Viking Row, Wonderwall und Elvis – was an der WM (auch) zählt
Die Frage, ob das Huhn oder das Ei zuerst war, beschäftigt nicht nur Philosophen. Eindeutiger ist der Fall im Fussball: Vor dem «Ro!» da war das «Huh!» Was die Isländer mit ihrem rhythmischen Klatschen an der EM 2016 waren, sind bei dieser WM die Norweger mit ihrem Rudern im Takt.
Die Fans haben es geschafft, mit den Spielern Momente zu kreieren, die sie verbinden. Wer die Bilder nach Norwegens Achtelfinal-Einzug sah, der konnte nicht anders, als sich mit den «Wikingern» zu freuen. Captain Martin Ödegaard haute auf die Trommel und gab den Takt vor, die Spieler und die Anhänger auf der Tribüne ruderten, was das Zeug hielt.
Auch die Amerikaner sorgten für Bilder, die Spielern und Fans lange in Erinnerung bleiben werden. Nach dem 2:0-Sieg über Bosnien-Herzegowina stimmte selbst der argentinische US-Trainer Mauricio Pochettino laut mit ein, als John Denvers Über-Hit «Country Roads» aus den Lautsprechern erklang. «Es war unmöglich, nicht mitzusingen», sagte er.
Mauricio Pochettino singing Country Roads was awesome….🇺🇸! pic.twitter.com/0ZWINVgubh
— Jenny (@proud_patrio_t) July 2, 2026
«Sweet Home Alabama» und «Can't Help Falling in Love With You», eine Liebeserklärung von Elvis Presley, wurden von den Fans ebenso begeistert mitgesungen. Noch 20 Minuten nach dem Abpfiff habe fast niemand das Stadion verlassen, erzählte ein Fan stolz. Wie weit kann die Euphorie dieses US-Team noch tragen?
Ein Team mit noch grösseren Ambitionen ist England, das ebenfalls in den Achtelfinals steht. Harry Kane schoss beide Tore beim 2:1 gegen die DR Kongo und danach gaben der Captain, seine Kollegen und die Fans den Oasis-Klassiker «Wonderwall» zum Besten.
Schon nach dem 4:2-Auftaktsieg gegen Kroatien hatte Kane gesagt: «Das war einer meiner Lieblingsmomente überhaupt im England-Trikot und besonders bei einem grossen Turnier», nachdem «Wonderwall» erstmals gemeinsam in den USA gesungen wurde. Das drei Jahrzehnte alte Lied ist Englands WM-Song geworden.
Harry Kane lief 118 Mal für England auf und schoss 84 Tore für sein Land. Und doch zählt für ihn das gemeinsame Singen mit den Fans zu den schönsten Momenten im England-Trikot. Das ist bezeichnend: In Erinnerung bleiben eben nicht nur Tore und Paraden, sondern vor allem jene Augenblicke, in denen zwischen Spielern und Fans eine echte Verbindung entsteht. Ro!
