Für Sauber verläuft die aktuelle Saison nett ausgedrückt miserabel. In bisher 20 Rennen konnte noch kein Punkt eingefahren werden und es ist keine Besserung in Sicht.
Was bei Sauber für grösseren Diskussionsstoff als die sportliche Leistung sorgt, ist das offene Cockpit für das nächste Jahr. Mit Nico Hülkenberg ist erst ein Fahrer bekannt, der nächstes Jahr für den Rennstall aus Hinwil an den Start gehen wird.
Für den offenen Sitz beim Team, das 2026 von Audi übernommen wird, kommen einige Namen in die engere Auswahl. Von aktuellen Fahrern, möglichen Rückkehrern bis Nachwuchshoffnungen ist alles dabei. Das sind die möglichen Kandidaten.
Momentan stehen Valtteri Bottas und Guanyu Zhou bei Sauber unter Vertrag. Beide Fahrer sagen gegenüber verschiedenen Medien, dass sie immer noch in Gesprächen mit dem Rennstall sind. Besonders bei Zhou ist die Hoffnung wahrscheinlich nur noch Wunschdenken. Abgesehen von den spendablen chinesischen Sponsoren spricht nichts für den 25-Jährigen.
Valtteri Bottas beschwerte sich erst kürzlich darüber, dass immer noch keine Entscheidung getroffen wurde. Doch da Sauber der einzige Rennstall mit einem freien Cockpit für nächste Saison ist, hat der WM-Letzte keinen Zeitdruck, ganz zum Unmut von Valtteri Bottas:
Für Bottas spricht die Erfahrung, aber auch bei ihm blieben die erhofften sportlichen Resultate aus. Mit 35 Jahren ist der Finne mittlerweile auch im Herbst seiner Karriere angekommen, und der für das nächste Jahr bereits gesetzte Nico Hülkenberg ist zwei Jahre älter als Bottas. Es ist fraglich, dass Sauber und auch Audi Interesse daran hätten, beide Cockpits mit Mittdreissigern zu besetzen – auch wenn sie mit ihrer langjährigen Erfahrung in der Formel 1 bei der Entwicklung des Autos helfen könnten.
Bereits 2021 und 2022 war Mick Schumacher in der Formel 1 beim Rennstall Haas tätig. Aufgrund fehlender sportlicher Erfolge und eines Streits mit dem damaligen Teamchef Günther Steiner musste der Sohn vom siebenmaligen Weltmeister Michael Schumacher das US-Team wieder verlassen.
Ausgerechnet Nico Hülkenberg beerbte Schumacher bei Haas. Dieser ging im Jahr daraufhin als Ersatzfahrer zu Mercedes. In dieser Saison tritt der Deutsche an der Langstrecken-Weltmeisterschaft für Alpine an und hinterliess dort bisher einen starken Eindruck. Im Kampf um das freie Alpine-Cockpit in der Formel 1 zog er gegenüber Jack Doohan jedoch den Kürzeren – ausserdem wird seine Eignung für die Königsklasse des Motorsports immer wieder in Frage gestellt.
Kürzlich bestätigte Sauber-Teamchef Mattia Binotto aber, dass Schumacher auf der Liste möglicher Fahrer sei und auch erste Kontakte mit dem Deutschen aufgenommen wurden. Besonders in den deutschen Medien hört man regelmässig neue Gerüchte um den 25-Jährigen, aber mehr als Spekulationen von verschiedenen Experten können aktuell auch unsere nördlichen Nachbarn nicht liefern.
Mick Schumacher is a genuine contender for the vacant Audi seat, Mattia Binotto has confirmed. #F1 pic.twitter.com/9U8eabB2i0
— PlanetF1 (@Planet_F1) October 13, 2024
Erst seit fünf Rennen ist Franco Colapinto bei Williams als Stammfahrer im Einsatz. Als Nachfolger des in dieser Saison punktelosen US-Amerikaners Logan Sargeant überzeugte der Argentinier auf allen Ebenen und fuhr bereits zweimal in die Punkte. Auch im Qualifying bringt der 21-Jährige jeweils eine gute Pace auf die Strecke und überzeugt im Rennen zudem mit seinem Reifenmanagement.
Natürlich wurde auch Sauber auf den jungen Südamerikaner aufmerksam. Eine Verpflichtung wäre auch aus finanzieller Hinsicht sehr lukrativ. In Argentinien ist durch die erfolgreichen Einsätze ein regelrechter Hype entstanden und somit sind auch argentinische Sponsoren bereit, einiges an Geld zu bezahlen. Aufgrund seiner Leistungen gibt es auch starke Konkurrenz – unter anderem Red Bull und Alpine zeigten bereits Interesse.
Der Vorteil für Sauber ist, dass Colapinto gleich Stammfahrer wäre. Bei Williams wird es im kommenden Jahr nämlich ebenfalls keinen Platz geben, da die Fahrerpaarung mit Alex Albon und Carlos Sainz bereits feststeht. Dem Argentinier dürften zeitnah mehrere Türen offen stehen, aber ein weiteres Jahr als Ersatzfahrer dürfte für ein solches Talent keine Option sein.
Gabriel Bortoleto ist ein weiterer Durchstarter der letzten Jahre. Letztes Jahr gewann der Brasilianer als Rookie die Formel 3, und auch in seiner ersten Formel-2-Saison steht Bortoleto an der Spitze der Weltmeisterschaftsrangliste. Der aktuelle McLaren-Junior hat von Sauber bereits ein Angebot für einen Einjahresvertrag erhalten. Doch dieses lehnte Bortoleto ab.
Sollte er die Weltmeisterschaft gewinnen, dürfte der 20-Jährige nächstes Jahr aber nicht mehr in der Formel 2 starten. Dies stellt für Bortoleto ein Problem dar, da es bei McLaren mit dem jungen Duo Lando Norris und Oscar Piastri aktuell nicht danach ausschaut, dass in den nächsten Jahren ein Platz frei werden könnte.
Der Manager von Bortoleto ist niemand Geringeres als der zweifache Weltmeister Fernando Alonso. Für den Spanier ist es wichtig, dass sein Schützling nichts überstürzt:
Bortoleto hat wie Colapinto also die Wahl, bei Sauber direkt in ein Auto zu steigen, das wahrscheinlich auch nächstes Jahr nur hinterherfahren wird, oder ein Jahr als Testfahrer zu verbringen und 2026 auf neue Chancen zu hoffen.
Aussenseiterchancen auf den freien Platz werden auch Théo Pourchaire zugerechnet. Der Franzose gewann im letzten Jahr die Formel 2 und ist diese Saison als Test- und Reservefahrer bei Sauber tätig. Seit Jahren ist der 21-jährige Teil der Sauber-Akademie, doch die Chancen auf das freie Cockpit stehen schlecht. Selbst in den freien Trainings erhielt der Ferrari-Junior Robert Schwarzman den Vortritt gegenüber Pourchaire.
Der letztjährige Sieger der Formel 2 zeigt sich kämpferisch: «Ich bin jung, aber ich bin bereit dafür. Und sie wissen sicherlich, dass ich da bin. Wenn sie mich wollen: Ich bin hier und bereit.»
Beide: "Nope."