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Switzerland's head coach Vladimir Petkovic during a training session the day before the UEFA Nations League soccer match between Iceland and Switzerland, at the Laugardalsvoellur stadium in Reykjavik, Iceland, on Sunday, October 14, 2018. (KEYSTONE/Ennio Leanza).

Nicht ganz so goldig wie bei uns – ein Herbsttag in Island. Bild: KEYSTONE

Vier Minuten plus eine Zusatzfrage – schweigsame Schweizer vor dem Duell mit Island

Heute Abend um 20.45 Uhr spielt die Schweizer Nati in der Nations League gegen Island. Für die Schweizer ist ein Sieg Pflicht, wenn sie noch eine Chance auf den Gruppensieg haben wollen. Das Resultat des Hinspiels lässt hoffen – darf aber keineswegs zu grosse Erwartungen schüren.

Etienne Wuillemin, reykjavik / CH Media



Die Küste in Reykjavík bietet einen imposanten Ausblick aufs Meer. Versteckt sich die Sonne hinter den Wolken, und das tut sie oft, dann erhält das Wasser einen fast schwarzen Anstrich. Und ziemlich häufig steht ein Regenbogen mittendrin.

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So sieht es in Reykjavik zuweilen aus. bild: Shutterstock

Der Regenbogen als Verbindung zwischen Himmel und Erde. Das passt. Zumindest für die Schweizer Fussballer, die seit gestern in Island zu Gast sind. Sie möchten irgendwann gerne den Himmel erklimmen. Konkret: An einem grossen Turnier einmal einen Viertelfinal erreichen. Oder wenigstens bald wieder eine grosse Fussballnation schlagen. Noch befinden sie sich auf der Erde. Und sind auf der Suche nach dem richtigen Weg.

Je länger das dauert, desto mehr werden die Schweizer erinnert an all die Möglichkeiten, die sich ihnen geboten haben. Gegen Argentinien (WM 2014). Gegen Polen (EM 2016). Gegen Schweden (WM 2018). Es liegt ein stiller Schmerz über dieser Mannschaft. Einer, der von Zeit zu Zeit wieder zum Ausdruck kommt.

Siege zum falschen Zeitpunkt

Vor gut zwei Jahren gab es den Sieg gegen Europameister Portugal, 2:0, beim Gegner fehlte Ronaldo. Vor der WM gab es das 1:1 gegen Spanien. An der WM das 1:1 gegen Brasilien. Das alles sind tolle Resultate, sehr tolle sogar. Aber eben immer auch zum falschen Zeitpunkt – nämlich dann, wenn es nichts zu gewinnen gibt. Wenn der Beweis dagegen zu erbringen ist, einen Schritt nach vorne gemacht zu haben, scheitern die Schweizer regelmässig.

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Die Highlights beim 1:1 gegen Brasilien. Video: YouTube/FIFATV

Die Sehnsucht nach dem grossen Wurf spürt man insbesondere dann, wenn es eine Niederlage wie jene gegen Belgien zu erklären gilt. Nicht, dass dieses 1:2 besonders schlimm wäre, das war auch das 0:1 in England nicht, zumal die Leistungen ansprechend waren. Und trotzdem sagt Granit Xhaka: «Irgendwann müssen wir solche Spiele auch mal gewinnen.»

Wobei es für die Entwicklung dieses Teams vielleicht gar nicht so schlecht ist, im Moment gegen ein Belgien oder ein England zu verlieren. Es zeigt nämlich auf, dass es weiterhin Unterschiede gibt zwischen der Schweiz und grossen Fussballnationen.

Hoffen auf die Herausforderung

Nun sind die Schweizer also nach Island gereist. Und treffen damit auch auf die guten eigenen Erinnerungen. 6:0 haben sie im September gewonnen. Es war zum Ende der Woche der grossen Aufarbeitungen nach Doppeladler und Doppelbürger ein kleiner Befreiungsschlag. Es war ein Abend, der ziemlichen Seltenheitswert hat. Weil alles gelang, was die Schweizer versuchten. Und sie dabei auch noch auf einen Gegner trafen, der gewiss schon mit mehr Biss aufgefallen ist und weniger von Verletzungen geplagt war.

«Island hat sein Gleichgewicht wieder gefunden. Wir müssen uns einen Sieg wieder verdienen.»

Vladimir Petkovic

Das Resultat vom September darf also keineswegs zu grosse Erwartungen schüren für das heutige Spiel. Für die Schweizer gilt trotzdem: Gewinnen ist Pflicht. Nur dann haben sie eine Chance auf den Gruppensieg in der Nations League. Es würde im November schwierig genug, Belgien zu Hause zu schlagen. Aber es wäre ziemlich schade, sich diese schöne Herausforderung entgehen zu lassen.

View of the training session of Switzerland, two days before the UEFA Nations League soccer match between Iceland and Switzerland, at the Versalir in Reykjavik, Iceland, on Saturday, October 13, 2018. (KEYSTONE/Ennio Leanza).

Das Schweizer Training zieht ein paar junge isländische Schaulustige an. Bild: KEYSTONE

Wie denken die Schweizer ob dieser Ausgangslage? Am Tag davor treten Trainer Vladimir Petkovic, Ricardo Rodriguez und Xherdan Shaqiri vor die Mikrofone. Neun Minuten später als angekündigt kann die Medienkonferenz beginnen. Das ist eigentlich kaum der Rede wert, die Verspätungen an der WM betrugen wahlweise: 45 Minuten. Dann 52. Dann 13. Dann 35. Dann wieder 50 Minuten.

Vier Minuten plus eine Zusatzfrage

Bemerkenswert ist es aber schon, dass die Veranstaltung vier Minuten später schon zum Ende kommen soll. Petkovic hat bis dahin wiederholt, wie wichtig Prinzipien sind. Rodriguez erwartet ein Island, das eine Revanche anstrebt. Und Shaqiri? Der hat noch keine Silbe gesagt.

«Wir müssen bereit sein. Die Isänder sind heiss und wollen Revanche.»

Ricardo Rodriguez

Dann darf die Journalistin mit Müh und Not ihre Frage an Shaqiri doch noch stellen: Ob die Schweiz nicht einen Stürmer wie Romelu Lukaku bräuchte, lautet sie. Dieser traf letzten Freitag zwei Mal.

epa07093240 Switzerland's Xherdan Shaqiri attends a press conference in Reykjavik, Iceland, 14 October 2018. Switzerland will face Iceland in their UEFA Nations League soccer match on 15 October 2018.  EPA/ENNIO LEANZA

An der Pressekonferenz sind die Schweizer ziemlich kurz angebunden. Bild: EPA/KEYSTONE

Shaqiri sagt: «Ich kann alle beruhigen, wir müssen uns keine Gedanken machen, ob wir einen riesengrossen Stürmer brauchen. Ich bin überzeugt, wir haben genug Qualität, um regelmässig Tore zu schiessen. Wir haben überdies viele Junge, die nachziehen oder noch kommen werden. Und schliesslich hiess unser Gegner Belgien, führend in der Weltrangliste, da ist es eben nicht immer einfach, sich durchzukämpfen.»

Dann gehen sie. In die Kälte des Stadions mit dem schönen Namen Laugardalsvöllur. Die Erinnerungen an Gastspiele in Island sind gut. Drei Siege in drei Versuchen gab es bisher. Nun soll ein vierter dazukommen. Es wäre schon gut, wenn nicht plötzlich drei Niederlagen hintereinander in der Bilanz dieses Herbstes stehen würden.

Mvogo vor Debüt?

Das Selbstverständnis der Schweizer ist es, nach 1979, 1995 und 2012 aber auch die vierte Reise nach Island erfolgreich zu gestalten. Wen Vladimir Petkovic für die Startelf nominieren wird, konkretisierte sich 24 Stunden vor der Partie noch nicht. Einiges deutete darauf hin, dass im Tor Yvon Mvogo sein Debüt geben wird. Am Freitag in Brüssel hatte Christian Fassnacht seine Premiere im SFV-Trikot gefeiert.

Der 24-jährige Freiburger Mvogo war vor vier Jahren erstmals in die SFV-Auswahl einberufen worden. Nach dem Verzicht von Marwin Hitz auf die WM in Russland stieg er in der Hierarchie zur Nummer 3 hinter Yann Sommer und dem derzeit leicht verletzten Roman Bürki auf. Mvogo hatte 2017 von den Young Boys nach Leipzig gewechselt, beim Tabellenzweiten der Bundesliga ist er aber nur die Nummer 2. (sda)

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