Franzosen nach WM-Aus: Ein Mix aus Schiri-Diskussion und Selbstkritik
«Ich werde nun eine Frage stellen, diese aber nicht beantworten», sagte Frankreichs Trainer Didier Deschamps nach dem Ausscheiden im WM-Halbfinal sowohl im Interview auf dem Platz als auch bei der Pressekonferenz und schob hinterher: «Hat dieser Schiedsrichter das Niveau, einen WM-Halbfinal zu pfeifen?»
Eine Antwort brauchte der 57-Jährige, für den das Spiel um Platz drei am Samstag das letzte als französischer Nationaltrainer sein wird, gar nicht zu geben. Sein Gesicht sprach nämlich Bände. «Ich werde darauf nicht eingehen», wiederholte er und fügte dann doch an: «Es gab bestimmte Situationen … oft zu unserem Nachteil.» Der Unparteiische war Ivan Barton aus El Salvador, der unter anderem schon den Achtelfinal zwischen der Schweiz und Kolumbien geleitet hatte.
Er stelle diese Frage nicht, weil sein Team verloren habe, und bei ihm würde auch nicht nur der Penalty für Fragezeichen sorgen, sagte Deschamps. Spaniens Führungstreffer beim 2:0-Sieg folgte nach einem Foul von Lucas Digne an Lamine Yamal im Strafraum. Zuvor war der Ball an den angelegten Arm des Spaniers gesprungen. Für die Experten gab es am Penaltyentscheid dennoch nichts zu rütteln.
Der eingewechselte Rayan Cherki stimmte seinem Trainer insofern zu, als er sagte: «Der Schiedsrichter war nicht auf der Höhe.» Doch der Offensivspieler von Manchester City fügte an: «Aber es hat nicht an ihm gelegen. Er hat uns kein Tor aberkannt. Wir haben uns selbst geschlagen.» Frankreich hätte alles gehabt, um den Titel zu holen. Der 22-Jährige glaube sogar weiterhin, dass die Franzosen das bessere Team seien als Spanien. «Doch wir haben heute nicht so Fussball gespielt, wie wir es sonst tun. Spanien hingegen schon. Jetzt müssen wir die Konsequenzen tragen.»
Bei Kylian Mbappé klang es ähnlich: «Wir haben nicht den Match gespielt, den wir wollten.» Die eigentlich brillante Offensive um Captain Mbappé kam in der 81. Minute zum ersten Torschuss und nur auf 0,3 Expected Goals. So wenig hatte Frankreich in einem WM-Spiel gemäss Opta seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1966 noch nie. «Wir wollten sie früh unter Druck setzen, damit die Spanier nicht das Tempo kontrollieren können. Denn in der Spielkontrolle sind sie besser als wir», berichtet der 27-Jährige, muss aber feststellen: «Das ist uns nicht gelungen. Es gab zu viele technische Ungenauigkeiten.»
Selbst Didier Deschamps erklärte noch, dass der Schiedsrichter nicht der Hauptgrund für die Niederlage gewesen sei. Vielmehr seien die Bleus hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben und im Angriff «weniger gefährlich waren, als wir hätten sein können. Wir haben uns mit einigen technischen Fehlern und Fehlpässen Chancen weggenommen.» Auf diesem Niveau sei das eben entscheidend.
Spanien-Trainer Luis de la Fuente hatte für die Schiedsrichterkritik der Franzosen hingegen wenig Verständnis. «Wenn etwas nicht so läuft, wie du es dir wünschst, kannst du immer nach Ausreden suchen», so der 65-Jährige. Für ihn hatte Spaniens Sieg einen logischen Grund. So habe de la Fuente seinen Spielern vor dem Halbfinal gesagt: «Wir treffen auf eine der besten Mannschaften der Welt. Aber wir sind das beste Team der Welt.» Beweisen kann die Furia Roja dies mit einem weiteren Sieg am nächsten Sonntag im WM-Final (21 Uhr Schweizer Zeit) gegen England oder Argentinien.
