So viele Kilometer ist FIFA-Präsident Infantino an der WM geflogen
Fussballfans haben FIFA-Präsident Gianni Infantino während der Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA wohl deutlich häufiger gesehen, als ihnen lieb war. Schliesslich war der 59-Jährige bei so vielen Spielen wie wohl sonst kein Mensch und wurde natürlich auch regelmässig von den Fernsehkameras eingefangen.
Dank seines Privatjets, den Qatar Airways der FIFA als Sponsor zur Verfügung stellt, konnte er so schnell wie möglich zwischen den Spielorten hin- und herreisen und zum Teil zwei Spiele am selben Tag ansehen. Am Ende der WM wird Infantino rund die Hälfte der 104 Spiele persönlich im Stadion gesehen haben. Und dazu wird er mehr als zweimal um die Welt geflogen sein.
Bis nach den Halbfinals flog der Privatjet des Wallisers bereits 93'524 Kilometer durch die drei Gastgeberländer, wie der Spiegel herausgefunden hat. Gemäss den Berechnungen des deutschen Magazins, das sich auf die Daten von Flightradar24 bezieht und davon ausgeht, dass der Privatjet von Qatar Airways von Infantino genutzt wird, wurden dabei knapp 813 Tonnen CO2 ausgestossen. Zum Vergleich: Im Durchschnitt belaufen sich die Pro-Kopf-Emissionen gemäss BAFU in der Schweiz auf rund 15,5 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Infantino übersteigt diesen Wert alleine mit seinen Flügen während der WM um das 52-Fache.
Dabei sind die beiden Flüge von Miami über Madrid nach Doha und zurück nach Dallas nicht einmal eingerechnet. Der Präsident des Weltfussballverbands ist nach den Viertelfinals nach Katar gereist, um an der Beerdigung von Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani teilzunehmen. Dieser war der Vater des Emirs und hatte die WM 2022 ins Land geholt.
Was für die CO2-Bilanz Infantinos besonders belastend ist, sind die vielen Starts und Landungen, da ein Flugzeug dabei deutlich mehr Kerosin verbraucht. Teilweise solle der Privatjet der FIFA gar nur wenige Kilometer geflogen sein. Dabei sei Infantino nicht mitgeflogen, sondern es habe sich um sogenannte Positionierungsflüge gehandelt. Womöglich wurden diese auch durchgeführt, damit Infantino schneller vom Flughafen zum Stadion und wieder zurück zu einem anderen Flughafen gelangen konnte. Oder um den nächsten Zielort besser zu erreichen.
Durch die grossen Distanzen während der Weltmeisterschaft wurden auch sonst viele Tonnen Kohlenstoffdioxid und weitere klimaschädliche Treibhausgase ausgestossen. Zum Beispiel durch die Teamflüge, Reisen der Fans oder auch VIPs, die teilweise wie Infantino in ihren Privatjets zu den Spielen flogen. Die Umweltorganisation Greenpeace sprach bereits vor dem Turnier von der «klimaschädlichsten WM der Geschichte».
Womöglich wird diese in vier Jahren aber bereits wieder übertroffen. So findet die WM 2030 zwar hauptsächlich in Marokko, Portugal und Spanien statt, doch wird auch in Argentinien, Paraguay und Uruguay je ein Spiel ausgetragen. (nih)
