Viel Offensivpower – das sind die Schlüsselspieler von Nati-Gegner Kolumbien
Camilo Vargas
Etwas überraschend ist nicht die bald 38-jährige Kolumbien-Legende David Ospina die Nummer 1 an diesem Turnier. Auch der sieben Jahre jüngere Alvaro Montero kommt nicht zum Zug. Zwischen den Pfosten steht für die Südamerikaner an dieser WM stets Camilo Vargas. Auch er ist schon 37-jährig und steht bei Atlas Guadalajara unter Vertrag, wo er ebenfalls die Nummer 1 ist.
Vargas ist für einen Goalie kein Riese – mit 1,83 Meter ist er gleich gross wie der frühere Nati-Goalie Yann Sommer. Dafür gilt er auch als reaktionsschnell und stark in 1-gegen-1-Duellen. Auch bei Elfmetern und einem allfälligen Penaltyschiessen könnte der Goalie zum Spielverderber werden: In der vergangenen Saison in Mexiko hat er fünf von elf Versuchen vom Punkt gehalten. Dass er an der WM erst mit einem Gegentor dasteht, hat er aber auch seinen guten Vorderleuten zu verdanken. Vargas musste im ganzen Turnier erst fünf Schüsse abwehren.
Daniel Muñoz
Daniel Muñoz ist mit zwei Treffern bislang Kolumbiens bester Torschütze des Turniers. Das ist einerseits überraschend, wenn man bedenkt, dass Muñoz eigentlich Verteidiger ist. Doch das System der Kolumbianer erlaubt ihm auf der rechten Aussenbahn gewisse Freiheiten. Denn der defensive Mittelfeldspieler Jefferson Lerma lässt sich oft zurückfallen, um die Innenverteidiger Jhon Lucumi und Davinson Sanchez zu unterstützen, wodurch Muñoz sich nach vorne orientieren kann.
Der 30-jährige Spieler von Crystal Palace zeichnet sich insbesondere durch seine Laufbereitschaft aus. Wobei Laufen fast die falsche Bezeichnung ist. In der Premier League spult er regelmässig rund zwölf Kilometer ab, was alleine noch nichts Besonderes ist. Doch rund anderthalb Kilometer davon legt der Kolumbianer jeweils schnell laufend (20 km/h bis 25 km/h) oder sprintend (über 25 km/h) zurück. Und die Puste geht ihm jeweils auch spät im Spiel nicht aus – da müssen die Schweizer achtsam sein.
Gustavo Puerta
Vielen Fussballfans dürfte Gustavo Puerta nur beiläufig ein Begriff sein. Der 22-Jährige ist einer der wenigen Jungen in dieser kolumbianischen Mannschaft. Offiziell bei Bayer Leverkusen unter Vertrag, wurde der Mittelfeldspieler in den letzten Jahren immer ausgeliehen – die letzte Saison spielte er bei Racing Santander in Spaniens zweiter Liga.
Unter Trainer Nestor Lorenzo war er an dieser WM bislang trotzdem gesetzt – als Mittelfeldmotor und defensives Gewissen. Über 43 Kilometer ist er in seinen bisherigen vier WM-Auftritten gelaufen. Mit 113 Pressing-Aktionen (21 mehr als der nächstbeste Kolumbianer) ist er auch zentral im Spiel gegen den Ball. «Der Trainer verlangt viel Vielseitigkeit von mir. Manchmal stellt er mich rechts auf, manchmal links, manchmal als Sechser», erklärt Puerta sein eigenes Spiel. Mit seiner Zuverlässigkeit hat er den eigentlich viel bekannteren Richard Rios von Benfica Lissabon aus der Startelf verdrängt.
James Rodriguez
2014 betrat James Rodriguez an der WM in Brasilien die Weltbühne. Heuer in Nordamerika dürfte es die letzte Weltmeisterschaft für den mittlerweile 34-jährigen offensiven Mittelfeldspieler sein. Ganz so einflussreich wie vor zwölf Jahren, als er sich mit sechs Treffern den goldenen Schuh, die Auszeichnung für den besten WM-Torschützen, schnappte, ist er nicht mehr. Aber Rodriguez führt das Team immer noch als Captain an und ist auch auf dem Platz ein Leader.
Zwar ist der Mittelfeldspieler noch ohne Torbeteiligung, dafür agiert er in dieser kolumbianischen Mannschaft als Ballverteiler, der überall anzutreffen ist. Er hat die fünftmeisten Pässe seiner Mannschaft gespielt, aber auch die meisten Flanken geschlagen und die meisten Pässe gespielt, deren Ziel es war, die gegnerischen Verteidigungsreihen aufzubrechen. Dass Rodriguez derart überzeugt, obwohl er in der MLS vergangene Saison nur gerade 235 Spielminuten gesammelt hat, überrascht seinen Trainer Nestor Lorenzo nicht: «Die WM macht etwas mit ihm.» Er sei dann ein anderer Spieler. Zudem hat sich die Kolumbien-Legende ihrem Alter angepasst. In den Worten des Trainers: «Er rennt weniger und denkt dafür mehr.»
Luis Diaz
Er ist der Spieler Kolumbiens, der am wenigsten Vorstellung braucht. Im Sommer 2025 wechselte er von Liverpool zu den Bayern und schlug in München voll ein. In 32 Ligaspielen erzielte der 29-jährige Flügelstürmer 15 Tore selbst und bereitete 17 weitere Treffer vor. Auf der linken Aussenbahn passte Diaz perfekt ins System von Vincent Kompany. Er war effektiv im Gegenpressing und konnte sein Tempo und seine hervorragende Technik in den Dribblings voll ausspielen.
Denis Zakaria wird als voraussichtlicher Schweizer Rechtsverteidiger die schwierige Aufgabe erhalten, Diaz auszubremsen. Denn die Offensive Kolumbiens läuft zu grossen Teilen über den Bayern-Söldner. Mit einem Tor und einem Assist sowie 16 Abschlüssen ist er der aktivste Spieler der Südamerikaner. Im vertikalen Spiel ist er der Dreh- und Angelpunkt des Schweizer Achtelfinalgegners. 91 Pässe hat er an dieser WM schon in der Zone zwischen dem gegnerischen Mittelfeld und der Verteidigung erhalten – das sind satte 61 Bälle mehr als beim nächstbesten Kolumbianer.
Der 60-jährige Argentinier, der Kolumbien seit 2022 betreut, blieb dennoch pragmatisch. «Das hätte jede Mannschaft treffen können. Diesmal trifft es uns. Wir versuchen, die Situation zu akzeptieren», sagte er.
Den kommenden Gegner schätzt der ehemalige argentinische Nationalverteidiger (134 Länderspiele) als erfahren ein. «Die Schweiz ist eine gut organisierte Mannschaft, die gut angreift und gut verteidigt. Ihre Spieler stehen bei grossen europäischen Klubs unter Vertrag, und ihr Nationaltrainer ist seit fünf Jahren im Amt. Das spricht für ihre Erfahrung», sagte Lorenzo. (sda)
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