Sport
FIFA

FIFA streicht Korruption aus ihrem Ethikkodex

Die FIFA ist endlich die Korruption losgeworden – aber nicht so wie du denkst

Die FIFA hat den hauseigenen Ethikkodex angepasst. Neuerdings ist Korruption kein Strafbestand mehr. Und Bestechungen und Spielmanipulationen können nur zeitlich beschränkt untersucht werden.
14.08.2018, 09:1514.08.2018, 09:25

Der Weltfussballverband FIFA hat es geschafft, die Korruption aus dem Fussballalltag zu verbannen. Allerdings auf seine ganz eigene Art und Weise.

Wenn man die neuste Version des FIFA-Ethikkodex nach dem Wort Korruption durchforstet, findet man … Nichts. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, gilt Korruption in der FIFA nicht mehr als offizielles Vergehen. Es ist die erste Änderung des Kodex', seit 2015 diverse Korruptionsskandale den Verband erschüttert haben. Die entsprechenden Entscheidungen seien in geheimen Meetings gefällt worden.

epa06891798 Russian President Vladimir Putin (R) and FIFA president Gianni Infantino react next to the FIFA World Cup 2018 trophy after the FIFA World Cup 2018 final between France and Croatia in Mosc ...
Infantino mit dem WM-Pokal (l.) und Wladimir Putin.Bild: EPA/EPA

Als Gianni Infantino 2016 die Nachfolge von Sepp Blatter als FIFA-Präsident antrat, versprach er beim Verband grossflächig aufzuräumen. Doch in den vergangenen zwei Jahren scheint die Sache noch undurchsichtiger geworden zu sein.  

Kritik? Nein, danke …

So verbietet der überarbeitete Ethikkodex beispielsweise verbandsinterne Kritik an der FIFA. In Abschnitt 22.2 heisst es: 

«Personen, die an diesen Kodex gebunden sind, ist es untersagt, gegenüber der FIFA und/oder anderen Personen, die im Zusammenhang mit FIFA-Veranstaltungen an diesen Kodex gebunden sind, diffamierende öffentliche Erklärungen abzugeben.»
FIFA-Ethikkodex quelle: ap

Ein Verstoss gegen diesen Abschnitt kann mit dem kompletten Ausschluss von jeglichen Fussball-bezogenen Aktivitäten während bis zu zwei Jahren bestraft werden. In «schweren Wiederholungsfällen» sind auch bis zu fünf Jahre möglich.

«Das wird jegliche Kritik gegenüber der FIFA im Keim ersticken, was vermutlich genau das ist, was sich der Verband erhofft», sagt Alexandra Wrage, ehemaliges Mitglied der FIFA-Governance-Kommission gegenüber der AP.

Bestechung vertuschbar

Der Ethikkodex des Weltverbands wurde 2004 vom damaligen Präsidenten Sepp Blatter eingeführt. Er sollte ein Mittel sein, um Korruption und Bestechung zu bekämpfen. Mit den jüngsten Anpassungen ist jedoch auch letztere nur noch bedingt strafbar. 

Zwar ist Bestechung immer noch verboten, allerdings sind den Ermittlern nach einer gewissen Zeit die Hände gebunden. Während bislang bei Bestechungsfällen in jedem Fall ermittelt wurde, heisst es im neuen Kodex:

«Bestechung, Veruntreuung und Manipulation von Fussballspielen oder Wettbewerben dürfen nach Ablauf von zehn Jahren nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.»
FIFA-Ethikkodex quelle: ap

Das heisst: Wenn ein FIFA-Mitglied eine Bestechung während zehn Jahren vertuschen kann, kann der Verband danach nicht mehr gegen ihn ermitteln. 

«Die neue FIFA ist eine Demokratie, sie ist keine Diktatur», sagte Infantino den FIFA-Mitgliedern während einer Rede im Jahr 2017. «Es ist eine transparente Organisation ... eine zutiefst ehrliche Organisation.» Über die Änderungen im Ethikkodex wollten die Verantwortlichen im Hauptsitz in Zürich auf Anfrage der AP keine Auskunft geben. Es hiess einzig, dass die Änderungsvorschläge vom Ethikkommitee vorgeschlagen wurden.

FIFA soll unter politische Aufsicht gestellt werden

Video: srf

Infantino kickt mit Figo, Deco und Co.

1 / 15
Infantino kickt mit Figo, Deco und Co.
Gianni Infantino geht es locker an – in seinen ersten richtigen Arbeitstag am FIFA-Hauptsitz auf dem Zürichberg startet der neue FIFA-Präsident mit einem Plauschmätschli gegen ehemalige Fussball-Grössen.
quelle: steffen schmidt/freshfocus / steffen schmidt/freshfocus
Auf Facebook teilenAuf X teilen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Christoph Spycher gibt operative Verantwortung bei YB ab
Christoph Spycher wird seine operativen Aufgaben bei den Young Boys voraussichtlich im September 2027 abgeben, aber weiterhin Verwaltungsrat des Berner Klubs verbleiben.
Christoph Spycher hat sich in Absprache mit dem Eigentümer Hans-Ueli Rihs und dem Verwaltungsratspräsidenten Marcel Brülhart entschieden, seine Funktion als Chief Sports bei den Young Boys mit Ablauf der Transferperiode im Spätsommer 2027 abzugeben. Das teilte der Verein am Donnerstag in einem Communiqué mit. Geplant ist, dass der 48-Jährige nach seinem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft im Verwaltungsrat und als Minderheitsaktionär von YB verbleibt und den Klub weiterhin mit Rat und Tat unterstützt.
Zur Story