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Barcelona's Jeremy Guillemenot from Switzerland, reacts during the UEFA Youth League semi-final match between FC Barcelona from Spain and FC Salzburg from Austria, at the stadium Colovray Sports Centre, in Nyon, Switzerland, Friday, April 21, 2017. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Zwei Jahre spielte Jérémy Guillemenot für Barcelona B. Mit Messi hat er nur im Training gespielt. Bild: KEYSTONE

Das verlorene Wunderkind – Guillemenot will in St.Gallen endlich durchstarten

Jérémy Guillemenot war ein Schweizer Versprechen für die Zukunft, spielte im Nachwuchs von Barcelona – nun nimmt der 21-Jährige beim FC St. Gallen einen zweiten Anlauf, seine Karriere doch noch richtig zu lancieren.

CHRISTIAN BRÄGGER / ch media



Wer im selben Flieger sitzt wie Neymar, Messi und Suarez, ist schon einmal nah dran an den Stars. Und doch weit weg. Wer mit Barcelona B auf dem Fussballplatz neben Barcelona A trainiert und auf Iniesta, Piqué und Rakitic schielt, denkt: «Dort, mit diesen Grössen, will ich dereinst Fussball spielen.»

Alain Sutter hat ein Faible für junge Akteure, deren Karrieren ins Stocken geraten, deren Biografien wechselhaft sind. Solche Spieler sind seine Projekte, sie haben für den St. Galler Sportchef einen besonderen Reiz. Als Sutter noch selbst aktiv war, haben nicht wenige Aficionados ihn ähnlich gesehen, als besonders und reizvoll – und vielleicht auch als schwierig.

Jérémy Guillemenot galt mit 17 Jahren als eines der grössten Schweizer Talente, wenn nicht als grösstes. Der FC Barcelona, der ihn im Sommer 2016 in seine sagenumwobene Jugendabteilung «La Masia» holte, war mit diesem Urteil nicht allein. Auch der Schweizer Fussballverband SFV listete den Mittelstürmer als Footuro-Spieler auf, der nach all den Länderspielen mit den Nachwuchsauswahlen dereinst in der A-Nationalmannschaft aufzulaufen hat. Und Fredy Bickel hätte ihn damals gerne nach Bern geholt, wo er Sportchef war. Es gelang ihm erst im Sommer 2018, da längst in Diensten von Rapid Wien.

Das Gymi geschmissen

Auch in Wien lief vieles schief, wie schon in den Jahren zuvor. Knapp über 100 Minuten spielte Guillemenot bis zu seinem Transfer in die Ostschweiz. Obwohl ihm viele Spielminuten fehlen, kann er gewiss noch ein guter Fussballer werden. Hierfür aber müssen die nächsten Monate und Jahre gelingen, hierfür muss er unbedingt beim FC St. Gallen Fuss fassen. Sonst komme das nicht gut, sagt Bickel.

St. Gallens Jeremy Guillemenot, links, kommt hier zum Schuss gegen den Thuner Sven Joss, rechts, aufgenommen am Samstag, 16. Februar 2019, beim Fussball Super-League Spiel zwischen dem FC St. Gallen gegen den FC Thun im kybun-park in St. Gallen. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Zweimal ist Guillemenot für St.Gallen bereits zum Einsatz gekommen. Bild: KEYSTONE

Guillemenot (sprich: «Schijemeno»), Sohn einer portugiesischen Lehrerin und eines französischen Bildtechnikers, wuchs wohl behütet in Genf auf. Einer Stadt, in der Sport nichts zähle, wie er sagt. Der Bub galt als etwas furchtsam und scheu. Auf dem Fussballplatz mit Servette aber, da war er ein anderer Mensch, frecher und aggressiver. Früh setzte Guillemenot alles auf die Karte Fussball, brach das Gymnasium nach einem Jahr ab. Später, in Barcelona, wo er in der Akademie von jetzt auf gleich das Leben eines Profis führte, war der Spagat zwischen seinem Sport und der Fachmittelschule ebenfalls zu gross; das fehlende Jahr will er noch nachholen.

Dabei hatte Guillemenot noch lange über das Angebot der Katalanen nachgedacht, das ihm so sehr schmeichelte. Die bodenständigen Eltern rieten von der Zusage ab, auch der Berater war nicht begeistert. «Aber wer kann so etwas Einmaliges von so einem einmaligen Klub ausschlagen?», fragt er. Rhetorisch. Und Servette zementierte den Ruf als Talentschmiede der Schweiz, da gab es ja schon Kevin Mbabu, Denis Zakaria, François Moubandje. Oder einst Philippe Senderos.

Klassische Musik zum Einschlafen

Bickel hat Guillemenot nie aus den Augen verloren. Auch als sich der Romand bei Barcelona B abmühte, beobachtete Bickel dessen Entwicklung aufmerksam. Vergangenen Sommer griff der Zürcher zu, als sich die Möglichkeit zu einem Transfer bot.

Bickel sagt: «Natürlich verdreht die Offerte eines Topklubs den Kopf eines jungen Spielers. Ich rate von solchen frühen Transfers ins Ausland ab, das kommt selten gut. Man ist dort Massenware, es herrscht ein Kommen und Gehen im Dutzend. Jérémy hätte besser den Schweizer Weg gewählt.» Tatsächlich stellt Johan Djourous Laufbahn, der als Jugendlicher zu Arsenal wechselte und es direkt schaffte, eine Ausnahme dar.

Aber auch bei Rapid fand Guillemenot den Tritt nicht. Genauso wenig wie sein neues Team. Als er die Hypothek des fehlenden Rhythmus endlich aufgeholt hatte, tauschte Bickel den Trainer. Doch Dietmar Kühbauer, der neue Mann an der Seitenlinie, vom Wesen her ein impulsiver Giftzahn, hielt wenig vom ruhigen Stürmer, der bald einmal als Fehleinkauf galt. Man passte und fand nicht mehr zueinander, St. Gallen und Sutter kamen da gerade recht.

Die Zeit mit Barcelona könne ihm niemand nehmen, sagt Guillemenot. Er sei auf dem Platz und in allen Dingen des Lebens so sehr gereift, wie er nirgends sonst hätte reifen können. «Und ja, Messi ist letztlich auch nur ein Mensch, er hat Füsse und Hände wie ich.» Noch sind Guillemenots Gedanken an frühere Tage oft präsent. Und wenn er zum Einschlafen klassische Musik hört, denkt er vielleicht auch ein wenig ans Jetzt, an St. Gallen, wo das einstige Wunderkind mit dem unschuldigen Blick das verloren gegangene Ich wiederfinden will.

Was ist eigentlich mit Lorenzo Gonzalez los?

Die Enttäuschung nach dem WM-Aus im Achtelfinal gegen Schweden sass bei Journalist Mathieu Aeschmann tief. Wieder hatte es die Schweiz nicht geschafft, wieder war sie offensiv harmlos. Auf Twitter stellte er fest, dass die Schweiz seit 1994 fünf Mal im Achtelfinal eines Grossanlasses war, 540 Minuten spielte, aber bloss ein Tor erzielte. Inbegriff der offensiven Harmlosigkeit.

Lorenzo Gonzalez’ Kommentar: «Machen Sie sich keine Sorgen!» An Selbstvertrauen mangelt es dem 18-Jährigen nicht. Das war auch im vergangenen Jahr nicht anders. Er hoffte, zu seinem Debüt unter Pep Guardiola zu kommen, wenn sich Manchester City vorzeitig den Titel sichert. Fünf Runden vor Schluss war es so weit. Doch Gonzalez wartet noch immer.

Zuletzt spielte er nicht mal mehr in der U23. Via Whatsapp teilt er mit, dass er seit Ende November pausiert habe. Eine präventive Massnahme. Seit kurzem sei er wieder im Training, nächste Woche sollte er erstmals wieder zum Einsatz kommen. Sein Vertrag läuft noch bis 2020. Noch hat er die Hoffnung auf den Durchbruch auf höchstem Niveau nicht aufgegeben. (sel)

Zum besten Talent der Welt gekürt – sie waren die «Golden Boys»:

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