Geheim- oder doch wieder nur «Geh-heim-Favorit»? Der Türkei droht das frühe Aus
Beim Blick auf die Statistiken bekommt man das Gefühl, dass die Türkei das Auftaktspiel gegen Australien hätte gewinnen müssen. Doch die Türken verloren tatsächlich mit 0:2, trotz insgesamt 30 Abschlüssen und über 70 Prozent Ballbesitz. Das Team rund um die Teamstützen Arda Güler, Hakan Calhanoglu und Kenan Yildiz musste sich geschlagen geben.
Praktisch jedes Mal, wenn die Türken an einem grossen Turnier dabei sind, werden sie – besonders vom eigenen Anhang – als Geheimfavoriten gehandelt. Doch wie meistens in diesem Jahrtausend bewegt sich die Türkei auf einem schmalen Grat zwischen der Rolle als möglicher Überraschungskandidat und einer frühzeitigen Heimreise.
Entweder Top oder Flop
So gingen die Fans der Türken auch optimistisch in die Europameisterschaft 2021 und wurden bitter enttäuscht. Nach Niederlagen gegen Italien, Wales und die Schweiz endete die Gruppenphase ohne Punkt und die Koffer mussten früh gepackt werden. Besser lief es dagegen an der bisher letzten Europameisterschaft, als die Türken nach einem Achtelfinalsieg gegen Österreich den Viertelfinal erreichten und in diesem nur knapp an den Niederlanden scheiterten.
Noch besser lief es bei der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz. Auch damals startete das Turnier mit einer Niederlage (0:2 gegen Portugal), bevor es zu einer Partie kam, an welche die Schweizer nicht gerne zurückdenken. In der Regenschlacht von Basel verlor die Schweizer Nati trotz Vorsprungs mit 1:2.
Im entscheidenden Gruppenspiel gegen Tschechien wurde es noch verrückter. Nach einem 0:2-Rückstand drehte das türkische Team damals die Partie und schaffte es in den Viertelfinal. Wie eigentlich immer an diesem Turnier wurde auch die Partie gegen Kroatien dramatisch und nach einem Treffer in der Nachspielzeit der Verlängerung rettete sich das türkische Team in das Elfmeterschiessen. In diesem hatte die Türkei die viel besseren Nerven und zog in den Halbfinal ein. In diesem endete die EM-Reise 2008 nach einem nicht minder aufregenden 2:3 gegen Deutschland.
Nach der ärgerlichen Niederlage gegen Australien trifft die Türkei in der Nacht auf Samstag (5 Uhr Schweizer Zeit) auf Paraguay. Die Südamerikaner verloren das Eröffnungsspiel mit 1:4 gegen Gastgeber USA und stehen bereits jetzt wie die Türkei unter Druck.
Es droht das frühe Aus
So gross die Euphorie in der Türkei jeweils ist, so schnell schwappt sie jeweils in grosse Kritik über. So waren die Medien im eigenen Land überhaupt nicht zufrieden mit dem Gebotenen gegen die Australier und der bekannte Streamer Abdu rastete in einer Liveübertragung mehrmals aus.
Edit von Abdu zur Türkei-Niederlage gegen Australien 😭🇹🇷 pic.twitter.com/7yzhin07mv
— Fussballfc (@Fussball_fc) June 14, 2026
Für den Geheimfavoriten könnte es im zweiten Gruppenspiel bereits um alles gehen. Sollte Australien gegen die USA nicht gewinnen, wäre die Türkei bei einer Niederlage gegen Paraguay bereits sicher ausgeschieden. Es wäre eine riesige Enttäuschung für die FIFA-Weltnummer 22.
Mut könnte der Mannschaft von Nationaltrainer Vincenzo Montella die Vergangenheit geben. Als die Türkei 2002 zum letzten Mal an einer Weltmeisterschaft teilnahm, verloren die Türken das erste Spiel gegen den späteren Weltmeister Brasilien und liessen auch gegen Costa Rica Punkte liegen. Nach einem abschliessenden 3:0 gegen Aussenseiter China qualifizierte sich die Türkei doch noch für den Achtelfinal. Nach knappen 1:0-Siegen gegen Japan und Senegal stiess das türkische Team bis in den Halbfinal vor und verlor dann erneut gegen Brasilien. Im Spiel um Platz drei konnte die Türkei wenigstens noch Gastgeber Südkorea bezwingen.
