Schweiz
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Coronavirus: Warum die Schweiz noch keine Massen-Antikörpertests machen sollte



Die Coronavirus-Epidemie in der Schweiz scheint zurückzugehen. Dies bezeugen zumindest die neusten Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Der Bundesrat will am Donnerstag über den Fahrplan für eine Lockerung des Lockdowns informieren.

Damit diese Lockerung aber nicht zu einer zweiten Welle führt, braucht es gemäss Epidemiologen wie Marcel Salathé Antikörpertests. Mit so einem Test lässt sich feststellen, ob man sich in den letzten Monaten bereits mit dem Coronavirus infiziert hatte oder nicht. Wenn also die ganze Bevölkerung getestet würde, könnte der Immunisierungsgrad in der Schweiz festgestellt werden.

Die Initiative Corona Immunity will nun laut eigenen Angaben eine Allianz aus Wirtschaft und Wissenschaft schaffen, «die dank logistischer Unterstützung ein gezieltes ‹at-home› Testen der Bevölkerung auf SARS-CoV-2-Immunität ermöglicht.» Man rechne damit, dass man schon im Mai mit den ersten «at home»-Tests beginnen könne. Doch dabei gibt es ein grösseres Problem.

Warum die Sache mit den Antikörpertests nicht überstürzt werden sollte

Wer einen Antikörpertest macht, will herausfinden, ob er bereits gegen das Coronavirus immun ist. Bei einem positiven Ergebnis würde eine Selbstisolierung sinnlos. Die getestete Person wird sich also wieder vermehrt in der Öffentlichkeit bewegen.

Deshalb ist es besonders wichtig, dass diese Tests auch das richtige Resultat anzeigen. Ansonsten wird das Virus in der Schweiz wieder stärker durch Menschen verbreitet, die glauben, sie seien gesund und immun.

Wie hoch ist die Chance, dass das Testresultat falsch ist?

Die Schweiz hat bereits erste Corona-Antikörpertests importiert. Diese werden nun in klinischen Studien auf ihre Validität getestet. Denn diese ist im Moment noch nicht bestätigt. Was ein Test anrichtet, der nicht zu fast 100 Prozent sicher ist, zeigt folgende Rechnung:

Die Ausgangslage

Gehen wir davon aus, dass der Test in 95 Prozent der Fälle das richtige Resultat anzeigt und dass sich in der Schweiz mittlerweile rund ein Prozent der Bevölkerung mit dem Virus angesteckt hat.

Warum Coronavirus-Antikörpertests für die Schweiz noch gefährlich sind

Bild: watson

Nun wird getestet

Nun machen wir einen Massentest. Wir testen 10'000 Schweizer darauf, ob sie sich bereits mit dem Virus angesteckt haben.

Warum Coronavirus-Antikörpertests für die Schweiz noch gefährlich sind

Bild: watson

Unter den 10'000 Personen finden sich also bei einem Prozent Infektionsrate 100 Menschen, die bereits einmal mit dem Virus infiziert waren.

Die Resultate

Blicken wir also auf die Resultate:

Warum Coronavirus-Antikörpertests für die Schweiz noch gefährlich sind

Bild: watson

Von den 100 Personen, die tatsächlich eine Coronavirus-Infektion hinter sich haben, erhalten 95 einen positiven Bescheid. Bei fünf Getesteten fällt der Test fälschlicherweise negativ aus. Doch das ist nicht das Problem.

Denn bei den eigentlich noch anfälligen Personen erhalten 495 Getestete das Ergebnis, dass sie bereits immun sind, obwohl sie eigentlich noch Träger des Virus sein können. Das Verhältnis der tatsächlich Immunen zu jenen, die sich nach dem Test selbst als immun einstufen, wäre damit 1 zu 5.

Das heisst, weniger als 20 Prozent der Personen die glauben, sie sind immun, sind dies auch tatsächlich. Sollte dieser Fall zutreffen, wäre eine zweite Coronavirus-Welle in der Schweiz quasi garantiert. (leo)

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