Lieber Rang 1 oder 2? Nati-Star Manuel Akanji steckt vor Kanada-Duell im Dilemma
Vor acht Jahren bestritt Manuel Akanji seine WM-Premiere. Im russischen Rostow ging es sogleich gegen Rekord-Weltmeister Brasilien, mit seinem für seine damals 22 Jahre erstaunlich abgeklärten Auftritt hatte der Innenverteidiger grossen Anteil am 1:1-Achtungserfolg der Nati.
Seither gewann Akanji mit Manchester City die Premier League sowie die Champions League und in der abgelaufenen Saison die Serie A mit Inter Mailand. Er schlug etliche Schlachten auf der grösstmöglichen Bühne, im Schweizer Trikot ist der 30-Jährige bei 83 Länderspielen angekommen. Eine so reich geschmückte Visitenkarte wie er können nur ganz wenige aktive und ehemalige Schweizer Fussballer vorweisen Und doch macht Akanji kein Geheimnis daraus: «Ich bin immer noch vor jedem Spiel ein bisschen nervös.»
Nur ein Sieg bringt der Schweizer Nati den Gruppensieg
Im wunderbaren BC-Place in Vancouver werden die Schweizer am Mittwochabend (21 Uhr, Schweizer Zeit) das erste Mal an der WM in einem reinen Fussballstadion auflaufen. Mit der einfachen Ausgangslage: Ein Sieg bringt den Gruppensieg, bei Remis oder Niederlage bleibt die Nati auf Rang 2.
Letzteres hätte zur Folge, dass es bereits am Sonntag weitergeht mit den Sechzehntelfinals. Für Akanji grundsätzlich eine willkommene Perspektive. Obwohl er seit Jahren im Drei-Tages-Rhythmus spielt und die letzte Sommerpause drei Jahre her ist, sagt er: «Ich mag es, schnell wieder ein Spiel zu haben, um im Rhythmus zu bleiben. Bei längeren Pausen wird härter trainiert. Danach fühle ich mich nicht gleich bereit für ein Spiel.»
So gesehen müsste Akanji den Vorwärtsdrang einstellen, wenn es gegen Kanada nach 80 Minuten stehen sollte. Doch auf die Frage, ob er gegen Kanada auf ein Unentschieden spekuliert, sagt er ohne mit der Wimper zu zucken: «Auf keinen Fall!» Ein Sieg, verbunden mit Schlussrang 1 in der Gruppe B, hätte eine achttägige Pause bis zum Sechzehntelfinal zur Folge.
Portugal von Rang 1 aus, Brasilien via Rang 2
Akanji im Dilemma, wobei klar ist: Im Voraus in ein WM-Spiel zu gehen mit der Absicht, weder zu gewinnen noch zu verlieren, widerspricht dem Mindset von Spitzenfussballern.
Absehbar aber ist schon auch: Sollte es in der Schlussphase tatsächlich Unentschieden stehen, wird die Nati kaum mehr mit allergrösster Entschlossenheit angreifen. Nicht um den Punkt zu sichern, sondern um Kräfte zu schonen und keine Verletzungen zu riskieren.
Ob Rang 1 oder Rang 2 besser für die Nati ist, bleibt Diskussionsthema für den Stammtisch. Klar könnte beim Gruppensieg im Achtelfinal Portugal der Gegner sein, andererseits warten im Tableau von Rang 2 aus Brasilien, die Niederlande und Marokko. Aus Spielersicht ist es, wie Akanji sagt: «Wenn wir unser Ziel an der WM erreichen wollen, treffen wir früher oder später sowieso auf grosse Nationen. Jetzt schon zu spekulieren, ob und auf welchem Weg es ins Halbfinale gehen könnte, dafür ist es zu früh. Wir wollen gegen Kanada eine gute Leistung zeigen, danach müssen wir erst einmal den Sechzehntelfinal gewinnen und schauen dann weiter...»
Dass Yakin nochmals darauf hinwies, wie wertvoll es gegen Bosnien-Herzegowina gewesen sei, einen solchen Spieler einwechseln zu können, kann als Hinweis darauf gedeutet werden, dass Manzambi auch im dritten Spiel lediglich als Joker zum Einsatz kommen wird. Oder als falsche Fährte für den Gegner. (nih)
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