Einigung mit Red Bull – aber Klopps 25 Werbedeals könnten zum Problem werden
Kaum ein Trainer war in den vergangenen Jahren so häufig in der Werbung zu sehen wie Jürgen Klopp. Nach Angaben des Magazins «11Freunde» ging der designierte Bundestrainer während seiner Trainerkarriere insgesamt 25 Werbepartnerschaften ein. Genau diese Vielzahl an Sponsorendeals könnte in seinem neuen Amt noch zum Thema werden.
Seinen ersten Werbedeal als Trainer musste sich Klopp allerdings selbst organisieren – und erhielt dafür nicht einmal Geld. «Als Trainer von Mainz wollte keiner einen Vertrag mit mir abschliessen, das Interesse der Ausrüster war unter null. Da hab ich gedacht, dann möchte ich wenigstens die Klamotten anziehen, die mir am besten gefallen», erzählte Klopp einmal im «Tagesspiegel». «Das war Nike, die Sachen fand ich cool. Also bin ich hin, sagte, Kohle will ich nicht. Alles gut. Genau so hat es angefangen.»
Inzwischen wirbt Klopp für zahlreiche Unternehmen – darunter Getränkehersteller, Versicherungen, Autohersteller, Banken, Schokoriegel, Sportausrüster, Urlaubsportale, Gesichtspflege und Elektrofachhändler. Der «Spiegel» bezeichnete ihn deshalb einmal als «ein Trainer als menschgewordene Werbebande».
Einigung mit Red Bull erzielt
Wie passt das zu einem, der sich selbst einst als «The Normal One» bezeichnete? Und vor allem: Wie passt das zur Rolle als Bundestrainer? Vor allem Klopps Tätigkeit als Markenbotschafter von Red Bull sahen viele kritisch – insbesondere mit Blick auf einen möglichen Einsatz an der Seitenlinie.
Mittlerweile ist klar, dass der Brausehersteller und der DFB eine Einigung gefunden haben, wenn es darum geht, Klopp aus dem bis 2029 datierten Vertrag als Head of Global Soccer bei Red Bull herauszuholen. Wie diese Bedingungen aussehen, ist allerdings noch nicht bekannt. Eine Ablösesumme wollte der DFB möglichst vermeiden. Geht es nach Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, soll Klopp dem Konzern weiterhin beratend zur Seite stehen. Diese Details sollen in den nächsten Tagen noch geklärt werden.
Doch auch unabhängig davon könnten einige seiner Werbepartnerschaften zum Problem werden. Mehrere Unternehmen, für die Klopp wirbt, konkurrieren mit offiziellen Sponsoren des Deutschen Fussball-Bundes. Offen ist etwa, was passiert, wenn der DFB mit Bier-Sponsor Bitburger einen Werbespot mit Klopp drehen möchte, dieser aber gleichzeitig für den Brauerei-Konzern Anheuser-Busch wirbt. Die Antwort dürfte im noch auszuhandelnden Vertrag zwischen Verband und Trainer geregelt werden. Öffentlich äussern sich die Beteiligten dazu bislang nicht.
«Im Zweifel werden sich aber Lösungen finden lassen», sagte Sportrechtsanwalt Paul Lambertz dem «Spiegel». Der Experte für Sponsoringverträge erklärte: «Ein individueller Sponsor von Jürgen Klopp wird sich gut überlegen, ob er ihn auf Schadenersatz verklagen will, sollte er vertragsbrüchig werden.»
Kein Konflikt mit Nike
Ein möglicher Konflikt erledigt sich ohnehin von selbst. Klopps Vertrag als Markenbotschafter von Adidas läuft nach dieser WM aus. Damit gibt es keine Überschneidung mit dem neuen DFB-Ausrüster Nike, der den Verband ab 2027 Medienberichten zufolge mit rund 100 Millionen Euro pro Jahr unterstützt.
Doch warum ist Klopp als Werbegesicht so gefragt? «Er wirkt authentisch, kommunikativ und nahbar. Er schafft es, Menschen emotional zu erreichen, ohne dabei inszeniert zu wirken», sagte Marketing-Experte Felix Murbach der Deutschen Presse-Agentur. «Nicht seine Bekanntheit macht ihn für Marken so wertvoll, sondern das Vertrauen, das er sich über viele Jahre erarbeitet hat.» Davon könnte auch der DFB profitieren, denn mit Klopp als Aushängeschild dürften Sponsorenverhandlungen einfacher werden.
Dabei sei es nie das Ziel gewesen, «Jürgen Klopp als Marke aufzubauen», sagte dessen Berater Marc Kosicke einmal der «Welt». «Es geht um geleistete Arbeit und die Persönlichkeit, die man hat. Sportlicher Erfolg ist die Grundlage für eine gute Vermarktung.»
Neben seinen Erfolgen lebt Klopp auch von seinem Charisma. Viele Fans sehen in ihm einen sympathischen und humorvollen Menschen. Genau dieses Image machen sich Unternehmen zunutze. Dass der frühere Trainer von Borussia Dortmund und des FC Liverpool gleichzeitig für so viele Marken wirbt und dabei wenig Markentreue zeigt, wird allerdings auch kritisch gesehen. (abu/t-online.de)

