Ein «hölzerner Gretzky» für Zug und weitere positive Gerüchte
Am Montag ist eine Aussprache zwischen den verschiedenen Gönnervereinigungen (Club 76, Club 111, Wings Members Club, die pro Saison rund fünf Millionen beisteuern) und Präsident Hans-Peter Strebel geplant. Eine Art Friedenskonferenz (aber natürlich nicht auf dem Bürgenstock, obwohl man das Geld für diese Lokalität hätte). Um die Unstimmigkeiten zu bereinigen und den Klub vom Hochleistungszentrum OYM zu emanzipieren (so hoffen Romantiker) oder dem Präsidenten eine goldene Brücke zum Rücktritt und ewigem Ruhm und ewiger Dankbarkeit des Klubs zu bauen.
Auch der neue Geschäftsführer und Obersportchef Paolo Duca wird bei dem Treffen erwartet. Er ist klug genug, um sich nicht schon in den ersten Tagen an der neuen Wirkungsstätte in die hochheikle Klubpolitik einzumischen. Als streitbarer Gemeinderat von Ascona weiss er zu gut, wie Politik funktioniert.
Von Paolo Duca werden hoffnungsvolle Neuigkeiten erwartet. Gewährsleute melden, dass er am Montag womöglich Optimismus verbreiten kann. In erster Linie mit zwei aussichtsreichen Transfergerüchten. Wohlverstanden: erst Gerüchte.
Zug sucht ja auf der Centerposition einen neuen starken Mann. Einen, der das Team zu tragen und Jan Kovar – endlich – zu ersetzen vermag. Die Gewährsleute aus den internationalen Spielerhandels-Firmen melden fortgeschrittene Verhandlungen der Zuger mit einem hochinteressanten Spieler: mit Cameron Hughes, dem «hölzernen Gretzky».
Der 29-jährige Kanadier ist ein Genie im Werktagskleid des Handwerkers. Also kein Schillerfalter oder Spektakelmacher. Das klingt vorerst ungefähr so sexy wie eine Steuererklärung im Kanton Zug. Aber Zug braucht in der Phase des Neuaufbaus keinen Schillerfalter auf der Mittelachse. Sondern einen verlässlichen und doch genialen Steuermann. Einen wie Cameron Hughes.
Die Rapporte der Scouts sind verheissungsvoll: Er denkt das Spiel schneller als die Mit- und Gegenspieler. Er liest Spielsituationen hervorragend, schliesst Passwege, unterstützt seine Verteidiger tief im eigenen Drittel und ist ständig anspielbar. Er ist mehr Vorbereiter als Vollstrecker. Nicht der Mann des letzten Schusses, sondern des vorletzten Passes. Er sieht Lücken, bevor sie entstehen, und spielt den Puck oft mit erstaunlicher Ruhe durch den Verkehr. Auch letzte Saison hat er in der Farmteamliga AHL mehr als einen Punkt pro Spiel produziert. Ein «hölzerner Gretzky» eben. Denn er ist auch ein Handwerker, arbeitet zuverlässig zurück, gewinnt viele kleine Zweikämpfe, spielt diszipliniert, verlässlich auch in Unterzahl und gewinnt die wichtigen Bullys.
Er ist kräftig und mutig und kann mit den bösesten Hunden bellen. Kurzum: einer, der in allen wichtigen Situationen eingesetzt werden kann. Und doch hat es nicht für die NHL gereicht (5 Spiele/1 Punkt). Weil er – gemessen am NHL-Level – fast alles gut, aber nichts überragend macht.
Er wird es nach neun Jahren und über 500 Partien (und mehr als 400 Punkten) nicht mehr in die NHL schaffen. Zeit also, sein Talent doch noch zu kapitalisieren. Und das geht ausserhalb der NHL immer noch am besten in unserer National League (sofern man nicht nach Russland will …) und in der National League am besten bei einem EV Zug in sportlicher Not.
Romantiker hoffen auch, dass Paolo Duca melden kann, dass Vinzenz Rohrer geneigt ist, in Zug einen lukrativen Dreijahresvertrag zu unterschreiben. Sobald seine Vertragssituation mit Montréal bereinigt ist.
Und vielleicht kann Paolo Duca auch ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern und ein weiteres Gerücht von den Gewährsleuten des internationalen Spielerhandels bestätigen. Zug suche auch noch einen offensiv starken Verteidiger. Um den verletzungsanfälligen Lukas Bengtsson (letzte Saison inkl. Playoffs nur 28 Spiele) zu entlasten oder zu ersetzen. Kein Klub der Liga hat so viel Erfahrung im Ersetzen von Ausländern mit weiterlaufenden Verträgen.
Das alles sind, wie gesagt, nur Mutmassungen von der internationalen Gerüchtebörse. Aber in diesen bewegten Zeiten gehört es sich, auch mal positive Gerüchte über Zug zu verbreiten. Nützen sie nichts, so schaden sie ja auch nicht.
