Die WM und das Rätsel der verspäteten Anpfiffe
Das Start-Wochenende der Rekord-WM in Nordamerika machte uns mit einigen Neuerungen vertraut. Die Schiedsrichter-Kamera ist grossartig, da sind wir uns wohl einig. Über die Trinkpause in jeder Halbzeit – ob es nun heiss ist oder nicht – kann man geteilter Meinung sein. Und dann ist da auch noch die Sache mit der Nationalhymne.
Erstmals überhaupt dürfen nicht nur die jeweils elf Spieler der Startformation auf dem Feld stehen, wenn sie erklingt. Neu ist an dieser WM, dass sämtliche Kadermitglieder diesen Moment erleben dürfen.
Diese Änderung der bisherigen Praxis könnte eine mögliche Erklärung dafür sein, dass bislang keine einzige WM-Partie pünktlich angepfiffen worden ist. Die BBC hat Verzögerungen von zwischen 40 Sekunden und 6 Minuten gestoppt. Das Auftaktspiel der Schweiz gegen Katar am Samstag begann demnach 4:53 Minuten später als geplant.
Fehlplanung der FIFA?
Der britische Sender hegt die Vermutung, dass sich Mannschaften und Offizielle besser mit dem neuen Ablauf bei der Nationalhymne vertraut machen müssen. Ob die neue Regelung überhaupt mit den Verspätungen zusammenhängt, bleibt allerdings unklar. «Es könnte auch sein, dass die FIFA den Zeitaufwand etwas unterschätzt hat», mutmasst die BBC.
Ein einheitlicher Grund für die Verzögerungen lässt sich bisher nicht erkennen. Mal dauert das Zeremoniell länger als geplant, mal verzögert sich der Einlauf der Teams. Der Weltverband hat für jede Partie einen «Fahrplan» erstellt, der penibel eingehalten werden soll. Unter anderem deshalb, damit die Fernsehstationen ihre Beiträge, Gespräche und Werbepausen planen können.
Trödelnde Spieler
Dass die Nationalhymnen nicht die einzige mögliche Ursache sind, zeigt das Spiel zwischen Haiti und Schottland. Dort war vorgesehen, dass die Teams sich exakt 8:40 Minuten vor dem Anpfiff aufs Feld begeben müssen. Weil aber nicht alle Spieler Haitis bereit waren, verzögerte sich der Gang auf den Rasen – letztlich um 90 Sekunden.
Ein kleines Gedankenspiel. Jemand schaut sich sämtliche 104 WM-Spiele an, schaltet pünktlich ein, muss aber im Schnitt drei Minuten bis zum Anpfiff warten. Das ergibt über fünf Stunden, die der Fan mit Warten verbracht hat – aber bei so viel Fussball spielt das vermutlich auch keine Rolle mehr.
Noch sind erst wenige WM-Spiele absolviert. Ob sich die Abläufe einspielen oder die Verspätungen das WM-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko weiter begleiten, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. (ram)
