Das Ende der Ära Canepa kommt näher und sportlich hat der FCZ weiterhin kein Glück
Am letzten Mittwoch verlor der FC Zürich sein Heimspiel in der Super League gegen Lausanne-Sport 1:2. Das entscheidende Gegentor fiel in der Nachspielzeit. Am Samstag gastierte er bei Servette und verlor wieder 1:2. Das entscheidende Gegentor? Es fiel in der 88. Minute. In den letzten drei Monaten hat der FCZ in jedem zweiten Spiel in den letzten fünf Minuten einen entscheidenden Treffer kassiert – und auf diese Weise neun Punkte verloren.
Punkte die ihm am Ende bitterst fehlen könnten. Aber dazu später mehr. Denn es gibt in diesen Tagen auch positive Nachrichten vom Stadtklub. Am Freitag wurde bekannt, dass der neue Verwaltungsrat Claudio Cisullo Investoren gefunden hat, welche Anleihen in Höhe von vier Millionen Franken gezeichnet hätten.
FCZ-Verkauf noch in diesem Jahr?
Es ist davon auszugehen, dass es sich bei den namentlich nicht genannten Investoren um die zukünftigen Besitzer des Klubs handelt. Schon länger arbeitet das Ehepaar Canepa daran, den FC Zürich in andere Hände zu geben. Sie suchen eine lokale, allenfalls nationale Lösung. Nun scheint sie gefunden. Nach den Meldungen der letzten Tage dürfte die Ära Canepa beim FCZ eher früher als später enden.
Dass jetzt alles sehr schnell gehen dürfte rund um die Besitzverhältnisse, ist auch an die aktuelle sportliche Situation gekoppelt. Der FCZ taumelt seit Jahren mehr schlecht als recht durch die Liga. Und ein Klub, der permanent in der unteren Tabellenhälfte platziert ist, steigert weder seinen Wert noch seine Anziehungskraft. Deshalb wollen die Canepas so rasch wie möglich einen Schlussstrich ziehen.
Denn im Moment – und damit zurück zum Sportlichen – sinkt die «Aktie FC Zürich» gerade ins Bodenlose. Nur wer sich der Realität gänzlich verweigert, sieht nicht, dass die Challenge League deutlich näher ist, als eine Rangierung auf einem Europacup-Platz oder sogar in den Top 3, wo Präsident Ancillo Canepa seinen Klub quasi per Gewohnheitsrecht sieht.
Nur: Was ist Gewohnheit beim FCZ? Seit 20 Jahren ist Canepa Präsident. In dieser Zeit wurde der Klub zwar zwei Mal Meister und kam drei weitere Male in die Top 3. Ansonsten aber dümpelt der FCZ im Mittelfeld. Berechnet man aufgrund der Schlussplatzierungen einen Durchschnittsrang seit der Saison 2006/07 schaut nur ein 5. Rang heraus. Von wegen Top 3.
In dieser Saison ist selbst ein solcher 5. Platz utopisch. In Genf bezog der FCZ die neunte Niederlage aus den letzten zwölf Spielen. Seit der Trennung von Trainer Mitchell van der Gaag Ende Oktober wurden Leistungen und Resultate noch schlechter. Hat der Niederländer immerhin noch einen Punkteschnitt von 1,44 erreicht, steht sein Nachfolger Dennis Hediger bei 0,9 Punkten pro Spiel. Es sind die Zahlen eines Absteigers.
Und so spielt der FCZ auch. Die junge Mannschaft, die stets mit fünf oder sechs Eigengewächsen und Nachwuchsspielern antritt, taumelt führungslos abwärts. Auch die im Winter geholten Routiniers Alexander Hack, Valon Berisha und Ivan Cavaleiro können das fragile Gerüst bis jetzt nicht stabilisieren.
Einiges erinnert an die Abstiegssaison 2015/16
Der Vorsprung auf den Barrage-Platz und den Stadtrivalen Grasshoppers beträgt noch immer sieben Punkte. Die grosse Frage lautet dabei trotzdem: Sind sich die Protagonisten bewusst, wie schlecht es um sie gerade steht? Wiederholt bemängeln Trainer Hediger und Captain Lindrit Kamberi nach den Spielen das «fehlende Glück» oder sprechen davon, wie «unfair» es für sie laufe.
Doch sollte man wirklich darauf den Fokus legen, wenn man wie in Genf mit negativem Schussverhältnis (9:17) und Zweikampfbilanz (63:67) aus dem Spiel geht? Die Frage ist rhetorisch. Tatsache ist eher, dass im Moment beim FC Zürich einiges an die Abstiegssaison 2015/16 erinnert, als die Gefahr erst erkannt wurde, als es schon zu spät war.
Das Auf und Ab gehört zu DNA des Vereins. Auf den Meistertitel von 2009 folgte Platz 7, auf Rang 3 von 2015 folgte der Abstieg und ein Jahr nach dem Triumph von 2022 wurde man Achter. Im Kleinen erlebte der FCZ eine solche Achterbahnfahrt in den letzten 72 Stunden. Auf die Meldung um neue Investoren folgte die Niederlage in Genf. Oder anders gesagt: Der FCZ ist gerade mehr denn je ein Klub zwischen Aufbruch und Absturz. (riz/aargauerzeitung.ch)
