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Fribourg-Gottéron und Davos – so stehen ihre Chancen in National League

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Gottéron und Davos – Finalisten ohne Finalhelden

Der Final zwischen Gottéron und Davos ist erst in der Verlängerung des 7. Spiels entschieden worden. Beide haben Hauptdarsteller in diesem finalen Drama verloren und nicht ersetzen können. Aber es gibt gute Gründe, warum sie erneut den Final erreichen können.
13.09.2026, 10:0913.09.2026, 10:09

Fribourg-Gottéron und sein Glückskind der Hockey-Götter

Reto Berra und Julien Sprunger, die charismatischen Hauptdarsteller in einem meisterlichen Drama haben die Bühne verlassen. Bei jedem anderen Klub wäre der Absturz programmiert. Aber bei Gottéron ist auch nach dem ersten Titel alles anders.

«Nachladen» – also die Verteidigung einer Meisterschaft – ist noch schwieriger als Meister zu werden. Das gilt für alle. Aber gilt auch für Gottéron, was für alle gilt? Nein. Obwohl alles für einen langanhaltenden «Meisterblues» spricht.

Torhüter Reto Berra hat Gottéron Richtung Kloten verlassen. Und Julien Sprunger, der charismatische sportliche und spirituelle Leitwolf wechselt in den Ruhestand. Eigentlich müsste Gottéron nun mehr oder weniger «führungslos» in den «Meisterblues» taumeln. Aber so muss es nicht sein.

Torhueter Reto Berra und Julien Sprunger (HCFG) feiern den Meistertitel mit dem Pokal nach ihrem Sieg gegen Davos in der Verlaengerung im siebten Eishockey Playoff Finalspiel der National League zwisc ...
Sie haben Fribourg-Gottéron nach dem Titelgewinn verlassen: Reto Berra und Julien Sprunger.Bild: keystone

Wer so lange auf den ersten Titel warten musste, wird mehr für eine Titelverteidigung tun als ein «gewöhnlicher» Meister. Erst 46 Jahre nach dem Aufstieg in die höchste Liga ist Gottéron am Ziel seiner Träume, der Träume einer ganzen Stadt, eines ganzen Kantons angelangt. Die Leidenschaft, die Gottéron durch die Playoffs getragen hat, die das «Überleben» des Dramas im Viertelfinal gegen die Lakers und den Triumph in der Verlängerung des 7. Finalspiels auswärts in Davos ermöglicht hat, wird Gottéron durch die schwierige Saison der Titelverteidigung helfen.

Aber wie kann der Leitwolf Julien Sprunger ersetzt werden? Es gibt zwei «vergessene» Meisterhelden, die seine Rolle übernehmen werden. Zwei, die sich zwar auch Meister nennen dürfen, die aber im meisterlichen Drama fast keine Rolle gespielt haben. Weil sie verletzt waren. Sandro Schmid hat keine einzige Playoff-Partie gespielt und Andrea Glauser nur drei. Das bedeutet: Gefühlt sind sie eigentlich nicht Meister. Also werden sie in der Saison der Titelverteidigung auf einer Mission sein. Um richtige Meister zu werden.

Aber wer ersetzt Reto Berra, den wichtigsten Einzelspieler? Das ist die alles entscheidende Frage. Sein Nachfolger Ludovic Waeber ist nicht nur acht Zentimeter kleiner und zehn Kilo leichter als sein Vorgänger. Er ist eigentlich in fast jeder Beziehung eine Nummer kleiner. Aber die Optimisten sagen, er stehe in einer Sache auf Augenhöhe mit Reto Berra: Er sei mit einer unerschütterlichen Ruhe gesegnet und werde deshalb dem Druck standhalten. Somit reduziert sich diese bange Frage auf seine körperliche Verfassung. Er ist so ziemlich in jeder Saison von Blessuren gezwickt worden, seit er Gottéron 2016 verlassen hat und auf eine Reise durch die Hockeywelten aufgebrochen ist, die ihn nach Zürich, Amerika und Kloten geführt hat. Kommt er nun verletzungsfrei durch die Saison, so wird Gottéron bei der Operation Titelverteidigung nicht am Torhüter scheitern.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
Player Image

Nation Flag

Aktuelle
Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

Ein Faktor, der mit zum Meisterblues beiträgt, ist die Hoffart. Und tatsächlich gibt es in den Büros – etwa in jenem von General Manager John Gobbi – höchst beunruhigende Anzeichen der Arroganz und Selbstüberschätzung. Zwei «Todsünden» im Sport. Aber eigentlich müsste es möglich sein, die Kabine davor zu bewahren.

Das stärkste Argument für einen milden Verlauf des «Meisterblues» oder vielleicht gar für eine erfolgreiche Titelverteidiger ist Trainer Roger Rönnberg.

Nein, es geht nicht um taktische Anweisungen, schlaues Coaching, eine magische Motivationsfähigkeit oder eine kluge Verwaltung der Energien. Es geht um einen Faktor, der immer wieder im Sport eine ganz entscheidende Rolle spielt und sich doch dem Einfluss der besten und tüchtigsten Trainer entzieht: Das Glück.

Wenn dem grossen Napoléon, der ja etwas von Führung verstanden hat, einer der Offiziere zur Beförderung zum General vorgeschlagen wurde, stellte er nur eine Frage: Hat der Mann Glück? Wohlwissend, dass einer, der es zum Vorschlag gebracht hat, sein Handwerk versteht und fachlich auf der Höhe ist.

Heute ist jeder Trainer fachlich auf der Höhe. Aber nur ganz, ganz wenige sind Glückskinder der Hockeygötter. Roger Rönnberg ist eines dieser Glückskinder. Wer den Ausfall der WM-Silberhelden Sandro Schmid und Andrea Glauser in der alles entscheidenden Phase unbeschadet übersteht, wer durch das Viertelfinal-Drama gegen die Lakers taumelt und stolpert und doch nicht hinfällt, wer sich in Davos oben im 7. Finalspiel in die Verlängerung rettet, weil der Puck ganz kurz vor Schluss der regulären Spielzeit von der Torumrandung abprallt und nicht ins Netz fährt, der hat: Glück und den Beistand der Hockeygötter.

Head Coach Roger Roennberg (HCFG) feiert den Meistertitel nach dem Sieg gegen Davos in der Verlaengerung im siebten Eishockey Playoff Finalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und HC Frib ...
Aller Widerstände zum Trotz hat Roger Rönnberg Fribourg zum Meistertitel geführt.Bild: keystone

Roger Rönnberg wäre als gewöhnlicher Füsilier von Napoléon direkt zum Marschall befördert worden. Weil er Glück hat. Und weil er Glück hat und bei Gottéron auch in der Saison nach dem ersten Titel alles anders ist, wird ihn das Glück in seiner zweiten Saison nicht verlassen.

Entlassungsgefahr für den Trainer

Minimal

Wer einem Klub den ersten Titel der Geschichte beschert, darf selbst dann mit Rückhalt und Jobsicherheit rechnen, wenn alles aus dem Ruder läuft. Und nichts deutet daraufhin, dass bei Gottéron alles aus dem Ruder laufen wird. Kommt dazu, dass ja Roger Rönnberg ein Glückskind der Hockeygötter ist.

Die wichtigsten Zuzüge

Torhüter Ludovic Waeber (von Kloten), die Stürmer Anthony Richard (aus dem Farmteam von Philadelphia) und Jonas Taibel (Lakers).

Die wichtigsten Abgänge

Torhüter Reto Berra (zu Kloten), die Stürmer Julien Sprunger (Rücktritt), Attilio Biasca (zu Boston), Lucas Wallmark (Björklöven) und Jeremie Gerber (zu Ajoie).

Switzerland's Attilio Biasca in action during the 2026 IIHF Men's Ice Hockey World Championship preliminary round group A game between Switzerland and Hungary, at the Swiss Life Arena in Zur ...
Attilio Biasca versucht sich in der NHL.Bild: keystone

Transferbilanz

Negativ

Potenzial

Zum ersten Qualifikationssieg seit 2013 wird es dem Meister nicht reichen. Aber für eine Spitzenklassierung bei weitem. Weil ja Roger Rönnberg ein Glückskind der Hockey-Götter ist.

Eismeister-Tipp

Rang 2

HC Davos Die entscheidende Frage: Ist der HCD weicher geworden?

Namen sind nur aufs Trikot genähte Buchstaben und Eishockey ist der letzte echte, wahre Teamsport. Diese Grundsätze machen den HC Davos erneut zum aussichtsreichen Titelkandidaten.

Er war einer der Hauptdarsteller bei der grossen «Hockey-Roadshow» der letzten Saison: Matej Stransky. Captain, bester Torschütze der Liga. Wenn ein Team einen so charismatischen Leitwolf verliert, dann folgt bei den Aussichten für die nächste Saison automatisch ein Downgrade. Denn Matej Stransky kann als Einzelspieler nicht ersetzt werden.

PostFinance Top Scorer Matej Stransky von Davos beim Eishockey Playoff Viertelvinal, Spiel 2, der National League zwischen dem EV Zug und dem HC Davos am Sonntag, 22. Maerz 2026 in Zug. (PostFinance/K ...
Nur der HC Davos kann einen Spieler wie Matej Stransky ersetzen.Bild: keystone

Nur eine Mannschaft kann es sich leisten, ohne Arroganz zu sagen: Einer wie Stransky geht – na und? Der HC Davos. Weil der HCD-Topskorer nicht die Mannschaft geprägt hat. Sondern weil er sozusagen ein Produkt des HCD-Stils ist. Matej Stransky hat mehr vom dynamischen, intensiven, mutigen Spiel profitiert als umgekehrt. Er ist auf der HCD-Welle mitgesurft. Aber er hat diese Welle nicht ausgelöst und wenn er nicht mehr dabei ist, wird diese Welle weiterhin über die Gegner hinwegrollen. Es gibt bereits eine Kostprobe dieser Welle: Am 6. September brauste der HCD in der Champions League gleich mit 8:2 über den deutschen Meister Eisbären Berlin hinweg. Mit acht (!) verschiedenen Torschützen. Das bedeutet: Wenn der HCD an einem guten Abend mit Mann und Maus stürmt, dann weiss der Gegner nicht mehr, wo wehren.

Beim «totalen Hockey» der Davoser, eine nahtlose Fortführung des einst von Arno Del Curto kreierten HCD-Stils, übernehmen zwar einzelne Spieler als «Steuermänner» wie Enzo Corvi eine wichtige Rolle. Aber entscheidend ist das Gesamtkunstwerk über vier Linien.

Bei einem Vergleich zum Vorjahr sind die Faktoren Intensität und Tempo entscheidend. Und damit die Frage: Haben Transfers diese Intensität verändert? Mit den Stürmern Matej Stransky, Rico Gredig und Simon Knak sowie den Verteidigern Michael Fora, Klas Dahlbeck und Davyd Barandun hat der HCD tatsächlich sechs Spieler mit einer intensiven Spielweise verloren.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
Player Image

Nation Flag

Aktuelle
Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

Die entscheidende Frage ist also nicht, ob der HCD weniger schnell oder weniger talentiert, sondern einzig und allein, ob der HCD weicher geworden ist.

Ein oberflächlicher Blick auf die Kaderliste sagt: Ja, der HCD dürfte durch die sechs Abgänge weicher geworden sein. Die wichtigsten Neuzuzüge – der kanadische Verteidiger Frédéric Allard und die beiden Stürmer Harrison Schreiber und Ken Jäger – haben insgesamt ungefähr, aber wahrscheinlich nicht ganz den gleichen «Härtegrad». Doch bei Lichte besehen ändert sich eigentlich nichts und die gegnerischen Teams können nicht aufatmen. Intensität und Tempo halten beim HCD weitgehend unabhängig von der personellen Besetzung alle vier Linien hoch. Dafür sorgt mit Josh Holden ein charismatischer Antreiber mit intensivem Führungsstil. Die Intensität des HCD-Spiels, die offensive Durchschlagskraft oder defensive Stabilität hängen von zwei, drei Einzelspielern ab.

Kommt dazu, dass der Transfer von Ken Jäger eine inspirierende Geschichte ist: Er kommt nach acht Lehr- und Wanderjahren in Schweden und im Welschland im Alter von 28 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft heim nach Davos und übernimmt gleich das Amt des Captains. Und mit Dominik Egli kehrt nach zwei Jahren in Schweden ein Verteidiger zurück, der zwar nicht den Härtegrad von Michael Fora hat. Aber den Stürmern noch mehr Assists geben und das Powerplay noch gefährlicher machen kann.

Ein paar Zentimeter (kurz vor Schluss der regulären Spielzeit prallte der Puck von der Torumrandung ab) fehlten im 7. Finalspiel im eigenen Stadion gegen Gottéron zum Titel. Viel mehr als ein paar Zentimeter werden auch im nächsten Frühjahr nicht fehlen. Der Optimist fragt: Welche Auswirkungen hatte denn vor einem Jahr der Rücktritt von Andres Ambühl? Keinen. Na also. Wenn der Grundsatz «Spieler kommen und gehen, der Klub bleibt bestehen» irgendwo Gesetzeskraft hat, dann wohl in Davos oben. Was auch etwas mit einer klugen Führung durch Präsident Gaudenz Domenig und Manager Marc Gianola zu tun hat – zwei, die die HCD-Mentalität ebenso leben und umsetzen wie Josh Holden und seine Spieler.

Entlassungsgefahr für den Trainer

Gleich null.

Josh Holden ist ein Glücksfall für den HCD – und der HCD ein Glücksfall für Josh Holden. Der eingebürgerte Kanadier beginnt seine vierte Saison in Davos und prägt mit seiner Persönlichkeit den Stil einer Mannschaft, die dazu in der Lage ist diesen Stil perfekt umzusetzen. Eigentlich ist Josh Holden in seinem Wesen und Wirken nichts anderes als der neue Arno Del Curto. Ein bisschen diplomatischer zwar, aber mit der gleichen positiven Wirkung. Sein Vertrag läuft noch bis 2028. Anders als bei Arno Del Curto wird es für Josh Holden eine erfolgreiche Hockey-Karriere nach dem HCD im Unterland geben.

Head coach Josh Holden, links, und Harrison Schreiber im Eistraining des HC Davos, am Donnerstag, 13. August 2026, in der VAT Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Josh Holden und der HC Davos: Das passt wie Faust aufs Auge.Bild: keystone

Die wichtigsten Zuzüge

Die Verteidiger Frédéric Allard (von Lulea) und Dominik Egli (von Frölunda), die Stürmer Ken Jäger (Lausanne), Lars Steiner (Rouyn-Noranda/höchste nordamerikanische Junioren-Liga) und Harrison Schreiber (ZSC Lions).

Die wichtigsten Abgänge

Die Verteidiger Davyd Barandun (zu Bern), Klas Dahlbeck (zu Malmö) und Michael Fora (zu Lausanne), die Stürmer Rico Gredig, Chris Egli (zu Zug) und Simon Knak (zu den ZSC Lions) und Matej Stransky (zu Pardubice).

Transferbilanz

Negativ

Potenzial

Eine Wiederholung der perfekten letzten Saison vom ersten bis in die Verlängerung des 7. Finalspiel ist nicht möglich. Aber der HCD bleibt in Titelkandidat.

Eismeister-Tipp

Rang 3

Die bisherigen Teile der Eismeister-Vorschau

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HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
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HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
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quelle: keystone / ennio leanza
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Ajoie, Ambri und Kloten – die letzten Romantiker der Liga
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