«Eine Niederlage für den FCB»: Das sagt Valentin Stocker zur Lichtsteiner-Entlassung
Vier Tage lang herrschte beim FC Basel Schweigen. Nach der Entlassung von Stephan Lichtsteiner als Cheftrainer der Basler äusserte sich niemand. Gar die wöchentliche Pressekonferenz wurde abgesagt.
Am Sonntag nun vor dem Spiel der Basler in Luzern bezog mit Valentin Stocker der Sportliche Leiter der 1. Mannschaft erstmals Stellung, sprach davon, dass der Glaube verloren gegangen sei, «es könne sich in eine positive Richtung entwickeln.»
Zusammen mit FCB-Boss David Degen und dem technischen Direktor Andreas Herrmann sei Stocker bereits am vergangenen Sonntagabend länger zusammengesessen und habe über die Trainer-Thematik gesprochen – genau so wie am Montag, Dienstag und Mittwoch danach. Schon vor den zwei Heimniederlagen gegen Sion und Lugano vergangene Woche sei Dampf auf dem Kessel gewesen. Entsprechend sei in den Analysen auch Thema gewesen, «ob wir dem Druck von aussen würden standhalten können und ob wir weiterhin daran glauben».
Diese Entscheidungsfindung habe ein paar Tage gedauert, auch, bis sich Degen, Herrmann und Stocker einig waren und sich durchgerungen hätten. «Einen richtigen Zeitpunkt gibt es nie. Es braucht einfach Zeit, um alles sauber aufzuarbeiten.» Auf den Fakt, dass Lichtsteiner seine Entlassung durch eine ungeschickte Aussage selbst beschleunigt hatte, wollte Stocker nicht eingehen. So soll Lichtsteiner dem Team am Mittwoch gesagt haben, dass er nur noch bis zur Nati-Pause in Basel sein werde. Als die Vereinsführung dies erfuhr, zog sie die Reissleine und entliess ihn am selben Tag. Stocker sagte dazu nur: «Im Fussball gibt es gewisse Eigendynamiken.»
«Sicher auch Kandidaten mit einem anderen Palmarès»
In seinen Augen hätte der geschasste Coach dennoch bis zum Schluss eine faire Chance gehabt. Dass es nach nur sieben Ligaspielen zum Ende gekommen ist, bedauert Stocker. «Ich habe das auch vor der Mannschaft gesagt: Es ist nicht nur eine Niederlage für den Trainer, sondern auch eine für mich persönlich, für den FC Basel, aber auch für die Mannschaft.»
Wer diese in Zukunft betreuen soll, ist gemäss Stocker Stand Sonntag noch unklar. «Wir haben verschiedene Szenarien eröffnet, es ist aber nicht so, dass wir kurz vor Abschluss stehen.» Man wolle in Ruhe entscheiden – mit dem Ziel, bis zur Nationalmannschaftspause, die am 21. September beginnt, Klarheit zu haben.
Das genaue Profil des neuen Trainers wollte Stocker nicht skizzieren. Er sprach davon, dass der Lichtsteiner-Nachfolger «Bock» haben müsse, mit dem jungen, talentierten Kader des FC Basel zu arbeiten. Ob dies – gerade auch als Gegenentwurf zum Trainernovizen Lichtsteiner – eine erfahrene Person sein werde oder nicht, liess er ebenfalls offen. «Natürlich aber ist es ein Thema, wie viel Erfahrung ein Trainer haben muss, um in diesem Umfeld reüssieren zu können.» Entsprechend habe man «sicher auch Kandidaten mit einem anderen Palmarès, als es Lichtsteiner hat».
Auf Namen angesprochen, lächelte Stocker nur und fügte an, dass er mit Sandro Wagner, der als möglicher Kandidat gilt, bei Hertha Berlin zusammengespielt habe. Dem Vernehmen nach hat sich die Akte Wagner jedoch bereits wieder geschlossen. Auch wenn Stocker sagt: «Etwas auszuschliessen ist schwierig. Aufgrund des Netzwerks, das wir haben, und der Strahlkraft, welche der FCB hat, bieten sich auch viele an.» Er sei auf jeden Fall froh, wenn man die Trainerdebatte bald ad acta legen könne.
Die Verträge laufen weiter
Das «Projekt Lichtsteiner» aber wird für den FCB noch für längere Zeit Folgen haben. Im Januar mit einem Vertrag über dreieinhalb Jahre ausgestattet, steht der 42-jährige frühere Nati-Captain entsprechend noch fast drei weitere Jahre auf der Lohnliste der Basler. Auch sein mit ihm entlassener Assistent Mario Cantaluppi wird noch weiter bezahlt werden müssen – genau so wie Lichtsteiners Vorgänger Ludovic Magnin, dessen Kontrakt bis Sommer 2027 läuft.
Mit dem neuen Mann wird der FCB also drei Cheftrainer gleichzeitig bezahlen müssen, bestätigt Stocker: «Wir sind diese Verträge eingegangen und müssen sie weiterhin einhalten.»
Stocker, der selbst offiziell nur bis zum 8. September als kommissarischer Sportlicher Leiter amten wollte, bleibt dem FCB nun doch länger erhalten, wie er bestätigt. Entsprechend wird er dem neuen Basler Coach auch helfen müssen, mit dem wohl wichtigsten Thema umzugehen: wie man Xherdan Shaqiri so einsetzt, dass er wieder brillieren kann.
«Wir standen unter Stephan Lichtsteiner oft sehr defensiv, hatten offensiv weniger Möglichkeiten. Da kam auch Xherdan nicht so zur Geltung, wie wir uns das wünschen», gab Stocker zu. Entsprechend dürfte unter dem neuen Trainer ein anderer Umgang herrschen. Bereits am Sonntag unter der Führung von Interimscoach Luigi Nocentini stand Shaqiri wieder in der Startelf – und traf beim 4:2-Sieg in Luzern sogleich doppelt zum 3:1 und 4:1. In den knapp acht Monaten unter Lichtsteiner traf er nur drei Mal.
Ob der FCB also überhaupt einen neuen Trainer suchen müsste, wenn es unter Nocentini direkt so läuft? Klar ist offenbar wohl nur, dass Nocentini auch kommende Woche gegen St.Gallen erneut an der Linie stehen wird. Egal, ob bis dann ein neuer Mann unterschrieben hat oder nicht. (schweizheute.ch)

