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Die Langnauer Fans verfolgen das Eishockeyspiel der National League B zwischen dem SC Langenthal und den SCL Tigers am Samstag, 30. November 2013 in der Schorenhalle in Langenthal. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Sportlich scheint die Serie schon entschieden, emotional noch lange nicht. Bild: KEYSTONE

Eishockey wie zu Gotthelfs Zeiten: Warum zwischen Langnau und Langenthal die Fetzen fliegen

Im NLB-Halbfinal zwischen Langnau und Langenthal geht es zu wie zu Gotthelfs Zeiten. Zorn und Aufregung sind so gross, dass sogar Videos verloren gehen.



Zum ersten Mal in der Geschichte treten die SCL Tigers und der SC Langenthal im Rahmen einer Playoffserie gegeneinander an. Es ist eines der letzten wahren Derbys im Schweizer Hockey.

Beide Klubs sind im gleichen Jahr (1946) gegründet worden, und seit dieser Gründung sind die Langenthaler von einer Mission beseelt: einmal besser sein als Langnau. Bis heute ist das noch nie gelungen. Einzelne grosse Siege hat es wohl gegeben – aber am Ende der Saison waren die Langnauer bis heute halt immer besser und im Gegensatz zu den Langenthalern haben sie es bis in die NLA, ja bis zum Schweizer Meister (1976) gebracht. Aber jetzt diese goldene Gelegenheit: in einer Playoffserie die Langnauer bodigen. Es wäre der grösste Triumph in der Klubgeschichte. Die Erfüllung eines Traumes. Es wäre vollbracht.

Fans verfolgen das Eishockeyspiel der National League B zwischen dem SC Langenthal und den SCL Tigers am Samstag, 30. November 2013 in der Schorenhalle in Langenthal. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Nicht immer geht es auf den Rängen der Eishalle Schoren so ruhig zu und her wie hier. Bild: KEYSTONE

Aber der Traum wird nicht in Erfüllung gehen. Langnau führt bereits 2:0. Mit 10:2 und 9:4 ist Langenthal gedemütigt worden. Und wie einstmals zu Gotthelfs Zeiten wird ordentlich mit Stecken dreingeschlagen. Bisher sind 188 Strafminuten verhängt worden.

Die Aufregung ist so gross, dass sogar Videos verloren gehen. Nach dem 9:4 in Langenthal war der Zorn der Langnauer über die raue Spielweise des Gegners gross. Sportchef Jörg Reber verkündete, man werde Videos einreichen. «Ich bin kein Fan von solchen Aktionen, aber das können wir uns nicht bieten lassen.» Jawohl! Gut gebrüllt!

Video landet beim «Blick» statt beim Einzelrichter

Den markigen Worten folgten keine Taten. Seine Video-Eingabe kam zwar unverzüglich auf das Onlineportal der nationalen Tageszeitung «Blick», aber dummerweise nie beim Einzelrichter an. Es deshalb bleibt bei der automatischen Spielsperre nach einer Matchstrafe gegen Joël Fröhlicher, Langenthals Mann fürs Sackgrobe.

Jörg Rebers Ausrede: Dummerweise habe Nick Hess, in Langnau für die Bildermaschine verantwortlich, das Video Supervisor Heinz Ramseier statt dem Einzelrichter zugestellt – und dort blieb es dann auch. Erst am Donnerstag, nach mehreren Nachfragen, warum nichts gehe, kamen die Bilder doch noch an der zuständigen Stelle der Liga-Hierarchie an. Viel zu spät – die Eingabefrist war schon am Vortag um 10 Uhr abgelaufen.

Die Langnauer Fans und Torschuetze Raphael Kuonen, Mitte links, bejubeln das vierte Tor beim Eishockeyspiel der National League B zwischen dem SC Langenthal und den SCL Tigers am Samstag, 30. November 2013 in der Schorenhalle in Langenthal. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Langnau vs. Langenthal: Eine Serie, die polarisiert. Bild: KEYSTONE

Um die Gemüter zu beruhigen und die Peinlichkeit zu mildern, erklärte Einzelrichter Reto Steinmann den Langnauern, er habe nachträglich die Bilder analysiert und er hätte so oder so kein Verfahren eröffnet. Es ging um einen Stockschlag von Anton Ramov gegen Chris DiDomenico.

Sportchef Jörg Reber weiss jetzt wenigstens, dass er die Videos direkt beim Einzelrichter und nicht bei irgendwelchen Funktionären oder beim Online-Portal einer Boulevard-Zeitung einreichen muss. Langenthals Geschäftsführer Gian Kämpf hat Verständnis für die Aufregung. «Ich kann gut nachvollziehen, dass es für die Langnauer eine Zumutung ist, in unserem kleinen Stadion spielen zu müssen. Aber so ist es halt, wenn man in der gleichen Liga spielt …»

Mit Gotthelfs Worten

Die Frage ist ja schon: Wie kommt es, dass im tiefen Herzen des Schweizer Landes doch noch ein Rest der Derby-Kultur bewahrt worden ist? Heute haben die Bewohner der urbanen Zentren ja kaum mehr eine Vorstellung von der reichen Kultur der echten Dorfrivalitäten. Selbst die Partien zwischen dem SC Bern und den SCL Tigers sind seit Jahren keine echten Derbys mehr.

Aber Langenthal (14'944 Einwohner) und Langnau (8956 Einwohner) sind eben von der Mentalität her keine urbanen Zentren, sondern grosse Dörfer im Emmental und im Oberaargau. In beiden Landesteilen hat einst der grosse Dichterfürst Jeremias Gotthelf gelebt und gearbeitet. Im oberaargauischen Herzogenbuchsee und im emmentalischen Lützelflüh.

Jeremias Gotthelf

Der Dichterfürst himself: Jeremias Gotthelf.

Wenn wir «Uli der Pächter» zur Hand nehmen (ein Klassiker der Weltliteratur!), dann verstehen wir, warum die Fetzen zwischen Langnau und Langenthal fliegen, und was ein Derby im Emmental und im Oberaargau bedeutet. Hier der mehr als 150 Jahre alte Bericht über einen sportlichen Wettkampf zwischen Brönzwyl und Erdöpfelkofen in der Region Emmental/Oberaargau – aus der Feder des grossen Dichterfürsten. Mit ein paar sprachlichen Handgriffen wird daraus eine vortreffliche Schilderung, wie es in diesen Tagen zwischen den SCL Tigers und dem SC Langenthal zu und her geht.

«Es war schon lange davon die Rede gewesen, dass die Langnauer und Langenthaler ein Wetthockeylen abhalten sollten. Zur Zeit, als nun die beiden Dörfer miteinander hockeylen wollten, war auch der Dorfhass in vollem Leben. Es war nämlich eine Zeit im Kanton Bern, wo jedes Dorf das andere hasste, jedes Dorf seinen Spottnamen hatte, wo dieser Hass bei jedem Tanz, an jedem Markt und zwischendurch im Jahr noch sehr oft mit Prügeleien neu besiegelt wurde, daher nie veraltete, sondern in seiner gleichen Schärfe von einem Geschlecht zum anderen überging. Damals schlug man sich noch mehr als jetzt, es war ein nationales Schlagen mit Scheitern, Stuhlbeinen, Zaun- und Hockeystecken, und die harten Bernergrinde wurden wohl sturm dabei, aber brachen nicht ein.

Schon lange hatten sie sich während der Qualifikation gegenseitig verhöhnt, ehe man dazu kam, sich im Halbfinale zu begegnen. Nun entstand in beiden Dörfern ein reges Leben, jede Abendstunde wurde zum Training genutzt. Die Alten brummten über viel Zeitversäumnis, sagten voraus, das werde eine schöne Geschichte absetzen, und nahmen doch eifrig Teil an allem. Die Auswahl der Spielenden geschah mit der grössten Sorgfalt und nach langem Prüfen und Wägen; denn die Ehre des Dorfes stand auf dem Spiele.»

Nächste Runde: Freitag, 19.45 Uhr an der Ilfis zu Langnau.

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • hereal 06.03.2015 14:00
    Highlight Highlight da muss ich den kommentarschreibern recht geben:langenthal wird von uns tigerfans nicht als derby angesehen.
    ein echtes derby sollte nämlich auf augenhöhe stattfinden...
    9 2 Melden
  • powermaus74 06.03.2015 13:52
    Highlight Highlight Tja ohne Gotthelf wüsste Klausi nicht wie über Langnau schreiben. Habe noch nie einen SCL Tigers Beitrag gesehen ohne Bezug zum Pfarrer und der längst vergangen Zeit.
    Und gerade dieser Umstand ist ein Witz. Dann Klausi ist das Gegenteil eines Pfarrers - vorlaut und intrigant.
    Tja und von Hockey hat er soviel Ahnung, wie einer der seit Jahrzehnten in allen Stadien ein- und ausgeht - immer auf der suche nach einer doofen Story, aber ohne wirkliches Interesse am Hockey und seinen Fans selber.
    Ich kann Cheesesteak nur rechtgeben.... Lä-cher-lich!
    2 6 Melden
  • exeswiss 06.03.2015 13:46
    Highlight Highlight übrigens das mit dem angeblichen einsenden beim blick ist nicht wahr. blick hat es vom youtube besitzer gekauft, darum ist dieses jetzt auch nur noch privat auf youtube und nicht mehr öffentlich.
    3 0 Melden
  • Buyer's Remorse 06.03.2015 08:15
    Highlight Highlight Mann Mann Mann, da war wohl jemand zu lange beim Blick...
    Da fehlen mir die Worte. Wie kann eine Kolumne von vorne bis hinten derart falsch und unwahr sein? Wieso gehen Sie nicht einfach zum unter Emmentaler ihre Langnau-Kolumne schreiben? Dort interessiert sich nämlich auch niemand für Tatsachen.
    4 11 Melden
  • Coach Cpt. Blaze 05.03.2015 19:37
    Highlight Highlight Unglaublich wie viel Ahnung Sie haben Herr Zaugg! Lä-cher-lich! Auf dem Papier ja - im Stadion: Eindeutig NEIN! Fragen Sie sich mal bei den Fans durch; ich glaube für mindestens 98% der Langnauer ist der SCB DAS Derby und bei den Langenthaler erhielten Sie auf die gleiche Frage Olten zur Antwort.
    So einen Schwachsinn habe ich noch selten gelesen. Heieiei... "Die Erfüllung eines Traumes. Es wäre vollbracht". Hat ihnen das ein Güggel auf dem Miststock gekräht!?
    Ganz ehrlich: Die Serie gegen Tschaux war etwas vom geilsten was ich bis jetzt mit dem SCL erlebt habe. Nicht weil wir gewonnen haben, rein vom emotionalen, stimmungsmässigen und leidenschaftlichen Aspekt her!
    26 8 Melden
    • Jimmy :D 05.03.2015 22:26
      Highlight Highlight Kann ich nur zustimmen

      Der Derbygegner von Langenthal is und bleibt Olten !
      17 2 Melden
    • exeswiss 06.03.2015 13:51
      Highlight Highlight natürlich... weil man ja sonst nix anderes kennt.
      4 5 Melden

Chris DiDomenico kommt – Langnau tritt die neue Saison mit fünf Ausländern an

Langnaus Sportchef Jörg Reber bestätigt die Einigung mit Wunsch-Leitwolf Chris DiDomenico. Er hofft, den Transfer in den nächsten Tagen offiziell melden zu können.

Im Februar 2017 hat Chris DiDomenico die SCL Tigers während der Saison trotz eines laufenden Vertrages verlassen. Der Kanadier setzte eine Vertragsauflösung durch. Um die Chance in der NHL (Ottawa) zu packen. Er hat sich in der NHL nicht behauptet (27 Spiele/10 Punkte). Aber immerhin spielte er soeben überragende Playoffs in der Farmteamliga AHL (13 Spiele/18 Punkte).

Seit langer Zeit ist die Rückkehr des charismatischen Leitwolfes in Langnau ein Thema. Ein Zweijahresvertrag ist mit dem Agenten …

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