«Ich lasse alles offen» – FCB-Captain Shaqiri sät Zweifel und macht Druck auf Degen
Am Rande des Trainingsplatzes gibt Xherdan Shaqiri am zweiten Vorbereitungstag des FC Basel Auskunft über seine vorerst geplatzte WM-Reise und das Bild, das die Nati in den USA abgibt.
Vor allem aber redet er ausführlich über die Gespräche mit dem Klub über seinen 2027 auslaufenden Vertrag. «Ich werde genau anschauen, was rund um den FC Basel passiert. Dann muss ich irgendwann auch mal eine Entscheidung treffen», sagt er und pocht darauf, dass die Mannschaft mehr Qualität sowie Identifikation benötigt, um wieder um Titel spielen zu können. Und er sagt: «Im Fussball gibt es keine Sicherheit, deshalb lasse ich im Moment alles offen für meine Zukunft.» Zweifel, wie es mit ihm weitergeht, zerstreut der 34-Jährige damit nicht restlos.
Xherdan Shaqiri, hatten Sie diese Ferien mehr nötig als auch schon?
Xherdan Shaqiri: Ferien sind immer nötig. Und nach einem solchen Jahr ist man im Kopf ein bisschen schwerer. Aber ich konnte runterschalten und mir ein paar Gedanken machen. Jetzt bin ich mit frischem Kopf zurück und schaue nach vorne.
Wie geht es Ihnen gesundheitlich?
Die kleinen Probleme am Oberschenkel sind ausgeheilt, ich spüre nichts mehr und fühle mich topfit. Es ist schön, die Fussballschuhe wieder anzuziehen und den Ball zu sehen. Wir freuen uns darauf, uns gut vorzubereiten, um einen guten Start in die Saison hinzubekommen. Die ersten drei Spiele sind nicht einfach.
Haben Sie sich was Spezielles gegönnt in den Ferien?
Nein, ich bin wie meist in Europa geblieben. Leider konnte ich die Einladung der FIFA nicht annehmen, die WM mit all den FIFA-Legenden anzuschauen. Wäre cool gewesen, das Eröffnungsspiel zu erleben, aber mal schauen: Vielleicht reicht es für das Finale…
Wie war es denn für Sie, die Nationalmannschaft bei einem grossen Turnier zu sehen und Sie sind nicht dabei?
Schon komisch. Andererseits konnte ich mir das Spiel daheim in aller Ruhe anschauen und analysieren. Auch mal schön, weniger Druck zu haben im Leben, das Spiel auf dem Sofa zu erleben und mitzufiebern.
Und wie fällt Ihre Ferndiagnose nach dem 1:1 gegen Katar aus?
Schwierig. Es wird – wie es schon immer war – viel zu viel über verschiedenste Themen geredet. Sie müssen sich auf das Wesentliche konzentrieren, das ist die Leistung eines jeden Einzelnen. Was drumherum passiert, muss man ausblenden. Nur dann konnte die Schweiz in der Vergangenheit erfolgreich sein.
Ist die Qualifikation für die K.-o.-Runde in Gefahr?
Das werden wir sehen. Wir kennen die Qualitäten der Nati, die sind unbestritten. Sie ist Favorit in ihrer Gruppe. Dort zu bestehen, ist das Minimalziel, alles andere wäre eine Enttäuschung.
Die sportlichen Leiter, Valentin Stocker und Andreas Herrmann, haben vorige Woche gesagt, dass es Gespräche mit Ihnen über den 2027 auslaufenden Vertrag gibt. Es sei dabei vor allem auch darum gegangen, dass Sie sich mehr Qualität im Kader wünschen.
Das war vom ersten Tag an bei meiner Rückkehr der Fall: Auch ich brauche Spieler um mich herum, die gut sind und die Qualität haben, um den FC Basel nach vorn zu bringen, damit wir um Titel spielen können. Es muss auch in Zukunft so sein, dass Spieler, die zu uns kommen, wissen, worum es in Basel geht. Wichtig ist, dass Spieler sich wieder zu 100 Prozent zum FCB bekennen. Klar ist das in einer Vorbereitung und Transferphase nicht ganz einfach, weil viele Spieler nicht wissen, wo sie stehen und wo sie landen werden. Aber wenn die Transferfenster dann irgendwann mal zu sind, werden wir den Fokus darauf richten, die bestmögliche Leistung aus uns und aus jedem Einzelnen herauszuholen.
Noch einmal: Ist es nicht auch in Ihrem Interesse, dass die Vertragslage noch in diesem Sommer geklärt wird?
Wir sind in Kontakt, ich bin auch in Kontakt mit David Degen, was die Zukunft anbelangt. Mein Vertrag läuft noch ein Jahr, daher bin ich jetzt noch sehr gelassen. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Im Fussball gibt es keine Sicherheit, das hat man schon hunderttausend Mal gesehen. Deshalb lasse ich im Moment alles offen für meine Zukunft.
Das muss also nicht in den nächsten Wochen oder noch in dieser Transferphase geklärt sein?
Kann ja sein, dass ich in dieser Transferphase… (wird unterbrochen).
Dass Sie noch weggehen?
(lacht). Wir sind in einer Transferphase. Im Fussball und im Leben ist alles möglich. Wir werden sehen, was passiert.
Wollen Sie denn weg?
Nein, das ist nicht das Ziel. Ich mache auch meine Analyse und werde genau anschauen, was rund um den FC Basel passiert. Danach muss ich irgendwann auch mal eine Entscheidung treffen.
Heisst: Was in dieser Transferperiode passiert, ist sehr wichtig für Sie?
Ich werde sehr genau darauf schauen, wie die Mannschaft geformt wird und entsprechend wird eine Entscheidung getroffen werden. Fakt ist, dass ich mein Vertrag noch ein Jahr läuft.
Wissen Sie denn als Captain schon ein bisschen mehr über den Umbruch im Kader?
Eines müssen wir schon klarstellen: Ich bin immer noch Spieler des FC Basel und nicht der Sportdirektor. Auch wenn ich Captain bin, muss ich nicht über jeden Transfer Bescheid wissen. Aber ich will eine gute Mannschaft um mich herum haben, die ich anführen kann und aus der wir das Bestmögliche herausholen können. Dazu muss auch ich meine Leistung bringen, und dazu brauche ich meine Mitspieler. Deshalb ist es wichtig für mich, in welcher Konstellation wir in die neue Saison gehen. Sicher ist auch, dass wir einiges besser machen müssen als letztes Jahr.
In Jonas Omlin hat der FCB schon mal einen erfahrenen Goalie zurückgeholt.
Das finde ich sehr gut und freue mich, dass er geholt wurde. Jonas ist ein super Typ, mit dem ich mich sehr gut verstehe. Er hat keine einfache Zeit hinter sich, hat Verletzungen sowie wenig Spielzeit gehabt. Ich glaube, es ist der richtige Zeitpunkt, um zum FCB zurückzukommen und um noch einmal allen zu zeigen, wie gut er ist. Er wird uns auch mit seiner Erfahrung und Persönlichkeit sehr helfen, wieder erfolgreich zu sein – nachdem wir Marwin Hitz verloren haben und in Dominik Schmid eine Identifikationsfigur. Wir brauchen Leute, die alles für den FCB geben und vorangehen. Auch wenn es mal nicht so gut läuft.
Sie bedauern also Schmids Abgang?
Es ist immer schade, einen solchen Spieler zu verlieren. Er war Leistungsträger, er war einer von hier, alle haben ihn gerne gehabt. Aber natürlich darf man ihm die Chance auch nicht verwehren, sich im Ausland zu beweisen und vielleicht auch noch mal die Chance auf die Nationalmannschaft zu ergattern. Das hätte er verdient.
Ohne Europacup fällt für den FCB die Dreifachbelastung weg – kommt Ihnen das entgegen?
Das war in meinem ersten Jahr ja auch der Fall und dann haben wir das Double geholt. Schön ist das ohne Europacup nicht immer, denn nicht nur ich spiele sehr gerne international. Der Klub gehört auf die europäische Bühne, unsere Fans brauchen das, deshalb streben wir das wieder an. Dafür muss man Meister oder Cupsieger werden. Das ist mein Ansporn. Alles andere neben dem Platz kann ich nicht gross beeinflussen. (schweizheute.ch)
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