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Marco Bürki spricht im Interview über die aktuelle Phase beim FC Thun

Schiedsrichter Anojen Kanagasingam, links, zeigt Marco Buerki (FCT) dir rote Karte im Fussball Meisterschaftsspiel der Swiss Super League zwischen FC Thun, FCT, und Grasshopper Club Zuerich, GC, vom S ...
Marco Bürki sieht die Rote Karte – für den FC-Thun-Captain bereits die dritte innerhalb von vier Monaten.Bild: keystone

Thun-Captain Bürki über die Roten Karten: «Vielleicht habe ich mir zu viel zugemutet»

Der FC Thun sortiert sich nach dem sensationellen Meistertitel neu. Captain Marco Bürki spricht im Interview über die Achterbahnfahrt des Klubs, die schwierige aktuelle Phase und seine drei Platzverweise innerhalb von vier Monaten.
20.09.2026, 07:5420.09.2026, 09:19

Marco Bürki, im Mai verzeichneten Sie den ersten Platzverweis in fünf Jahren. Nun sind es drei Rote Karten in neun Spielen. Eine Aneinanderreihung unglücklicher Zufälle?
Das kann Zufall sein, ja. Die Rote Karte gegen Zagreb war eine andere Situation als die beiden anderen. Es ist alles sehr gedrängt und saisonübergreifend passiert. Wenn ich eine vergleichen kann, dann vielleicht die gegen YB. Ich habe meine Schlüsse daraus gezogen. Daraus werde ich etwas mitnehmen. Ich weiss, das war nicht gut.

Haben Sie eine Erklärung?
Ich bin jemand, der extrem selbstkritisch ist und sich für die Mannschaft verantwortlich fühlt. Wir hatten einen riesigen Umbruch, nicht nur im Team, sondern im ganzen Klub. Das ist eine grosse Herausforderung. Vielleicht habe ich mir manchmal selbst zu viel zugemutet und mich verstrickt. Wenn man viel von sich und den Mitspielern verlangt, kann das die eigene Leistung beeinträchtigen. Der nächste Schritt ist für mich klar: Meine eigene Leistung kommt an erster Stelle. Erst dann kann ich den anderen helfen.

Wie sehr nagen drei Rote Karten in vier Monaten an Ihnen als Captain?
Schon sehr. Es ist nicht nur das Spiel selbst, das man verpasst. Es sind vor allem die langen Sperren, die wehtun. Der Mannschaft in den Momenten auf dem Platz nicht helfen zu können und tatenlos zuzuschauen, schmerzt jeden Spieler extrem.

«Niemand hat erwarten können, dass wir von der ersten Sekunde an genau gleich auftreten wie in der Vorsaison.»

Böse Zungen könnten behaupten, die Roten Karten seien ein Abbild der Entwicklung beim FC Thun in den letzten Monaten. Sehen Sie einen Zusammenhang?
Nein, das sehe ich nicht im Zusammenhang mit dem ganzen Klub. Es ist wirklich viel passiert und extrem viel los gewesen. Die 38 Runden der letzten Saison waren überragend vom gesamten Verein. Jetzt stehen wir vor einer neuen Herausforderung. Niemand hat erwarten können, dass wir von der ersten Sekunde an genau gleich auftreten wie in der Vorsaison. Da braucht es ein gewisses Verständnis und die nötige Zeit.

Thuns letzte Monate gleichen einer Achterbahnfahrt. Wie erleben Sie diese als Passagier?
Als sehr intensiv und herausfordernd. Aber ich habe Verständnis für das Ganze und wir können die Situation einordnen. Es braucht einfach Geduld. Vor allem für die Spieler, die vor einem Jahr schon da gewesen sind, ist es manchmal nicht leicht, weil man am liebsten so weitermachen würde, wie es aufgehört hat. Gleichzeitig muss man realistisch sein und berücksichtigen, dass es eine ganz neue Mannschaft ist. Die neuen Spieler können noch gar nicht so weit sein wie die, die gegangen sind. Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass Spieler wie Rastoder, Meichtry und Matoshi auch nicht an dem Punkt waren, als sie vor drei, vier Jahren zum Klub kamen. Auch sie brauchten Zeit, bis sie auf dem Niveau der letzten Saison waren. Nach Veränderungen ist es verständlich, dass als Mannschaft nicht alles von Anfang an gelingt. Jahrelang ging es praktisch nur steil bergauf – über die Barrage, den Aufstieg bis hin zum Meistertitel. Dass viele Spieler bei einem Verein wie Thun den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen wollen, wenn man an der Spitze steht, ist naheliegend und völlig legitim.

Gibt es einen Knackpunkt für die aktuelle Phase?
Nein, das glaube ich nicht. In den letzten Wochen war die Belastung durch die vielen englischen Wochen hoch, das hat sicher an der Energie gezehrt. Aber mit der Qualifikation für die Conference League haben wir trotz des Umbruchs etwas Riesiges erreicht.

Dem Ex-Trainer läuft's auch nicht gut:

Wie nehmen Sie die Stimmung in der Mannschaft wahr?
Wenn du wie am Mittwoch gegen Servette das 3:2 schiesst, es nicht zählt und du praktisch im Gegenzug das 2:3 kassierst und verlierst, bist du natürlich niedergeschlagen und hast am nächsten Tag keine Glücksgefühle. Wenn du gewinnst, ist die Stimmung sicher besser. Wir halten als Mannschaft zusammen.

«Aus den letzten vier Spielen resultierte nur ein Punkt, aber niemand kann sagen, die Mannschaft sei schlecht aufgetreten.»

Wie erleben Sie die Arbeit mit Trainer Gian-Luca Privitelli, der nach den Erfolgen von Mauro Lustrinelli ein schweres Erbe angetreten hat?
Er ist unglaublich engagiert, extrem akribisch und immer erreichbar. Gleichzeitig ist er sehr offen gegenüber den Spielern und möchte selbst dazulernen. Er hat uns von Anfang an gefragt, was wir aus dem letzten Jahr beibehalten wollen. Für ihn ist die Situation ebenfalls extrem herausfordernd: Ein neuer Trainer, dazu der Wechsel auf der Sportchef-Position mitten in der Transferphase und ein halbes neues Team. Er macht das sehr sachlich und fokussiert.

Hat Privitelli den nötigen Rückhalt, um diese Entwicklung voranzutreiben?
Absolut, da habe ich überhaupt keine Bedenken. Es wird von aussen oft negativer dargestellt, als es intern ist. Man kann nicht erwarten, dass wir nach so vielen Abgängen genau so durchmarschieren wie in der Vorsaison. Niemand im Klub ist überrascht, dass es nicht von selbst läuft. Ich habe auch überhaupt nicht das Gefühl, dass wir jetzt schlecht drin sind. Europäisch haben wir das Ziel erreicht und auch in der Liga schon wichtige Punkte geholt. Aus den letzten vier Spielen resultierte nur ein Punkt, aber niemand kann sagen, die Mannschaft sei schlecht aufgetreten.

L'entraineur Gian-Luca Privitelli (FCT), gauche, lutte pour le ballon avec $, droite, lors de la rencontre de football de Swiss Super League entre le FC Sion et le FC Thun, ce dimanche 6 septembr ...
Thun-Coach Gian-Luca Privitelli.Bild: keystone

Zuletzt wirkte die Defensive anfällig. Was muss die Mannschaft besser machen?
Wir müssen wieder viel konsequenter zu unseren Prinzipien zurückkehren, die uns stark gemacht haben. Das betrifft nicht nur die Abwehr, sondern fängt beim Stürmer an. Zuletzt haben wir überall ein kleines Bisschen vermissen lassen, etwa bei Standardsituationen. Die neuen Spieler müssen sich weiter adaptieren, und wir Erfahrenen wissen genau, was es braucht: Der hundertprozentige Fokus muss wieder darauf liegen, das eigene Tor zu verteidigen.

«Unsere Ambitionen sind die Top 6, das ist klar.»

Das klingt, als käme die Länderspielpause zum richtigen Zeitpunkt.
Es geht gar nicht nur darum, dass wir mal kein Spiel haben, sondern dass wir eine normale Trainingswoche bestreiten können. Während den englischen Wochen kamen immer wieder neue Spieler dazu, aber man hatte kaum Zeit, taktische Dinge richtig auf dem Platz einzustudieren. Jetzt können wir intensiv arbeiten, Abläufe festigen und uns ohne Spieldruck verbessern. Das wird uns sehr guttun.

Wo sehen Sie das Level der Mannschaft in dieser Saison, in der Meisterrunde oder im Abstiegskampf?
Unsere Ambitionen sind die Top 6, das ist klar. Dort wollen wir hin, das streben wir an. Von den Leistungen her, nicht von den Punkten, habe ich das Gefühl, dass wir in dieser Region auch sein können. (sda/car)

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quelle: keystone / alessandro della valle
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Video: ch media
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