Aufstieg und Fall eines Titanen – Peter Zahner und die grösste Dummheit unseres Hockeys
Kurz ein Überblick: Das IIHF-Council ist die Regierung des Welt-Eishockeys. Die Schweiz hatte in diesem höchsten Gremium des internationalen Verbandes (IIHF) die meiste Zeit und seit 1986 permanent einen Sitz und von 1994 bis 2021 führte René Fasel als Präsident gar den Vorsitz.
Nach dem Rücktritt von René Fasel (er stellte sich nicht mehr zu Wiederwahl) schaffte Raëto Raffainer die Wahl ins IIHF-Council. Er wäre nun am Freitag beim Kongress auf Teneriffa problemlos wiedergewählt worden – mit ziemlicher Sicherheit sogar als Vizepräsident und Präsident der europäischen Verbände.
Und nun kommen wir zur grössten politischen Dummheit in der Geschichte unseres Hockeys. Den Kandidaten für die Wahl schlagen die Landesverbände vor. In unserem Fall der Verbands-Verwaltungsrat.
Dieses Narrenschiff hat den 44-jährigen Raëto Raffainer abgesägt und für ihn den 65-jährigen Peter Zahner ins Rennen geschickt.
Diese politische Kalberei können wir in einem Wort zusammenfassen: Hybris. Hybris bedeutet Hochmut, Selbstüberschätzung und Anmassung. Jemand überschätzt seine eigene Macht oder Bedeutung.
Peter Zahners Bedeutung für unser Hockey kann nicht überschätzt werden. Er war jahrelang Sportdirektor des Verbandes und legte den Grundstein für die Rückkehr zur sportlichen Bedeutung. Für die ZSC Lions hat er in Zürich den Bau des neuen Tempels orchestriert. In einer Stadt, in der es nicht einmal mehr möglich ist, ein Fussballstadion zu bauen.
Nun geht er seiner Pension entgegen und als Krönung seiner Karriere wollte er in die Eishockey-Weltregierung einziehen. Im Ruhestand noch viel Prestige und schöne Reisen zu den Hockey-Weltereignissen obendrauf.
Als Mitglied des Verbandsverwaltungsrates brachte er dieses Gremium dazu, ihn statt Raëto Raffainer für die Wahl ins IIHF-Council zu nominieren. Alle Warnungen sind als bösartige Kritik abgetan worden. Dabei ist allein schon der Umstand absurd, einen 44‑jährigen, bestens vernetzten Kandidaten durch einen nicht so gut vernetzten 65‑Jährigen zu ersetzen.
Peter Zahner ist am Freitag nicht knapp, sondern hochkant gescheitert. Während der ganzen Wahlprozedur lag er nie auf einem der «Playoff-Ränge» (auf den Plätzen fürs IIHF-Council). Aufstieg und Fall eines Titanen. Zum Stichwort Hybris passt: Peter Zahner ist zwar im nationalen Hockey ein Titan. Aber international ein politischer Zwerg. Er hat wohl gute Beziehungen zu den grossen Verbänden. Die aber stimmten für ihre eigenen Kandidaten und machen sowieso keine Mehrheit. Raëto Raffainer hingegen wurde getragen von den «Kleinen», die wie ein IIHF-Vollmitglied eben auch eine Stimme haben. Er ist national ein Zwerg, war aber international durch seine Vernetzung mit den «Kleinen» ein Titan.
Zum Stichwort Hybris passt weiter, dass Peter Zahner auf die Wahlhilfe ausgerechnet von René Fasel gesetzt hat. Der politische Schwefelgeruch durch dessen Nähe zu Russland hätte Zahner eigentlich in die Nase stechen müssen. Die Allianz mit Fasel hat die sowieso nur im Promillebereich liegende Wahlchance gänzlich ruiniert.
Was sind die Folgen? Der internationale Verband (IIHF) hat seinen Sitz in Zürich. Aber unser Hockey hat dort künftig praktisch keinen Einfluss mehr. Erstmals seit 1986 ohne Sitz im IIHF-Council und der Generalsekretär (Geschäftsführer) ist auch kein Schweizer. Der letzte Mohikaner, der noch einen Fuss in der Türe hat, ist IIHF-Finanzdirektor Gion Veraguth. Aber er geht bald in Pension. Ein Schweizer, der beim IIHF-Sitz als Einweiser für die raren Parkplätze fungiert, hat künftig noch am meisten Einfluss.
Gut für unser Hockey ist immerhin die Wahl von Franz Reindl (71) zum neuen IIHF-Präsidenten. Mit der deutschen Hockeylegende pflegen die Granden unseres Hockeys seit Jahren beste Beziehungen. Er ist zwar auch ein altes Krokodil, aber durch seine Verbundenheit mit der Basis und der Realität als Spieler und später Manager und Verbandsfunktionär durch und durch ein Mann des Hockeys.
Innenpolitisch ist eigentlich klar: Die krachende Wahlpleite hat keinen Einfluss auf Peter Zahners segensreiches Wirken bei den ZSC Lions. Aber der grosse Impresario dieser politischen Eselei ist als Verwaltungsrat unseres Verbandes (oder alle anderen Verbandsfunktionen) nicht mehr tragbar. Es obliegt dem neuen Obmann Marc Lüthi, seinem Freund den Rücktritt nahezulegen.
Für alle, die den Kick suchen
Auch in dieser Saison können die Schweizer Eishockeyfans ausgewählte Spiele im Free-TV mitverfolgen.
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