Zwei Weltklasse-Goalies sitzen auf der Bank – warum Unai Simon bei Spanien gesetzt ist
David Raya war letzte Saison der beste Torhüter der Premier League. Der 30-jährige Spanier wurde mit Arsenal englischer Meister und hatte mit 0,70 Gegentreffern pro 90 Minuten den tiefsten Gegentorschnitt der Liga vorzuweisen.
Joan Garcia war letzte Saison der beste Torhüter der spanischen Liga. Der 24-jährige Spanier wurde mit Barcelona Meister und hatte mit 0,70 Gegentreffern pro 90 Minuten den tiefsten Gegentorschnitt der Liga vorzuweisen.
Neben den fast identischen Statistiken und Errungenschaften verbindet die beiden Torhüter noch etwas anderes: Beide sind in Spaniens WM-Aufgebot. Beide haben an der Weltmeisterschaft in Nordamerika aber noch keine einzige Sekunde gespielt.
Spaniens Nummer 1 ist Unai Simon. Wie der fünf Jahre jüngere Garcia ist auch er in Spanien tätig, hatte in der Meisterschaft aber deutlich die schlechteren Statistiken vorzuweisen. Simon kassierte bei Athletic Bilbao in einer schwierigen Saison pro 90 Minuten Spielzeit mehr als doppelt so viele Gegentore wie Raya (1,46 gegenüber 0,7). Natürlich ist es auch einfacher, hinter Barcelonas Verteidigung zu spielen als hinter jener Bilbaos. Trotzdem ist die Frage berechtigt: Warum spielt Simon und nicht seine beiden Landsmänner, die eigentlich viel besser in Form waren?
Die Antwort ist ziemlich simpel: Unai Simon ist der Torhüter des Vertrauens von Luis De La Fuente. Der spanische Trainer gewann mit seinem Torhüter die U19-EM, die U21-EM, die Nations League, die EM 2024 in Deutschland sowie Olympiasilber 2021 in Tokio. Und der Erfolg gibt De La Fuente auch an diesem Turnier recht. Auf dem Weg in den Final hat Simon nur gerade ein Gegentor kassiert und dabei auch noch den Rekord für die längste Ungeschlagenheit an Weltmeisterschaften gebrochen, während 609 Minuten blieb er ohne Gegentor.
So sind Garcia und Raya nicht etwa verbittert darüber, dass sie an der WM nach ihrem glanzvollen Jahr keine Chance erhalten, sondern sie stärken Simon den Rücken. Garcia sagte über seinen älteren Landsmann: «Die wichtigste Fähigkeit für einen Goalie ist, Chancen zu verhindern und nicht den Schuss im letzten Moment abzuwehren. Da zeichnet sich Unai aus.» Es gehe darum, dass der Gegner gar nicht zum Abschluss kommen könne, indem man lange Bälle oder Flanken abfange oder eine Anspielstation für die Verteidiger sei.
Dabei hatte sich Simon phasenweise gefragt, ob es das noch alles wert sei. Er bezeichnete die Rolle des Torhüters als «undankbaren Job» und sagte: «Wir sind die Bösewichte, die die Tore verhindern, von denen der Fussball lebt.» Die positiven Schlagzeilen gehören oft den anderen Spielern, die negativen nur zu oft den Schlussmännern.
Doch wenn Unai Simon Spanien nach der Europameisterschaft auch noch zum Weltmeistertitel hext, dann wird er als einer der erfolgreichsten «Bösewichte» des Fussballs in die Geschichte eingehen.
