St.Gallen erlebt ein Debakel in Lugano – Meister Thun verliert auch gegen Servette
Lugano – St.Gallen 4:1
Lugano nutzt sein Nachtragsspiel der 4. Super-League-Runde, um die Tabellenführung zu festigen. Der FC St. Gallen ist beim 1:4 im Tessin ohne seinen Captain Lukas Görtler erst in Überzahl ebenbürtig.
4:0 führte Lugano bereits nach 36 Minuten. Elias Pihlström traf doppelt, dazu profitierten Beckham Castro und Bekhruz Karimov von Fehlern von St. Gallens Goalie Lawrence Ati Zigi. Eine Rote Karte gegen den Doppeltorschützen zu Beginn der zweiten Halbzeit wegen eines überharten Einsteigens auf Höhe der Mittellinie half den Gästen nicht mehr richtig auf die Beine. Andrin Hunzikers Ehrentreffer war nur noch Schadensbegrenzung.
Obwohl auch Lugano ohne seinen Captain auskommen musste und neben Renato Steffen (Adduktoren) auch David von Ballmoos (Fuss) nicht rechtzeitig fit waren, bauten die Tessiner ihre saisonübergreifende Serie der Ungeschlagenheit auf 17 Spiele aus und egalisierten den Vereinsrekord aus dem Jahr 2020 unter Trainer Maurizio Jacobacci. In der Tabelle liegen die in acht Spielen siebenmal siegreichen Luganesi nun vier Punkte vor Sion und sechs vor den Young Boys.
St. Gallen seinerseits, das gegen Lugano zuvor achtmal in Folge und zweieinhalb Jahre lang ungeschlagen war (6 Siege), hat den Anschluss zur Spitze nach der vierten Niederlage in den letzten fünf Spielen verloren. Wie schon beim 0:3 gegen Sion fiel die Absenz des verletzten Captains Lukas Görtler ins Gewicht.
Man wolle aggressiv spielen, konsequent sein und die Standardstärke wieder ins Spiel bekommen, hatte Trainer Enrico Maassen vor dem Spiel erklärt. Die Worte liefen zunächst ins Leere. Erst nach mehr als 50 Minuten und dem Ausschluss von Pihlström kamen die St. Galler zur ihrer ersten Torchance. Mehr als der Treffer zum 1:4, der erste nach 344 Minuten, schaute nicht heraus.
Und hinten machte es Zigi dem Gegner, dessen erster Meistertitel seit 77 Jahren Konturen annimmt, zweimal leicht. Beim ersten Treffer liess der St. Galler Keeper einen harmlosen Schuss von Daniel Dos Santos nach vorne vor die Füsse von Pihlström Abprallen. Bei Karimovs 0:4 schlug er ein Luftloch, das dem usbekischen Aussenverteidiger leichtes Spiel ermöglichte.
Lugano - St. Gallen 4:1 (4:0)
5773 Zuschauer. - SR Cibelli.
Tore: 4. Castro (Papadopoulos) 1:0. 14. Pihlström 2:0. 28. Pihlström (Bichsel) 3:0. 36. Karimov (Mai) 4:0. 74. Hunziker (Kleine-Bekel) 4:1.
Lugano: Gebhardt; Papadopoulos, Mai, Bichsel; Karimov (46. Zanotti), Bislimi (82. Delcroix), Grgic, Daniel Dos Santos (68. Kendouci), Cimignani (82. Kelvin); Castro (55. Ajeti), Pihlström.
St. Gallen: Zigi; Okoroji, Kleine-Bekel, Stanic; Daschner (46. Fazliji); Ruiz (61. Owusu), Stevanovic, Boukhalfa (46. Vandermersch), Witzig; Scherrer (46. Hunziker), Baldé (67. Besio).
Bemerkungen: Lugano u.a. ohne Von Ballmoos, Steffen und Behrens (alle verletzt), St. Gallen u.a. ohne Görtler (verletzt). 47. Rote Karte gegen Pihlström (grobes Foul).
Verwarnungen: 16. Karimov, 32. Scherrer, 40. Daschner, 58. Bislimi, 71. Okoroji, 77. Ajeti.
Thun – Servette 2:4
Der FC Thun muss die dritte Niederlage in Folge hinnehmen. Der Schweizer Meister verliert das Heimspiel gegen Servette 2:4.
Vom 0:2 zum 3:2? In der 62. Minute schien die Thuner Aufholjagd perfekt: Nach einem Corner und einer Kopfballverlängerung stand Innenverteidiger Nicolas Bürgy genau richtig und bejubelte den vermeintlichen dritten Treffer des Heimteams. Doch kurz nach Bürgys Golfer-Jubel wurde der Schiedsrichter an den Bildschirm gebeten. Er sah sich die Szene nochmals an, erkannte ein Foul in der Strafraummitte und annullierte den Treffer.
Und während die Thuner noch haderten, griffen die Gäste aus Genf nach längerer Pause wieder einmal an. Irgendwie landete der Ball bei Téo Allix, der ausserhalb des Strafraums abzog und erfolgreich war. Der erste Super-League-Treffer des 22-Jährigen sollte den Servettiens den zweiten Sieg in Folge einbringen. Denn von diesem Tiefschlag erholten sich die Thuner nicht mehr. Stattdessen kassierten sie in der Schlussphase noch den vierten Gegentreffer.
Und so erleben die Berner Oberländer, die vier Monate zuvor noch den sensationellen Meistertitel gefeiert hatten, in dieser Saison bisher fast das pure Gegenteil. Konnten sie solche Spiele in der vergangenen Spielzeit oft für sich entscheiden, haben sie nun meist das Nachsehen.
Dabei hatte die Mannschaft von Gian-Luca Privitelli nach einem miserablen Start und einem 0:2-Rückstand nach einer halben Stunde durchaus eine Reaktion gezeigt. Der von Yverdon gekommene Fabio Saiz erzielte seine beiden ersten Super-League-Treffer und brachte die Stimmung im Stadion zurück, nachdem das Heimteam zuvor bereits mit Pfiffen bedacht worden war.
Zu Zählbarem führte das Zwischenhoch jedoch nicht. Thun steht nach acht Runden mit nur sieben Punkten da und liegt mit nur einem Punkt Vorsprung auf Vaduz und Lausanne-Sport auf Platz 10.
Thun - Servette 2:4 (1:2)
5358 Zuschauer. - SR von Mandach.
Tore: 4. Mutandwa 0:1. 29. Lambourde (Njoh) 0:2. 38. Saiz (Reichmuth) 1:2. 54. Saiz 2:2. 65. Allix 2:3. 86. Fofana (Simo) 2:4.
Thun: Steffen; Fehr, Bürgy (77. Kristal), Bamert, Strannegård (64. Mambwa); Reichmuth, Roth, Zoukit (46. Käit), Saiz (72. Maier); Labeau, Christoffersson (64. Dursun).
Servette: Gertmonas; Houboulang Mendes, Allix, Burch, Mazikou; Douline; Lambourde (66. Karlsson), Stevanovic, Simo (86. Izquierdo), Njoh (92. Sylvain Djoho); Mutandwa (66. Fofana).
Verwarnungen: 31. Mazikou, 36. Saiz, 47. Bamert, 69. Douline, 74. Karlsson, 84. Burch. (sda)
Das Wichtigste in Kürze:
- Am Mittwoch stehen in der Super League in Nachtragsspielen mit St. Gallen und Meister Thun zwei Teams im Einsatz, die unter Druck stehen. Die Ostschweizer sind beim Leader Lugano zu Gast, die Berner Oberländer empfangen Servette.
- Thun und St. Gallen scheinen im Gegensatz zu Lugano unter den Folgen der Mehrfachbelastung wegen den Einsätzen im Europacup zu leiden. Seit dem Ausscheiden mit zwei Niederlagen gegen das dänische Team Nordsjaelland im Playoff in der Conference League verlor der Cupsieger drei der vier Partien in der Meisterschaft. Der Rückstand auf Lugano beträgt bereits neun Punkte. Die Tessiner ihrerseits befinden sich seit langem im Hoch. Seit Ende Juli und 14 Spielen, von denen sie elf gewonnen haben, sind sie ungeschlagen.
- Die Partien gibt es ab 19 Uhr hier im watson-Liveticker.
