Canepa wird demütig und eine GC-Legende soll den FCZ wieder nach vorne führen
Scheint bei FCZ-Präsident Ancillo Canepa Demut einzukehren? Jahrelang gab es beim FC Zürich nur ein einziges Ziel: Europacup. Nach zuletzt eher enttäuschenden Jahren hat sich die Ausrichtung bei Canepa aber geändert. «Man kann sicher einmal sagen, dass es unser Ziel sein wird, besser positioniert zu sein als noch in der letzten Saison», sagte der 73-Jährige bei einer Pressekonferenz. Ausgerechnet von Canepa, der Jahr für Jahr betont, wie wichtig die Geldtöpfe des Europacups für den Verein sind, kommt eine solch defensive Aussage. Ohne finanziellen Zustupf des Ehepaars Heliane und Ancillo Canepa würde der Verein jedes Jahr tiefrote Zahlen schreiben.
Ein Blick auf die Vergangenheit zeigt, dass es mit dem europäischen Geschäft beim FCZ nicht so richtig klappte. In den letzten sieben Jahren konnten sich die Zürcher bloss einmal für die Europa League qualifizieren.
Turbulente letzte Saison
Zunächst einmal muss beim FCZ wieder mehr Ruhe einkehren. Die letzte Saison war ein Chaos: Wunschtrainer Mitchell van der Gaag wurde nach etwas mehr als zwei Monaten entlassen, kurz vor Weihnachten musste der umstrittene Sportchef Milos Malenovic seinen Posten räumen und Van der Gaags Nachfolger Denis Hediger wurde auch noch vor dem Ende der Saison entlassen. Sportlich endete die Saison auf dem mehr als enttäuschenden zehnten Platz.
Als die vergangene Saison noch lief, wurde bereits der zukünftige Trainer vorgestellt. Marcel Koller soll den FC Zürich zurück zum Erfolg führen. Der FCZ schrieb bei der Bekanntgabe der Verpflichtung von einem «der erfahrensten und erfolgreichsten Trainer im Schweizer und internationalen Fussball». Dass ausgerechnet Koller nun beim 13-fachen Meister an der Seitenlinie stehen wird, kam aber nicht überall gut an. Seine gesamte Spielerkarriere verbrachte Koller beim Stadtrivalen GC, er absolvierte für die Hoppers über 400 Pflichtspiele.
Koller musste es sich überlegen
Auch für den 65-Jährigen selbst war es keine leichte Entscheidung, im Letzigrund zu unterschreiben. «Ich musste natürlich schon überlegen. Ich war ja meine ganze Spielerkarriere bei GC – ausser zwei Jahre von 10 bis 12 bei Schwamendingen. Aber am Ende hat mich das Präsidenten-Ehepaar überzeugt», erklärte der Trainer in einem Interview mit «Blue».
Zuletzt setzten die Zürcher immer wieder auf ausländische Trainer. Ausser Meistercoach André Breitenreiter hatte der FCZ mit diesen aber wenig Erfolg und so kommt mit Marcel Koller «Zürichness» auf die Trainerbank.
Zuletzt war Marcel Koller vor sechs Jahren in der Super League angestellt, als er beim FC Basel unter Vertrag stand. In der Zwischenzeit war er drei Jahre lang äusserst erfolgreich Trainer des ägyptischen Vereins Al Ahly. Je zweimal gelang Koller die Meisterschaft, den Cup und die afrikanische Champions League.
Kein Umbruch im Kader
Zwar ging die vergangene Saison beim FCZ in die Hosen, dennoch könnte die Eingespieltheit der Mannschaft ein Plus sein. Der Abgang des 19-jährigen Cheveyo Tsawa schmerzt wohl am meisten. Dazu kehren Nelson Palacio und Matthias Phaeton nach ihrer Ausleihe zurück zu ihren Besitzerklubs. Die langjährige Nummer eins Yanick Brecher musste in der Rückrunde ohnehin meistens auf der Bank Platz nehmen, mit Silas Huber wurde sein Nachfolger bereits gefunden.
Zugänge gibt es bisher erst zwei. Neben Ersatzgoalie Heinz Lindner wurde der ehemalige Aarau- und Luzern-Stürmer Kevin Spadanuda verpflichtet. Noch bleibt Zeit bis zum Ende des Transferfensters (8. September in der Super League), um weitere Spieler zu verpflichten. Es soll allerdings zu keinem grossen Umbruch kommen. Laut Koller soll trotzdem versucht werden, einen Platz in den ersten sechs anzustreben.
Gestartet wird die Saison für Zürich am Sonntag auswärts bei Cupsieger St.Gallen, ehe am 1. August das Heimspiel gegen Servette ansteht. Für Marcel Koller und besonders die Mannschaft, welche die letzte Saison bestimmt noch im Hinterkopf hat, wäre ein Start ohne erste Krise wichtig, um nicht schon wieder eine Krise vor Augen zu haben.
