Problemfall Okafor: Erst bringt er Yakin zur Weissglut, dann fehlt er beim Feiern
Endlich! Das wird sich Noah Okafor gedacht haben, als ihn Murat Yakin Mitte der zweiten Halbzeit gegen Algerien zu sich bittet. Endlich kommt er an der WM zu seinen ersten Einsatzminuten. Dass er die Gruppenspiele von der Bank aus verfolgen musste, kommentierte der 26-Jährige mit den Worten: «Ich habe es mir im Voraus natürlich anders vorgestellt und darüber bin ich verärgert, genervt – auch ein bisschen angepisst.»
Direkt nach der zweiten Trinkpause im Sechzehntelfinal wird Okafor für die letzten knapp 30 Minuten der Partie eingewechselt. Mit dem Auftrag, für Entlastung gegen die verzweifelt anrennenden Algerier zu sorgen. Die Qualität dafür würde der pfeilschnelle Okafor eigentlich mitbringen, doch er bleibt blass.
Mehr noch: Als er in der Nachspielzeit fahrlässig den Ball herschenkt, lupft es seinem Trainer an der Seitenlinie den Hut. Mit voller Wucht schleudert Yakin eine Wasserflasche zu Boden, gefolgt von nicht gerade freundlichen Blicken in Richtung Okafor. Yakin fühlt sich in dem Moment wohl ans Auftaktspiel gegen Katar erinnert, als das liederliche Defensivverhalten in der Schlussphase mit dem Ausgleichstreffer knallhart bestraft wurde.
Soweit kommt es gegen Algerien nicht. Und als Yakin an der Pressekonferenz auf die Szene angesprochen wird, verzichtet er auf Einzelkritik: «Die Flasche kann nichts dafür. Ich war nicht zufrieden, wie einfach wir in den letzten Minuten der Partie den Ball hergegeben haben und den Gegner zu gefährlichen Vorstössen eingeladen haben. Das war unnötig. Aber solange wir gewinnen, werfe ich gerne nochmals eine Flasche.»
Direkt nach dem Abpfiff aber kommt es auf dem zum Vier-Augen-Gespräch zwischen Yakin und Okafor. Wahrscheinlich, dass es da um die besagte Szene ging.
Was der unbefriedigende Kurzeinsatz bei Okafor ausgelöst hat, bleibt Mutmassung. Mit zufriedener Miene wie die Teamkollegen aber hat er das Stadion nicht verlassen: Während sich alle gegen Algerien eingesetzten Akteure nach dem Spiel den Fragen der Schweizer Journalisten stellen, reagiert Okafor auf entsprechende Nachfragen nicht und läuft wortlos durch die Mixed-Zone Richtung Bus.
Und noch eine Beobachtung wirft Fragen auf: Als die Mannschaft sich nach Spielschluss minutenlang von den Nati-Fans feiern lässt, fehlt einer: Noah Okafor, der stattdessen in die Kabine verschwindet.
Wird Noah Okafor wie 2024 zum Problemfall für die Nati?
Zur Erinnerung: 2024 an der EM in Deutschland stellte Okafor den Frust über seine Reservistenrolle offen zur Schau, sogar ein Rauswurf während des Turniers stand zur Debatte. Zwei Jahre später verläuft auch die WM erneut nicht nach seinen persönlichen Vorstellungen. Tut sich da mitten in der Schweizer Euphorie ein Brandherd auf?
Am Dienstag bietet sich der Nati die historische Chance, erstmals in der Fussball-Neuzeit in einen WM-Viertelfinal vorzustossen. Störfaktoren sind da nicht zu gebrauchen. Wichtig ist nun, dass Murat Yakin, seine Führungsspieler und der Verband den Fall «Noah Okafor» geschickt moderieren. Wer Yakin kennt, kommt zum Schluss: Die Chancen auf weitere Einsätze könnte sich Okafor mit seinem Auftritt im Sechzehntelfinal verbaut haben. (schweizheute.ch)
