Nach der Viertelfinalqualifikation: Ist Murat Yakin der beste Nati-Trainer der Geschichte?
Vor fast fünf Jahren wurde Murat Yakin als neuer Trainer der Schweizer Nationalmannschaft vorgestellt. Es gab einige Fussballfans, die mit diesem Entscheid überhaupt nicht zufrieden waren. Rückblickend kann man sagen, es war die genau richtige Entscheidung.
Die Nati-Karriere startete gleich mit einer schwierigen Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022. Mit dem frischgebackenen Europameister Italien war auch ein richtiger Brocken in der Quali-Gruppe vertreten. Nach zwei Unentschieden gegen den südlichen Nachbarn und einem deutlichen Sieg im letzten Qualispiel gegen Bulgarien konnte sich die Nati tatsächlich direkt für die WM in Katar qualifizieren. Wenige Monate nach seinem Start als Nati-Trainer konnte Yakin den ersten grossen Erfolg feiern. Die WM endete dann aber mit einer 1:6-Klatsche gegen Portugal im Achtelfinal. Zum ersten Mal wird Yakin kritisiert, da er nur einen rechten Aussenverteidiger nominierte.
Ein Jahr später stand Yakin dann plötzlich fast vor der Entlassung. Zwar konnte sich die Schweiz für die Europameisterschaft qualifizieren, hatte in einer überschaubaren Gruppe allerdings grosse Mühe und klassierte sich hinter Rumänien nur auf dem zweiten Platz. Eine Entlassung wurde von vielen Seiten gefordert, doch der Verband hielt an Yakin fest.
Der Basler dankte mit einer herausragenden Europameisterschaft. Im Achtelfinal wurde Titelverteidiger Italien teilweise an die Wand gespielt. Schon ikonisch, wie Yakin nach dem Spiel sagte: «Ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht mit einer Viererkette. Als ich das sah, wusste ich: Die machen wir kaputt.» Im Viertelfinal gegen England fehlte nur ganz, ganz wenig und die Schweizer Nati wäre erstmals in einen Halbfinal eingezogen. Am Schluss verlor die Nati im Elfmeterschiessen. Die Enttäuschung war riesig – aber die Nation stand wieder hinter Yakin und der Fussball-Nati.
Doch die Laune fiel schnell wieder. Nach dem Nations-League-Abstieg wurde wieder sehr viel angezweifelt und im Herbst 2025 stieg vor der WM-Qualifikation mal wieder die Nervosität. Mit Schweden, Slowenien und dem Kosovo wartete eine knifflige Gruppe auf die Nati und nur der Erstplatzierte qualifizierte sich direkt für die WM. Doch wie meistens, wenn der Druck um Yakin und sein Team am höchsten ist, liefert das Schweizer Team. Schon fast problemlos qualifizierte sich die Nati für die bisher grösste Weltmeisterschaft der Fussballgeschichte.
Die WM in Nordamerika startete zwar alles andere als hervorragend und die Schweizer blamierten sich zum Auftakt gegen Katar. Schnell fand das Team aber wieder in die Spur und hat erstmals in der Geschichte an einem Grossanlass zwei K.o.-Spiele in Serie gewonnen. Auch mal wieder dank der taktischen Meisterleistungen von Yakin, welcher auf der Position des Aussenverteidigers endlich einen Platz für Denis Zakaria gefunden hat. Dass die Schweiz zu den besten acht Mannschaften der Welt gehört, ist auch ein Verdienst von Murat Yakin, der selbst bereits nach vorne blickt. Auf den angesprochenen Viertelfinal gegen Argentinien sagt der 51-Jährige: «Ich habe mir die Spiele der Argentinier von Anfang an angeschaut und auch geguckt, wie sie spielen. Also, wir sind vorbereitet und es wird ein gigantisches Spiel für uns.»
Die Art von Yakin, immer für jeden Fall einen Plan zu haben, wie auch beim kurzfristigen Ausfall von Youngster Johan Manzambi, bringt ihm landesweit riesige Sympathien ein. Doch ist Yakin nun auch der erfolgreichste Schweizer Trainer der Geschichte?
Blickt man auf den Punkteschnitt, dann nicht. Gleich fünf Trainer holen im Schnitt mehr Punkte pro Spiel als Yakin. Angeführt wird die Rangliste von seinem Vorgänger Vladimir Petkovic, der mit 1,79 Punkten im Schnitt ganz knapp vor Roy Hodgson (1,78 Punkte im Schnitt) und Ottmar Hitzfeld (1,77 Punkte im Schnitt) liegt. Yakin kann mit einem Durchschnittswert von 1,69 nicht ganz mithalten. Dies kann aber damit begründet werden, dass durch die Nations League mehr Spiele gegen stärkere Mannschaften stattfinden.
Doch der Punkteschnitt bringt einem wenig, wenn in den wichtigen und grossen Momenten nicht performt wird und genau dies macht die Schweizer Nati unter Yakin. Karl Rappan ist der einzige Trainer neben Yakin, welcher die Schweiz zweimal bei einem Grossanlass in den Viertelfinal führen konnte. Dies war aber zu einer Zeit, in welcher man zum Teil mit nur einem Sieg in die Runde der besten acht vorstossen konnte.
Mit dem Sieg gegen Kolumbien hat Yakin sehr viele Argumente auf seiner Seite, dass er der wohl erfolgreichste Schweizer Trainer ist. Mit einem Halbfinaleinzug würde wohl definitiv kein Weg mehr an Yakin vorbeiführen.
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