Wales entzieht Infantino als erster Landesverband die Unterstützung
Der Druck auf FIFA-Präsident Gianni Infantino nimmt immer mehr zu. Wie diverse britische Medien berichten, hat Wales am späten Sonntagabend als erster Landesverband dem Schweizer offiziell die Unterstützung zur Wiederwahl im März 2027 entzogen. «Dass Infantino die Interessen des Fussballs nicht an erster Stelle setzt, ist ein Versagen, das wir nicht akzeptieren können», heisst es in der Mitteilung der Waliser. Die jüngsten Versäumnisse in guter Unternehmensführung, Kommunikation und Urteilsvermögen hätten dazu geführt, dass der Präsident das Vertrauen des walisischen Verbands verloren habe.
In den nächsten Stunden und Tagen dürften fast alle europäischen Landesverbände ähnliche Misstrauensvoten einreichen. Vor der Bekanntgabe der Pläne, einen Teil der FIFA an Investoren verkaufen zu wollen, hatten 52 von 55 europäischen Verbänden der FIFA zugesichert, Infantino im kommenden März wiederzuwählen. Einzig Deutschland, Norwegen und Rumänien verzichteten auf die Unterstützungs-Garantie.
🏴 Wales have become the first football association to officially withdraw support for Gianni Infantino's re-election - officially in writing to FIFA.
— Football Tweet ⚽ (@Footballtweet) August 3, 2026
🗣️ The FAW: "The recent failures in good governance, processes, leadership, values, stakeholder management, communications and… pic.twitter.com/Ud3isPETWK
Nachdem die Investorenpläne Infantino in den letzten Tagen um die Ohren flogen und der Schweizer in dieser Hinsicht einen Rückzieher machen musste, dürften diese Vertrauensentzüge nach und nach bei der FIFA eintrudeln. Wie der Guardian berichtet, haben die UEFA-Mitgliederverbände zwar auch einen gleichzeitigen Rückzug besprochen. Wenn jedes Land Infantino einzeln das Vertrauen entziehe, sei das aber wirkungsvoller und käme einem tatsächlichen Misstrauensvotum gleich.
Am Wochenende haben aber auch einzelne Landesverbände von anderen Kontinenten Unterstützung für Infantino geäussert. Dazu gehören neben Katar, Marokko und Ägypten auch die eher kleineren Verbände von Sri Lanka, dem Libanon oder Kuwait. Der asiatische Kontinentalverband AFC hat sich hingegen genau wie der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF der UEFA-Kritik an Infantino angeschlossen. Auch innerhalb der FIFA hat der Walliser an Unterstützung verloren: Sein engster Vertrauter Carlos Cordeiro hat vor wenigen Tagen seinen Job aufgegeben.
Infantino wollte innerhalb der FIFA eine Tochtergesellschaft namens «FIFA Forward Enterprise» (FFE) gründen, die alle kommerziellen Aktivitäten und Turnierorganisationen bündeln soll. Private Investoren hätten sich dann an der FFE beteiligen dürfen. Rund 20 Prozent der Anteile hätten verkauft werden sollen, was im ersten Jahr rund 4,2 Milliarden US-Dollar (3,7 Milliarden Euro) einbringen soll. Und Infantino wäre nach seinem Ausscheiden als FIFA-Chef prädestiniert gewesen, den FFE-Vorsitz zu übernehmen. Nach heftiger Kritik aus der ganzen Fussballwelt zog Infantino die Pläne in der Nacht auf Samstag aber wieder zurück. (abu)
