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Die Bayern in der Krise – wie es jetzt weitergehen muss

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Auf Wiedersehen: Die Bayern verabschiedeten sich gegen Manchester City aus der Champions League.Bild: keystone

Die Bayern in der Krise – wie es nun weitergeht

Nach dem Aus im Champions-League-Viertelfinal hat der FC Bayern München nur noch die Möglichkeit, Meister zu werden. Zum dritten Mal in Folge muss man sich in München mit einem Titel begnügen – zu wenig für den erfolgsverwöhnten Klub. Es wird Zeit für Veränderungen beim deutschen Rekordmeister.
20.04.2023, 14:2520.04.2023, 15:14
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Anfang April war der FC Bayern München noch ein heisser Kandidat, um erneut das Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League zu gewinnen. Nach dem Ausscheiden im Champions-League-Viertelfinal gegen Manchester City haben die Bayern nun zwei von drei möglichen Titeln verspielt.

Und das, obwohl die beiden Ex-Bayern-Spieler Lothar Matthäus und Markus Babbel den Kader des deutschen Rekordmeisters vor der Saison als den «besten Bayern-Kader aller Zeiten» bezeichneten. Mittlerweile dürfte allen klar sein, dass nicht nur diese beiden mit ihrer Einschätzung falsch lagen.

Auch die Führungsetage des FC Bayern um Sportchef Hasan Salihamidzic, den Vorstandsvorsitzenden Oliver Kahn und Präsident Herbert Hainer hat seit Sommer 2022 einige Entscheidungen getroffen, welche sich in den vergangenen Wochen als sehr unglücklich herausstellten. Das Standing der Verantwortlichen hat enorm gelitten, was auch ein Plakat der Münchner Südkurve während des Spiels gegen Manchester City zeigte. «Ziele dürfen verfehlt werden – Werte des Vereins nicht! Führungspolitik hinterfragen!», stand auf dem Transparent.

Fußball Champions League Viertelfinale FC Bayern München - Manchester City am 19.04.2023 in der Allianz Arena in München Banner im München Fanblock mit der Aufschrift: Ziele dürfen verfehlt werden - W ...
Die Bayern-Fans sind alles andere als zufrieden mit der Arbeit der Vereinsführung.Bild: www.imago-images.de

Mané kein Lewandowski-Ersatz

Die sportlichen Probleme des deutschen Meisters offenbarten sich bereits zu Beginn der Saison. Vor der Saison liess man Top-Torjäger Robert Lewandowski zum FC Barcelona ziehen. Einen 1:1-Ersatz verpflichteten die Bayern nicht. Der Transfer von Sadio Mané für 32 Millionen Euro vom FC Liverpool wurde als Coup angesehen.

In München war man davon überzeugt, dass man mit Mané die Scoring-Power des Polen Lewandowski kompensieren könne. Im Nachhinein betrachtet war dies eine Fehlentscheidung. Zwar schien der Plan zunächst aufzugehen: In den ersten drei Ligaspielen erzielten die Bayern gegen Frankfurt, Wolfsburg und Bochum insgesamt 15 Treffer. Doch dann folgten drei Unentschieden gegen Gladbach, Stuttgart und Union Berlin, in denen die Probleme des FC Bayern bereits offensichtlich wurden.

Es fehlt ein Zielspieler, der die zahlreichen Chancen, die sich das Team herausspielt, verwerten kann. Als sinnbildlich für den Chancenwucher der Bayern kann das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach betrachtet werden. Yann Sommer, damals noch im Tor der Gladbacher, wehrte in diesem Spiel sagenhafte 19 Torschüsse ab – Bundesliga-Rekord.

In der Folge schien mit Eric-Maxim Choupo-Moting der Zielspieler gefunden. Dass der Kameruner allerdings schlicht nicht den Ansprüchen der Münchner genügt, zeigte sich besonders in der Rückrunde. Der Stürmer traf in der Bundesliga in dieser Zeit lediglich noch dreimal und zudem fehlte er den Münchnern häufig verletzungsbedingt.

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Eric-Maxim Choupo-Moting kann Robert Lewandowski nicht ersetzen.Bild: keystone

Als Konsequenz wird der FC Bayern im Sommer auf dem Transfermarkt aktiv werden müssen. Dies bestätigte auch Präsident Hainer nach dem Champions-League-Aus: «Uns fehlt der Torjäger, der die Dinger reinmacht. Das ist das, was wir sicherlich brauchen in Zukunft», sagte der 68-Jährige. «Aber gehen Sie davon aus, dass wir die Mannschaft so verstärken, dass wir wieder um den Champions-League-Titel mitspielen können. Unser Ziel ist es ganz klar, in Europa ganz vorne mitzuspielen.»

Trainerwechsel ohne den gewünschten Erfolg

Ende März trennte sich der FC Bayern von Trainer Julian Nagelsmann. Oliver Kahn sah die Ziele des Klubs durch «die starken Leistungsschwankungen infrage» gestellt. Deshalb entschloss der Verein sich, sich von Nagelsmann zu trennen. Und damit von jenem Trainer, der in der Saison bis dahin lediglich drei Niederlagen in der Liga hinnehmen musste und die Münchner erst kurz zuvor mit zwei Siegen über Paris Saint-Germain in den Viertelfinal der Champions League geführt hatte.

Als Nachfolger wurde Thomas Tuchel präsentiert, der nun die Konsequenzen der Unruhen im Verein ausbaden muss. Lediglich zwei von sechs Spielen unter der Leitung des Champions-League-Siegers von 2021 konnten gewonnen werden. Hinzu kommen das Pokal-Aus gegen Freiburg und das Ausscheiden in der Champions League gegen die «Citizens».

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Thomas Tuchel kann mit den Bayern nur noch deutscher Meister werden.Bild: www.imago-images.de

Doch die Leistungen von Tuchel lassen sich nicht an den aktuellen sportlichen Ergebnissen messen. Bislang hatte der Trainer noch wenig Zeit, der Mannschaft seine Philosophie einzuimpfen. Erst in der kommenden Spielzeit dürfte sich die Wirkung des Trainerwechsels wirklich zeigen.

Probleme in der Kabine

Was damit anfing, dass Details der Spielvorbereitung aus der Kabine an die Öffentlichkeit gerieten und in einem Schlagabtausch zwischen Sadio Mané und Leroy Sané endeten. Das zeigt auch, dass in der Mannschaft nicht die gewünschte Harmonie herrscht.

Die Kaderzusammenstellung des FC Bayern ist nicht nur aufgrund eines fehlenden Weltklasse-Stürmers in der Kritik. Den Münchnern fehlt es an Identifikationsfiguren und Ausgewogenheit. Das Motto der Bayern, die besten deutschen Spieler im Kader haben zu wollen, scheint längst passé.

Die Unausgeglichenheit im Kader sorgt für schlechte Stimmung. Das Kader der Münchener enthält zu viele Flügel und zentrale Mittelfeldspieler, was automatisch zu Stunk bei denjenigen Spielern führt, die nicht regelmässig zum Einsatz kommen. Bestes Beispiel ist der junge Ryan Gravenberch. Er kam vor der Saison aus Amsterdam und gilt als vielversprechendes Talent, doch aufgrund mangelnder Einsatzzeiten liebäugelt er bereits wieder mit einem Abgang.

epa10573921 Munich's head coach Thomas Tuchel (R) speaks with Ryan Gravenberch during the Bundesliga soccer match between FC Bayern Munich and SG Hoffenheim in Munich, Germany, 15 April 2023. EPA ...
Ryan Gravenberch kommt häufig nur von der Bank.Bild: keystone

Auch Rechtsverteidiger Noussair Mazraoui zeigte seine Unzufriedenheit über seine Einsatzzeiten. «Ich bin unglücklich mit der aktuellen Situation. Vor der Weltmeisterschaft war ich Stammspieler, jetzt bin ich wieder fit und bekomme keine Spielzeit mehr.» Auch der Marokkaner schliesst einen Wechsel im Sommer nicht aus. «Es ist zu früh, um über meine Perspektive zu sprechen, aber sie ist derzeit nicht gut.»

Wo bleibt das «Mia san Mia»?

Dem FC Bayern kommt so allmählich seine Identität abhanden. Das berühmte «Mia san Mia»-Gefühl wird von den Verantwortlichen nicht mehr so gelebt, wie es noch zu Zeiten von Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeness der Fall war.

Auch auf Seiten der Spieler spiegelt sich diese Entwicklung wider. Den Bayern ist die Gewinner-Mentalität abhandengekommen. Seit drei Jahren kam man nicht mehr weiter als ins Viertelfinal der Champions League. Im Pokal schied man zunächst zweimal in Folge in der 2. Runde aus und in diesem Jahr im Viertelfinal.

Im dritten Jahr hintereinander bleiben die Münchener hinter den eigenen, hohen Erwartungen zurück. Denn der Gewinn der Meisterschaft erfüllt die Erwartungshaltung des deutschen Serienmeisters schon lange nicht mehr.

Wer trägt nun die Konsequenzen?

Leidtragender der Misere soll nun der Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn sein. Dies berichtet unter anderem Fussball-Experte Jan Age Fjortoft. Demnach sei es nur noch «eine Frage der Zeit», bis der ehemalige Torhüter von seinen Aufgaben entbunden werden soll.

Doch verantwortlich für den sportlichen Misserfolg ist zu grossen Teilen auch Hasan Salihamidzic. Der Bosnier war es, der Nagelsmann als Nachfolger von Hansi Flick für eine Rekordablöse aus Leipzig nach München holte. Zudem ist «Brazzo» gemeinsam mit dem Technischen Direktor Marco Neppe für die Zusammenstellung des angeblich «besten Kaders aller Zeiten» zuständig – der sich zumindest in der Champions League als nicht konkurrenzfähig herausstellte. Eine nächste überraschende Entlassung an der Säbener Strasse scheint aktuell nicht ausgeschlossen. Momentan hält allerdings Uli Hoeness wohl noch seine schützende Hand über Salihamidzic, wodurch dieser womöglich fester im Sattel sitzt als Kahn.

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Die teuersten Trainer Transfers
1 / 12
Die teuersten Trainer-Transfers
Julian Nagelsmann
Ablösesumme: 25 Millionen Euro
abgebender Verein: RB Leipzig
aufnehmender Verein: FC Bayern München
quelle: keystone / filip singer
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FC-Bayern-München-Spieler lesen Hasskommentare, um zu sensibilisieren
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20 Kommentare
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Geff Joldblum
20.04.2023 16:43registriert August 2019
Na, na, na. Also erstens, ja, der Kader ist top. Bis auf den klar fehlenden Mittelstürmer. Da haben sie völlig fehlgeplant. Dazu die vielen Unruhen (auch selbstverschuldet) im Verein. Stimme ich allem zu.
Aber was der Satz "nicht konkurrenzfähiges Kader in der Champions League soll"?!? Die Bayern haben jedes Spiel bis zu ManCity gewonnen, dabei PSG rausgeschmissen, Barca (klarer Tabellenführer La Liga) und Inter (Halbfinalist in diesem Jahr) keine Chance gelassen. Wo soll dieser Kader nicht konkurrenzfähig sein? 😵
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depaesc
20.04.2023 15:21registriert September 2016
Ich bin kein Bayern-Fan oder auch nur sympathisant, aber wie nicht konkurrenzfähig das Team in der Champions League ist hat man ja bis und mit gegen PSG klar gesehen.
Gegen City kann man halt mal 3:0 verlieren, wenn solche individuelle passieren.
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LifeIsAPitch
20.04.2023 15:55registriert Juni 2018
...und am Schluss werden trotzdem die Bayern Meister, weil die "Konkurrenz" nichts auf die Reihe kriegt. Wenn man nicht mal in einem epischen Krisenjahr der Bayern Meister wird, wann dann..?
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