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Beim HC Ambri-Piotta bricht nach gutem Saisonstart keine Euphorie aus

Lukas Landry (HCAP) celebrates his goal, during the regular season National League game between HC Lugano and HC Ambri Piotta at the ice stadium Corner Arena, Switzerland, September 26, 2026. (KEYSTON ...
Ambri ist gut in die Saison gestartet. Bild: Keystone

Warum Ambri trotz guten Starts voll auf Demut setzt

Ambri-Piotta ist gut in die Saison gestartet, doch von Euphorie will niemand etwas wissen. Die Verantwortlichen verfolgen ihren Weg konsequent weiter, mit einem klaren Plan und viel Demut.
01.10.2026, 15:0201.10.2026, 15:02
sascha fey / keystone-sda

Die Erwartungen waren nach dem 5:3-Derbysieg am Samstag in Lugano entsprechend hoch, umso grösser war die Ernüchterung der heissblütigen Fans der Biancoblu nach dem 0:3 gegen Davos am Dienstag. Dennoch kann Ambris Saisonstart mit elf Punkten aus sieben Partien als gelungen bezeichnet werden.

Am Dienstag verlor Ambri zuhause gegen Davos. Video: YouTube/National League

Darauf angesprochen, antwortet Sportchef Lars Weibel: «Wir sind demütig, lassen uns nicht blenden.» Klar sei es ein guter Saisonstart, «aber wir müssen noch viel lernen, das Puckmanagement ist noch nicht so, wie es sein sollte, wir bringen uns immer noch selber in Schwierigkeiten.»

Weibel arbeitete zuvor sehr erfolgreich während sieben Jahren bei Swiss Ice Hockey als Direktor Sport – in seiner Amtszeit verbesserte sich das Männer-Nationalteam in der Weltrangliste vom 8. auf den 1. Platz und holte dreimal WM-Silber. Nun hat sich der 52-jährige frühere Topgoalie bei Ambri einer neuen Herausforderung verschrieben.

Die Jugend als Zukunft

Weibel ist sich bewusst, dass die Herausforderung gross ist. Der Dorfverein ist finanziell nicht auf Rosen gebettet, muss sparen, denn es gilt, nebst den Hypotheken für die im September 2021 eröffnete Gottardo Arena auch den erhaltenen Covid-Kredit zurückzuzahlen. Es kommt also nicht von ungefähr, dass die Leventiner das jüngste Team der Liga stellen. Für sie gibt es keinen anderen Weg, als auf Talente zu setzen und diese zu fördern – im Wissen, dass die Besten mittelfristig zu finanzkräftigeren Klubs wechseln werden. «Das müssen wir akzeptieren», sagt Weibel, «das ist die einzige Chance, dass dieser Verein sportlich und wirtschaftlich überleben kann.»

General manager Lars Weibel, during the HC Ambri Piotta 2026/27 season-opening press conference at the Gottardo Arena in Ambri, Switzerland, September 1, 2026. (KEYSTONE/Ti-Press/Andrea Branca)
Lars Weibel will bei Ambri junge Talente fördern. Bild: keystone

So stellten die Verantwortlichen einen klaren Vierjahresplan auf. Die aktuelle Spielzeit ist nach den Turbulenzen der vergangenen Saison mit den Abgängen von Trainer Luca Cereda und Sportchef Paolo Duca, die rund achteinhalb Jahre bei Ambri tätig waren, als Konsolidierungsjahr gedacht. Nach zwei Jahren des sportlichen Neuaufbaus soll das Team in der vierten Saison ein ernsthafter Playoff-Kandidat sein.

«Eine Strategie kann jeder machen», sagt Weibel, «ich stehe jedoch dafür ein, diesen Plan konsequent durchzuziehen. Diesen Power bringe ich mit, das habe ich mit dem Nationalteam, glaube ich, bewiesen.» Gleichzeitig stellt er klar, dass weder er noch Jussi Tapola (der Trainer) besonders geduldig seien. Der Vierjahresplan bedeute keineswegs, dass sie auf Zeit spielen würden. «Das ist einfach die Realität.»

Der ebenfalls 52-jährige Tapola ist ein renommierter Trainer. Mit Tappara Tampere gewann er viermal die finnische Meisterschaft und 2023 die Champions Hockey League. Er gehörte auch mehrmals zum Staff der finnischen Nationalmannschaft, so auch beim diesjährigen WM-Titel in Zürich – im Final setzten sich die Nordländer mit 1:0 nach Verlängerung gegen die Schweiz durch. Zwar war Tapolas Verpflichtung mit entsprechenden Kosten verbunden, «aber wenn wir das Gefühl haben, auf dieser Position als Erstes sparen zu müssen, dann setzen wir falsche Prioritäten», so Weibel.

Head Coach Jussi Tapola (HCAP) motivates his players, during the regular season National League game between HC Ambri Piotta and HC Davos Piotta at the ice stadium Gottardo Arena, Switzerland, Septemb ...
Jussi Tapola steht auch für Konsequenz. Bild: keystone

Konsequenz als oberstes Prinzip

Wie Weibel steht auch Tapola für Konsequenz. Das bekam beispielsweise Chris DiDomenico in diesem Frühjahr zu spüren. Obwohl er der Topskorer der Mannschaft war, schenkte ihm Tapola wegen unterschiedlicher Vorstellungen über die Spielweise kein Vertrauen mehr. Aktuell ist Inti Pestoni, der talentierteste Spieler im Team und eine Legende in Ambri, zum Zuschauen verdammt, weil er physisch die gestellten Anforderungen nicht erfüllt. Denn es wurden Werte definiert, die als nötig erachtet werden, um über 60 Minuten die gewünschte Intensität aufs Eis bringen zu können. Für Weibel ist das «Battle Level» bei gleichzeitig hohem Tempo das A und O für den Erfolg. Diesbezüglich kennt er keine Kompromisse.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
Player Image

Nation Flag

Aktuelle
Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

Einer, der die geforderten Tugenden perfekt verkörpert, ist Nathan Borradori. Deshalb wurde der 20-jährige Stürmer, obwohl er vor dieser Saison erst elf Partien in der National League bestritten hatte, vom Management und Coaching-Staff ins Führungsteam berufen. «Er lebt unsere Werte hoch fünf, kein Spieler ist fitter als er», sagt Weibel. Als Captain amtet der 21-jährige Tommaso De Luca, der aus dem eigenen Nachwuchs stammt. Auch das sind wichtige Zeichen.

Die Fitness ist für Weibel einer der Gründe für den guten Saisonstart. Er betont allerdings, dass dieser Prozess noch lange nicht abgeschlossen sei, sondern weiterhin hart gearbeitet werde. Eine Alternative gibt es für ihn nicht: Wer diesen Weg nicht mitgehen möchte, ist am falschen Ort.

Zudem scheint die Verpflichtung von Roby Järventie ein Glücksgriff gewesen zu sein. Der Finne verbuchte in den ersten sieben Spielen fünf Tore und fünf Assists, obwohl er immer noch angeschlagen ist. Weibel hebt aber auch den neuen Tschechen Petr Kodytek hervor. Dieser mache zwar weniger Punkte als Järventie, arbeite aber nach vorne und hinten, als gebe es kein Morgen. Deshalb sei er für die Mannschaft extrem wichtig.

Für Weibel stimmt der eingeschlagene Weg, auch wenn er sich bewusst ist, dass schwierige Zeiten kommen dürften. Umso mehr bleibt er demütig. (abu/sda)

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