Unangenehme Duelle drohen – die wahrscheinlichsten Nati-Gegner im Sechzehntelfinal
Hätte die Schweiz gegen den Co-Gastgeber Kanada nicht mit 2:1 gewonnen, wäre der Fall schon jetzt klar. Als Zweiter der Gruppe B wäre die Nati im Sechzehntelfinal der WM in Nordamerika auf Südafrika getroffen, den Zweiten der Gruppe A.
Der Gruppensieg der Schweiz wird mit dem vermeintlich leichteren Los in Form eines Gruppendritten belohnt. Wer das am Freitag, 3. Juli (5 Uhr Schweizer Zeit) in Vancouver sein wird, ist noch offen – aber es gibt klare Tendenzen und einige unangenehme Optionen.
Wir kommen gleich dazu.
Eine von 495 Kombinationen gelangt zur Anwendung
Doch zunächst die Erklärung, wie bestimmt wird, auf welchen Gruppendritten die Schweiz trifft. Wenn acht von zwölf Gruppendritten weiterkommen, dann sind 495 Kombinationen möglich, die im 98 Seiten starken Regularium zur WM 2026 fein säuberlich aufgelistet sind. Ein Auszug:
Bei Option 1 kommen die Dritten der Gruppen E, F, G, H, I, J, K und L weiter. Sie werden wie gezeigt Gruppensiegern zugeteilt. Für jede der 495 Kombinationen hat die FIFA vor dem Turnier festgelegt, wie die Zuteilung zu den Gruppensiegern sein wird. Mit jeder Gruppe, die abgeschlossen wird, fallen immer mehr davon weg. Und in der letzten Nacht gab es für die Schweiz einige Verschiebungen.
Nachdem die Hälfte der zwölf Gruppen alle ihre Spiele absolviert hat, ist derzeit gemäss den Berechnungen der belgischen Website «Klinkt» im Sechzehntelfinal nicht mehr Algerien der wahrscheinlichste Gegner, sondern zu 58,5 Prozent der Dritte der Gruppe G. Und das könnten Ägypten um Superstar Mohamed Salah (27 Prozent), der Iran (23 Prozent), Belgien (6 Prozent) oder Neuseeland (2,5 Prozent) sein. Das ist aber nur möglich, wenn der Dritte auch weiterkommt. Dazu müsste der Iran gegen Ägypten mindestens einen Punkt holen und es bei Belgien gegen Neuseeland einen Sieger geben.
Wiedersehen mit Petkovic …
Andernfalls wäre weiterhin ein Duell mit dem Dritten der Gruppe J am wahrscheinlichsten: Algerien (18 Prozent) oder Österreich (10 Prozent). Die beiden machen im Direktduell am Sonntag (4 Uhr) die Plätze 2 und 3 hinter Argentinien unter sich aus. Pikant: Weil Algerien – Österreich das letzte von allen Vorrundenspielen ist, wissen die Teams haargenau, welches Resultat zu welchem Gegner führt.
Beide Begegnungen hätten ihren Reiz. Bei Algerien stünde beim Duell ein Mann im Mittelpunkt: Vladimir Petkovic. Zwischen 2014 und 2021 war er Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, niemand stand öfter an deren Seitenlinie als Petkovic mit 78 Spielen und dem Einzug in den EM-Viertelfinal 2021 als Höhepunkt. Viele Spieler wie Granit Xhaka, Ricardo Rodriguez, Manuel Akanji oder Breel Embolo waren damals schon im Team.
… oder ein Duell mit Nachbar Österreich?
Andererseits ist da das Nachbarschaftsduell mit Österreich. Im Skisport ist die Rivalität am grössten, auf dem Fussballplatz hat die Schweiz nur gegen drei Nationen noch öfter gespielt (Italien, Deutschland und Ungarn). In der Neuzeit gab es ausschliesslich Freundschaftsspiele, das letzte Pflichtspiel ist tatsächlich die legendäre Hitzeschlacht von Lausanne, als die Schweiz den WM-Viertelfinal 1954 trotz 3:0-Führung noch 5:7 verlor. Bis heute ist es das torreichste Spiel der WM-Geschichte.
Das Duell mit Österreich wäre aber wie jenes mit Belgien ein ziemlich unangenehmes für die Schweiz. Doch auch sonst drohen schwierige Gegner. Dank des Siegs gegen Deutschland steht auch Ecuador in der K.o.-Runde. Zu gut sieben Prozent würde die Nati nach aktuellem Stand auf das Abwehrbollwerk um PSG-Star Willian Pacho, Arsenals Piero Hincapié oder Moises Caicedo von Chelsea treffen. Auch Senegal (5 Prozent) wäre für einen Gruppensieger ein ziemlich unangenehmer Gegner.
Die möglichen Schweizer Gegner und ihre Wahrscheinlichkeiten:
Das Portal «The Athletic» kommt auf leicht andere Zahlen aber die gleichen Teams: Ägypten ist zu 23 % der nächste Schweizer Gegner, der Iran zu 21 % und Algerien zu 17 %.
Wieder Achtelfinal gegen Portugal?
Die Statistikfirma Opta hat mit ihrem Prognosemodell die restlichen Partien durchgespielt. Demzufolge würde die Schweiz zunächst auf den Iran treffen, sich zu 64 Prozent durchsetzen und anschliessend auf Kolumbien treffen. Fast gleich wahrscheinlich wäre aber Portugal, das sich im Direktduell mit den Cafeteros noch den Gruppensieg sichern könnte. Es wäre eine Neuauflage des WM-Achtelfinals von vor vier Jahren, als die Nati eine schallende 1:6-Ohrfeige kassierte.
Opta gibt dem Team von Murat Yakin aktuell eine Chance von 5,11 Prozent, den Final zu erreichen und eine Chance von 2,04 Prozent auf den WM-Titel. Sie ist damit nun doppelt so hoch, wie vor dem Turnier von Datahouse berechnet wurde.
Wecker stellen für die Nati
Während der nächste Gegner noch nicht bekannt ist, ist schon klar, dass es der Spielplan mit der Schweiz gut meint. Auch wenn sie den Gegner erst am Sonntag kennt, bleibt ihr bis zur Partie am Freitag genügend Zeit, um sich vorzubereiten.
Andere haben diesen Komfort nicht: Deutschland wird erst eineinhalb Tage vor dem Sechzehntelfinal wissen, auf wen es trifft. Einziger Wermutstropfen für die Nati-Fans in der Heimat ist die Anspielzeit: Das erste K.o.-Spiel wird um 5 Uhr (Schweizer Zeit) angepfiffen.
