Red Bull neuer Liga-Sponsor – aber die Klubs bleiben tabu
Red Bull war schon in der vergangenen Saison mit einer gut im Fernsehen sichtbaren Werbung an der unteren Torumrandung bei den Partien der National League dabei. Nun wird das Engagement stark erweitert und Red Bull wird neben der Postbank (PostFinance) für drei Jahre (mit Verlängerungsoption) zweitgrösster Werbeinvestor bei der National League. Zahlen werden nicht genannt. Es dürfte sich um eine siebenstellige Summe handeln. Die Einnahmen werden von der Liga an die Klubs weitergegeben.
Die National League, vom Verband unabhängig, hat allerdings nur wenige Werbeflächen zu verkaufen (etwa den Mittelkreis). Die meisten Werberechte und -flächen in den Stadien und auf dem Eis liegen in den Händen der Klubs, die sie für ihre Partner nutzen.
Deshalb bekommen die Energiegetränke-Brauer eine ganz besondere Werbepräsenz: Die Verlängerungen bei allen Partien der National League heissen ab nächster Saison «Red Bull-Overtime».
Die Liga könnte theoretisch ihren Namen mit einer Werbebotschaft kombinieren. Die höchsten Spielklassen in Deutschland, Tschechien und der Slowakei sowie die Österreichisch-Italienisch-Ungarische Liga haben ihre Bezeichnung mit Werbung ebenso kombiniert wie bei uns die zweithöchste Liga (Sky Swiss League). «Red Bull National League» wäre also durchaus möglich. Aber dieser «Seelen-Verkauf» wird von den Liga-Verantwortlichen ausgeschlossen. Tatsächlich steht die Bezeichnung einer Liga für ihre Identität, Wiedererkennung und Tradition, sollte unantastbar bleiben und nicht durch Werbung «entweiht» werden.
In mehreren Ländern ist Red Bull bei Fussball- und Hockeyclubs direkt engagiert. Im Eishockey in Österreich (Red Bull Salzburg) und in Deutschland (Red Bull München) und im Fussball in Brasilien, Österreich, Deutschland, Japan und den USA. In unserer National League wird es hingegen weiterhin keine Beteiligung an Klubs oder Übernahmen von Klubs geben.
Der Hintergrund für den Verzicht ist interessant: Red Bull hat einst den Einstieg beim SC Bern erwogen. Nach gründlicher Abklärung und intensiven Verhandlungen kam das Management dann zum Schluss, dass die Klubnamen in unserem Hockey eine viel zu starke Ausstrahlung und Magie haben, eine Umbenennung beispielsweise in «Red Bull Bern», «Red Bull Ambri» oder «Red Bull HCD» einen Fanaufstand sondergleichen provozieren und kein Mensch diese Bezeichnungen übernehmen würde.
Eine Liga, die so gut ist, dass eine der erfolgreichsten Firmen der Welt als Werbepartner einsteigt, obwohl sie die Bezeichnung der Liga nicht übernehmen kann, Klubnamen, die so stark mit der Basis verwurzelt sind, dass sie von hochprofessionellen, international erfahrenen Werbespezialisten als zu stark und damit unantastbar eingestuft werden – beides Komplimente für unsere National League und ihre Klubs.
