Die FIFA schottet sich in Zürich ab – Präsident Infantino ist fast schon ein Tabu-Thema
«Bitte beachten Sie, dass das ‹Home of Fifa› zurzeit für das Publikum geschlossen ist», steht neben der Zutrittsanlage. Alle paar Minuten verlassen hier Mitarbeitende das Territorium des Weltverbands – Feierabend.
Früher war der Hauptsitz des Weltfussballverbands so zugänglich wie die Lobby eines gehobenen Hotels. Heute ist das Gebäude hinter Abschrankungen und Bäumen kaum noch zu sehen. Für Journalisten lohnte es sich einst, auf den Ledersesseln Platz zu nehmen und das Kommen und Gehen zu beobachten. Mal eilte ein bekannter Funktionär vorbei, mal warteten Anwälte wie Lorenz Erni oder PR-Berater wie Aloys Hirzel auf ihren Termin. Mit etwas Glück lief einem sogar Sepp Blatter über den Weg, der Bauherr dieses Prunkgebäudes beim Zürcher Zoo.
An diesem heissen Montagnachmittag ist es anders. Für viele FIFA-Mitarbeitende ist es der erste Arbeitstag nach den Ferien – und nach einer skandalträchtigen Woche. Der Hauptsitz präsentiert sich als Festung. Eine Mitarbeiterin in weissem T-Shirt und kurzen Hosen – der Dresscode scheint bei der FIFA locker zu sein – sagt zum ausgeschlossenen Journalisten auf Englisch: «Es ist hier wie in Fort Knox.» Der Ton ist freundlich-ironisch, doch reden will sie nicht. Ob Gianni Infantino auch da sei? «Er ist immer mal wieder da.» Dann huscht sie zum Tram.
«Als Fussballfan finde ich das Ganze schlecht»
Neben der Zutrittsanlage befindet sich eine Klingel. Eine Frau meldet sich auf Englisch, wechselt dann aber ins Schweizerdeutsche: «Ich kann niemanden hereinlassen, auch keine Medien.» Die FIFA schottet sich ab. Die Pressestelle antwortet immerhin per WhatsApp. «Niemand ist in Zürich für solche Diskussionen», schreibt ein Sprecher – gemeint sind die aktuellen Turbulenzen beim Weltfussballverband.
Der nächste Mitarbeiter verlässt das Gebäude und schwingt sich auf sein Velo. Was hält er von Infantinos gescheiterten Milliardenplänen? Er beisst sich auf die Lippen. «Da müssen Sie unsere Medienleute fragen.» Dann fügt er doch noch hinzu: «Als Fussballfan finde ich das Ganze schlecht. Aber das ist meine private Meinung.»
Dann taucht ein grossgewachsener Mann auf, der, obwohl nicht uniformiert, aussieht wie ein Sicherheitsverantwortlicher. «Ich bin für die Sicherheit verantwortlich», stellt er sich vor und fordert, keine Mitarbeitenden anzusprechen. Wieso denn nicht? Die FIFA bezeichnet sich doch als offen und transparent? «Das sind wir. Okay, auf dem Trottoir dürfen Sie sie ansprechen.»
«Gehen Sie nach Hause zu Ihren Liebsten»
Auf das Gelände dürften Externe nicht, auch weil zurzeit Bauarbeiten stattfänden. Wann sind diese abgeschlossen? «Das sage ich Ihnen nicht.» Weitere, auch belanglose Fragen hört er sich mit angestrengter Geduld an, als müsse er sich bei jeder Antwort zur Disziplin zwingen: «Das sage ich Ihnen nicht.» Um dann zu sagen: «Die Medien … man sah es ja bei Patrick Fischer!» Und weiter: «Ich empfehle Ihnen, gehen Sie nach Hause zu Ihren Liebsten.» Dann dreht er sich um und schreitet durch die Vereinzelungsanlage zurück.
Ein schwarzer, tiefergelegter Mercedes rollt aus der Tiefgarage. Auf ein Handzeichen hält der Fahrer an und lässt die Scheibe herunter. Steht das Personal noch hinter seinem Präsidenten? Der Mann im schwarzen Poloshirt mit weissem FIFA-Logo wirkt, als wolle er etwas sagen. Dann entscheidet er sich anders. «Schönen Abend», wünscht er auf Schweizerdeutsch und fährt davon.
Die nächste Mitarbeiterin geht zu ihrer Vespa. «Crazy» sei es derzeit, bei der FIFA zu arbeiten, sagt sie. In ihrem Freundeskreis müsse sie sich ständig rechtfertigen. Und nun stehe auch noch ein Journalist vor dem Gebäude. Was hält sie von Gianni Infantino? Die Frau blickt sich um, als wolle sie sich vergewissern, dass niemand zuhört. Dann setzt sie den Helm auf und fährt los. (schweizheute.ch)
- Diese drei Optionen gibt es, um FIFA-Präsident Gianni Infantino zu stürzen
- Wales und England entziehen Infantino als erster Landesverband die Unterstützung
- Ein gebürtiger Schweizer und grosse Kritiker: Fünf mögliche Infantino-Herausforderer
- «Ungeheuerliche Handlung»: CONCACAF kritisiert Infantino und fordert Konsequenzen
