Degen steht «zu 100 Prozent» hinter Lichtsteiner, «doch auch er kennt das Geschäft»
Auf grosse Zeitungsinterviews verzichtet FCB-Präsident David Degen seit Längerem. Dafür hat er wie schon im vergangenen März im vereinseigenen Podcast Fragen beantwortet. An Degens Seite ist dieses Mal der neue technische Leiter Andreas Herrmann. Die beiden sprechen unter anderem über …
... die Kaderplanung und fehlende Typen:
«Der Kader war in der vergangenen Saison eher erfahren. Wir wollten ihn mit Talenten verjüngen. Wobei es eigentlich nicht um jung oder alt, sondern nur um gut oder schlecht geht. Ausserdem wollten wir bei der Resilienz und dem Verantwortungsbewusstsein ansetzen. Wenn es nicht lief und wir in der abgelaufenen Saison gegen Widerstände ankämpfen mussten, fehlten uns die Typen, die dann Verantwortung übernehmen. Wir benötigen Spieler mit Charakter, die idealerweise die Schweizer Liga kennen. Denn um diese Säulen können alle anderen Spieler wachsen.»
... die Absage von Chris Bedia:
«Die fehlende Abschlussqualität im Sturm war ein Thema, das die Kaderplanung geprägt hat. Es ist kein Geheimnis, dass wir uns auch mit Chris Bedia länger beschäftigt haben. Es gab intensive Gespräche, der Vollzug war nahe, auch mit Union Berlin hätten wir uns geeinigt. Doch am Ende kam es anders, da Bedia in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein besseres Angebot erhalten hat, obwohl auch wir finanziell an die Grenzen gegangen sind. Auch mit Charles Pickel haben wir gesprochen, doch auch er hat sich für einen Transfer in die Emirate entschieden.»
... den neuen Stürmer Zan Celar:
«Wir wollten einen Stürmer, der die Schweizer Liga kennt. Zan brennt für die neue Aufgabe und verdient bei uns nur die Hälfte seines Lohns bei den Queens Park Rangers. Er ist auch drei Jahre jünger als Bedia und hat in der Super League in drei Saisons immer viele Tore geschossen.»
... den Abgang von Andrin Hunziker:
«Schon im Mai gab es ein Treffen mit seinem Berater. Wir hätten ihn gerne als Teil eines Stürmertrios behalten. Doch Andrin hatte den Anspruch, irgendwo klarer Starter zu sein. Sein Vertrag lief noch ein Jahr, weswegen wir ihn ziehen liessen, obwohl wir ihn gerne auch in Basel gesehen hätten.»
... Probleme der eigenen Talente:
«Unser Ziel ist es, so viele eigene Jungs wie möglich auf dem Platz zu haben. Mit Ausnahme von Leon Avdullahu und Giacomo Koloto ist uns das in den vergangenen Jahren nicht wie gewünscht gelungen, obwohl viele Basler in den U-Nationalmannschaften spielen. Aber es reüssieren am Ende zu wenige. Deswegen versuchen wir auf dem Campus vermehrt auch an der Mentalität der Talente zu arbeiten. Unsere Jungen bringen sehr viel Qualität mit, aber sie konnten sich zuletzt nicht in der ersten Mannschaft durchsetzen. Eigentlich wollen wir das, was Barcelona macht, auch in der Schweiz umsetzen. Dass wir Spieler für andere Challenge- oder Super-Ligisten ausbilden, ist nicht unser Ziel. Wir arbeiten hart daran, dass sich das wieder ändert. Dass wir Noah Kakor, Jean Doucoure oder Evann Senaya ins Training der ersten Mannschaft aufgenommen haben, zeigt, dass wir ihnen zutrauen, den Durchbruch beim FCB zu schaffen.»
... Geld vs. rotblaues Herz:
«Ich muss eine Lanze für Xherdan Shaqiri brechen: Er hat auf sehr viel Geld verzichtet und wir sind an unsere finanzielle Schmerzgrenze gegangen. Es gibt aber leider auch andere Spieler, die gerne von einem rotblauen Herz sprechen, aber dann doch dem Ruf des Geldes folgen.»
... das neue Scouting:
«Wir waren in diesem Bereich nicht so aufgestellt wie andere Klubs auf unserer Flughöhe. Deswegen haben wir viel Geld ins Scouting investiert. Mit dem neuen technischen Leiter Andreas Herrmann haben wir jemanden gefunden, der Power und Dynamik hat und das Know-how mitbringt, das es braucht, um gute Spieler zu uns zu holen. Wir müssen schneller sein als die Konkurrenz, die oft grössere Portemonnaies hat. Da helfen auch der neue Chefscout Marko Filipovic und der neue Scout Dennis Hofmann sehr. Anders als in den vorherigen Jahren ist es uns dieses Mal gelungen, relativ früh schon wichtige Transfers zu tätigen, weil wir besser vorbereitet waren. Wir setzen dabei auch viel auf Daten und haben gewisse Werte festgelegt, die Spieler auf unterschiedlichen Positionen erreichen müssen, damit sie auf unsere Liste kommen. Vor allem athletische Daten sind da interessant, aber auch Passwerte.»
... die Ziele:
«Als FC Basel müssen wir Titel holen. Unser Saisonziel lautet: Wir wollen bis zum Schluss oben mitspielen. Ob es reicht, sehen wir dann.»
... weitere Transfers:
«Wir werden uns sicher noch weiter verstärken. Mit potenziellen Neuzugängen und ihren Beratern sind wir uns grundsätzlich einig, mit den Klubs müsste man noch verhandeln. Aber wir müssen zunächst auf Abgänge warten, denn das Kader ist aktuell noch zu gross und wir sind auf jeder Position doppelt besetzt.»
... einen Ersatz für Dominik Schmid:
«Es ist möglich, dass wir neben Coleen Louis noch einen weiteren gestandenen Linksverteidiger holen. Einer mit FCB-Vergangenheit steht auf unserer Liste (möglicherweise Raoul Petretta. Anm. d. Red.).»
... die Abgangskandidaten Otele und Metinho:
«Beide sind absolute Leistungsträger. Doch sie wollen auch den nächsten Schritt gehen. Wir hoffen, dass sie uns erhalten bleiben. Wenn Angebote in bestimmten Dimensionen kommen, schauen wir uns die an. Doch in diesem Preissegment ist der Markt noch nicht so sehr in Bewegung gekommen.»
... Trainer Stephan Lichtsteiner:
«Ich stehe nach wie vor zu 100 Prozent hinter ihm, doch auch er kennt das Geschäft. Wir müssen Punkte einfahren und vor allem die Mentalität wieder auf den Platz bringen. Da ist er mit seinem Team gefordert.»
