Captain Xhaka stolz, Akanji nach Fehlschuss erleichtert: «Das war mein letzter Penalty»
Da wurden schon böse Erinnerungen wach: Manuel Akanji vergab gegen Kolumbien seinen Penalty und plötzlich war im Penaltyschiessen wieder alles offen. Vor zwei Jahren im EM-Viertelfinal hatte der Innenverteidiger als erster Schütze gegen England vergeben. Weil bei den Three Lions alle fünf Spieler erfolgreich waren, schied die Schweiz damals aus. Dieses Mal kam es aber anders.
Denn Goalie Gregor Kobel parierte gleich den nächsten Penalty von Kolumbien und danach verwandelten die Schweizer Cedric Itten und Ruben Vargas souverän: Die Nati steht damit im WM-Viertelfinal!
Dementsprechend erleichtert zeigte sich Akanji danach im SRF-Interview und verkündete zugleich: «Ich habe Muri schon gesagt: Das war mein letzter Penalty, den ich geschossen habe. Der war katastrophal.» Er habe sich im letzten Moment umentschieden und damit gegen die älteste Regel im Penaltyschiessen verstossen. Eigentlich habe er links oben hinzielen wollen, doch dann sah er, dass Goalie Camilo Vargas bei den ersten beiden Penaltys schon nach links gehechtet war. Deshalb habe er seine Pläne geändert, so Akanji. «Und dann bin ich auch noch ein bisschen weggerutscht und so flog er vier Meter übers Tor.»
Nati-Trainer Murat Yakin nahm das Angebot von Akanji, in Zukunft auf Penaltys zu verzichten, dankend an: «Das ist jetzt definitiv begraben.» Gleichzeitig stellte der 51-Jährige mit Blick auf eine ansonsten starke Leistung des Verteidigers von Inter Mailand auch klar: «Manu macht so viel richtig auf dem Platz, wahrscheinlich hat er im Penaltyschiessen zu viel kalkuliert. Aber dass wir überhaupt ins Penaltyschiessen gekommen sind, war auch sein Verdienst.»
Dass Akanji nach dem Spiel über seinen Fehlschuss lachen konnte, lag dann aber vor allem an seinen Mitspielern. «Ich bin unglaublich stolz auf das Team», so der 30-jährige Abwehrchef, der aber auch bemängelte: «Es war heute offensiv kein gutes Spiel von uns, wir haben nicht viel kreiert und es hat vieles gefehlt. Aber wir sind kompakt gestanden, haben über 120 Minuten gut gearbeitet und immer daran geglaubt. Deshalb war dieser Erfolg möglich.»
Von der starken Mentalität des Teams schwärmte auch Captain Granit Xhaka: «Der Wille hat gewonnen. Wir haben nicht viel kreiert, aber sind defensiv sehr gut gestanden. Es war ein typisches K.o.-Spiel, in dem beide Teams ihre Phasen hatten, und wir haben Geschichte geschrieben. Es ist ein unglaubliches Gefühl.» Xhaka trat im Penaltyschiessen als erster Schweizer an und verwandelte, obwohl Kolumbien-Goalie Vargas dran war.
«Ich habe im Training gesagt, dass ich als Erster schiessen will. Ich wollte Verantwortung übernehmen, wie ein Captain das tun sollte», so Xhaka, der aber vielmehr übers Team sprechen wollte. «Ich bin wirklich sehr stolz auf die Mannschaft. Wir warten schon seit Längerem darauf, so eine Geschichte zu schreiben. Die Mannschaft hat es verdient!» Schliesslich sei die Nati seit 2014 bei jeder WM im Achtelfinal gewesen, nun habe sie das Ziel erreicht, endlich einen solchen zu gewinnen.
Doch für Xhaka ist das nun kein Grund zur Zufriedenheit. «Der Hunger ist so gross wie noch nie», stellt der 33-jährige Mittelfeldmotor klar. «Wir haben unser Ziel Nummer 1 erreicht, aber wenn du im Viertelfinal stehst, willst du mehr.» Nun stehe mit Argentinien und Lionel Messi ein Riesenbrocken bevor. «Wir werden das Spiel geniessen», sagt Xhaka, fügt aber an: «Wenn man noch eine grössere Geschichte schreiben kann, muss man alles dafür geben.» (nih)
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