinen Bäckereien/Metzgereien/Apotheken. Das war ja die eigentliche Aussage meines Kommentars. Ich bin einfach gegen Verallgemeinerungen wie "die Wirtschaft"/"alle Männer"/"die Medien". Die bringen in den wenigsten Fällen wirklich die Diskussion weiter.
      5 2 Melden

«Wir haben es in der Hand, ein Massensterben zu verhindern»

Die Artenvielfalt ist in den letzten 50 Jahren dramatisch gesunken. Das zeigt der WWF in seiner neuesten Ausgabe des Living Planet Index auf. Zum Glück findet ein Umdenken bei den Menschen statt. Das sagt Thomas Vellacott, CEO des WWF Schweiz. 

60 Prozent der Tierarten sind in den letzten 50 Jahren verschwunden. Ist es also gerechtfertigt, von einem sechsten Massensterben zu sprechen? Ja, heute sterben 100 bis 1000 Mal mehr Arten aus als in vergangenen Zeiten. Das ist einmalig – und wir Menschen sind die Ursache. Der Living Planet Index des WWF untersucht die Populationstrends und zeigt so Veränderungen sehr früh an.

Ist dieses Massensterben nicht mehr aufzuhalten? Die kurze Antwort lautet: doch. Taucht man tiefer in die Daten ein, …

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