Nach dem WM-Hoch: Der Nati droht in der Nations League der Abstieg in Lostopf 3
Bisher hat Murat Yakin der Nations League nie die grosse Bedeutung beigemessen. Stattdessen nutzte er die Spiele gerne für taktische und personelle Experimente. So nahm er es auch vor zwei Jahren locker hin, als sein Team aus der Liga A abstieg. Wirklich wichtig werde es sowieso erst, wenn es um die EM- und WM-Qualifikation gehe, erklärte der Schweizer Nationaltrainer damals.
Am vergangenen Donnerstag, als Yakin mit der Kaderbekanntgabe die neue Kampagne einläutete, wurde der 52-Jährige erneut auf die Bedeutung des Wettbewerbs angesprochen. «In der Vergangenheit hat man die Partien der Nations League als bessere Freundschaftsspiele betrachtet», sagte Yakin und vermied dabei die Ich-Form. Dann fügte der 52-Jährige entschlossen an: «Das gilt jetzt nicht mehr.»
Warum ist die Nations League wichtig?
Auch dieses Mal verbindet die UEFA die Nations League mit der EM-Qualifikation. Erneut kann man sich mit guten Leistungen einen Platz in den Playoffs sichern, sollte man sich nicht über die Gruppenphase für das Turnier 2028 in England, Schottland, Wales und Irland qualifizieren.
Wie wertvoll das sein kann, hat sich jüngst bei Schweden gezeigt. Nachdem das Team die WM-Qualifikationsgruppe (mit der Schweiz) mit nur zwei Punkten aus sechs Spielen auf dem 4. und letzten Platz abgeschlossen hatte, durfte es dank der Nations League dennoch an den Playoffs teilnehmen und sicherte sich so prompt das WM-Ticket.
Zusätzlich hat die Platzierung in der Nations-League-Gruppe Auswirkungen darauf, in welchem Topf das Nationalteam für die Auslosung der zwölf EM-Qualifikationsgruppen gezogen wird. Diese findet am 6. Dezember statt.
Was bedeutet das konkret?
Weil die UEFA das Abschneiden in der Nations League höher gewichtet, steht bereits fest, dass die Schweiz im Dezember nicht mit den besten Teams in Lostopf 1 gezogen wird. Der Abstieg in die Liga B überstrahlt den Einzug in den WM-Viertelfinal im Sommer ebenso wie die aktuelle Weltranglistenposition. Damit könnte in der EM-Qualifikation im nächsten Jahr ein sehr starker Gegner wie Spanien, England oder Frankreich warten.
Selbst Topf 2 ist aber noch nicht gesichert. Wenn sich das Team von Murat Yakin in seiner Vierergruppe mit Schottland, Slowenien und Nordmazedonien in der unteren Hälfte klassiert, fällt die Schweiz für die Auslosung der EM-Qualifikationsgruppen in Topf 3 zurück.
Zur Einordnung: Bei den letzten sechs Auslosungen für WM- und EM-Qualifikationen wurde die Schweiz je dreimal aus Topf 1 und 2 gezogen. Zuletzt war die Nati bei der Auslosung für die WM-Qualifikation 2014 in Topf 3. Das will das Nationalteam unbedingt vermeiden.
Was ist das Ziel für die Schweiz?
Auch unabhängig der Auswirkungen auf die EM-Qualifikation hielt Yakin klar fest: Das Ziel ist der Gruppensieg und damit der direkte Wiederaufstieg in die Liga A. Bei Platz 2 würde die Schweiz im kommenden Frühling in einem Playoff gegen ein Liga-A-Team um den Aufstieg spielen. Bei Platz 3 bliebe die Schweiz sicher in der Liga B, bei Platz 4 müsste sie in einem Playoff um den Verbleib in der Liga kämpfen.
Der stärkste Konkurrent um den Gruppensieg dürfte Schottland sein, das zuletzt wieder regelmässig an Endrunden teilgenommen hat (EM 2021 und 2024 sowie WM 2026). Vor zwei Jahren traf die Schweiz an der EM in Deutschland auf Schottland, wobei sich die Teams 1:1 unentschieden trennten. Bei der Schweiz kommt hinzu, dass sie nach dem nächsten Covid-Fälschungsskandal auf Captain Granit Xhaka verzichten muss.
Was ist speziell bei dieser Ausgabe?
Statt drei gibt es in diesem Herbst nur zwei Länderspielfenster für die Nations League. Im ersten werden gleich vier der insgesamt sechs Runden ausgetragen. Innert elf Tagen bestreitet die Schweiz zunächst die Auswärtsspiele in Nordmazedonien und Schottland, danach die Heimspiele gegen Slowenien und Nordmazedonien – jeweils in Luzern.
So viele Länderspiele innert kurzer Zeit sind ausserhalb von Endrunden ungewöhnlich, ein Novum ist es allerdings nicht. Bereits in der Nations League 2022/23 gab es zum Auftakt gleich vier Runden ohne Unterbruch. Damals – bereits mit Murat Yakin als Nationaltrainer – begann die Schweiz mit drei Niederlagen in Folge, meldete sich dann aber eindrücklich mit drei Siegen zurück. (car/sda)
