Verbandspräsident muss schlichten – Ronaldo bockt nach Nicht-Einsatz für Portugal
Beim 2:1-Sieg Portugals gegen Norwegen in der Nations League vom Sonntag liess Nationaltrainer Jorge Jesus Cristiano Ronaldo zunächst auf der Bank – nach dessen Startelf-Einsatz im Auftaktspiel gegen Wales durchaus nachvollziehbar.
Brisant wurde es aber, als Jesus dem Superstar offenbar in Aussicht gestellt hatte, ihn in der zweiten Halbzeit einzuwechseln, und ihn entsprechend zum Aufwärmen schickte. Zu einem Einsatz kam es letztlich nicht. Damit sass Ronaldo erstmals seit der WM 2006 – abgesehen vom bedeutungslosen letzten Gruppenspiel der EM 2008 gegen die Schweiz – in einem Pflichtspiel 90 Minuten lang auf der Bank. Ronaldo war nach dem Schlusspfiff sichtlich frustriert und ging direkt in die Kabine, ohne sich bei den mitgereisten Fans zu bedanken.
🚨| Ronaldo went straight to the tunnel after the final whistle on Portugal’s victory against Norway. 😳 pic.twitter.com/Q60t0htCr8
— Kalshi FC (@KalshiFC) September 28, 2026
Jesus rechtfertigt sich
Nach dem Spiel zeigte sich Jesus überrascht von der Aufregung: Er habe von der Verärgerung erst nach dem Spiel erfahren, als ihn mehrere Journalisten darauf ansprachen – nur Ronaldo selbst könne dazu Stellung nehmen. Er betonte jedoch, dass der fehlende Einsatz nichts mit fehlendem Vertrauen zu tun habe. Vor dem Spiel habe er Ronaldo klar gesagt, dass er nicht in der Startelf stehen, aber im Spielverlauf eingewechselt werden solle. Der Spielverlauf habe seiner Einschätzung nach aber einfach keinen Wechsel auf der Stürmerposition gerechtfertigt, da Ronaldos Profil nicht zum Charakter der Partie gepasst habe.
Mit Blick auf das kommende Spiel gegen Dänemark liess Jesus die Tür für eine Rückkehr in die Startelf ausdrücklich offen und kündigte ein klärendes Gespräch mit seinem Captain an.
Zwei Tage ohne reguläres Training
Seither trainiert Ronaldo nicht mehr normal mit der Mannschaft. Am Montag blieb er dem Teamtraining fern und arbeitete stattdessen im Fitnessraum des Stadions. Am Dienstag reiste er zwar mit der Mannschaft zum Trainingsgelände nach Malmö, betrat den Rasen aber nur für wenige Minuten allein – nachdem er sich zuvor kurz mit Jesus unterhalten hatte – und kehrte anschliessend ins Hotel zurück. Laut Verband lag dies daran, dass das Fitnessstudio im Stadion nicht über die für sein spezifisches Trainingsprogramm nötige Ausrüstung verfügte. Eine Verletzung liege laut Verband nicht vor.
Die Angelegenheit hat auch die höchste Verbandsebene erreicht: Verbandspräsident Pedro Proença reiste eigens nach Kopenhagen, um in der Situation zu vermitteln – ursprünglich hätte er stattdessen dem U21-Spiel gegen Gibraltar beiwohnen sollen, sagte diesen Termin aber kurzfristig ab.
Gespräch am Abend und versöhnlicher Social-Media-Post
Am Dienstagabend setzten sich Ronaldo und Jesus zusammen und tauschten sich aus, laut Verband mit positiven Ansätzen zur Lösung der Situation. Parallel dazu postete Ronaldo ein Foto von sich im Portugal-Dress auf Social Media, versehen mit der portugiesischen Flagge und einem Herz-Emoji – viele deuten dies als versöhnliche Geste.
Wie geht es weiter?
Vor dem Spiel gegen Dänemark am Donnerstag steht Jorge Jesus vor einer heiklen Entscheidung. Einerseits hat sich die Mannschaft gegen Norwegen auch ohne Ronaldo stark präsentiert, mit Joao Félix und Gonçalo Ramos stehen zudem weitere torgefährliche Alternativen im Sturm bereit. Andererseits dürfte der Druck – sowohl von Ronaldo selbst als auch vom Verband – kaum zu unterschätzen sein.
Ob Jesus dem prominentesten Spieler des Landes doch wieder einen Stammplatz einräumt, wird sich am Donnerstag in Kopenhagen zeigen.
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