DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Fans des FC Zuerich werden von Polizisten eingekesselt und durchsucht, vor dem Fussballspiel der Super League zwischen dem FC Aarau und dem FC Zuerich, am Samstag, 25. April 2015, in Aarau. In der Stadt Aarau steht eine Konfrontation zwischen den ausgesperrten Fans des FC Zuerich und der Polizei bevor. Die ersten Mitglieder der Zuercher Suedkurve sind bereits vor dem Bruegglifeld in Aarau. Auch die Polizei ist praesent. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Die Polizei war am Samstag mit einem Grossaufgebot vor Ort. Bild: KEYSTONE

Polizeieinsatz gegen FCZ-Fans kostet rund 250'000 Franken – das schmerzt vor allem den FC Aarau 

Nach der ersten positiven Bilanz zur aussergewöhnlichen Aktion der Aargauer Kantonspolizei gegen Fussballfans kehrt Ernüchterung ein. Die Kosten gehen gegen eine Viertelmillion.

Bastian heiniger / aargauer zeitung



Ein Artikel der

Eigentlich könnten nach dem Spiel zwischen dem FC Aarau und dem FC Zürich alle Beteiligten eine positive Bilanz ziehen. Die anfangs heissgekochten Befürchtungen verdampften spätestens nach der Partie. Beide Teams holten einen Punkt, die Polizei hatte die gut 300 angereisten Gästefans im Griff und Ausschreitungen blieben aus. Und: Die Staatsanwaltschaft wird keine Strafverfahren eröffnen. «Der Grosseinsatz war nötig», sagt der Aargauer Sicherheitsdirektor Urs Hofmann und fügt an: «Im Nachhinein hätte man es immer anders machen können.» Aber nur weil man wisse, dass nichts Gravierendes passiert sei. 

Doch so einfach geht die Rechnung nicht auf. Denn: Für ein Fussballspiel habe es in Aarau noch nie ein derartiges Polizeiaufgebot gegeben, sagt Polizeisprecher Roland Pfister. Im Einsatz standen insgesamt 370 Polizisten – davon 235 von der Kantonspolizei Aargau und 135 von auswärtigen Korps. Derzeit laufen bei der Kantonspolizei Aargau und beim Departement des Inneren (DVI) gemeinsame Auswertungen. Nur: Wie teuer der Grosseinsatz war, wollen beide Abteilungen nicht mitteilen. 

Hans Peter Fricker, Generalsekretär des DVI, sagt auf Anfrage, dass nur die auswärtigen Polizeikräfte zusätzliche Kosten verursacht hätten. Für die Aargauer Kantonspolizei werde das ausserordentliche Aufgebot als normale Arbeitszeit abgerechnet. Wie teuer waren also die zusätzlichen Korps der Stadtpolizei Aarau, der Regionalpolizei Suret sowie der Kantone Bern, Solothurn und der beiden Basel? Die Rechnung: Der Einsatz eines Polizisten kostet gemäss Recherchen 120 Franken pro Stunde. Bei acht Stunden wären das also allein für die 135 auswärtigen Polizisten gut 130'000 Franken. Doch das ist nicht alles. Hinzu kommen noch der Wasserwerfer aus Bern und der Helikopter aus Zürich. Berechnet man jedoch die Vollkosten, ist man schnell einmal bei einer Viertelmillion Franken. 

66'000 Franken verloren

Als doppelter Verlierer steht letztlich der bereits finanziell angeschlagene FC Aarau da. Roger Geissberger, der Vizepräsident, sagt: «Aufgrund der fehlenden Ticketverkäufe von etwa 3000 Zuschauern seien dem Verein gut 66'000 Franken Einnahmen entgangen.» Zudem muss der FC Aarau als Veranstalter einen Teil der Polizeikosten übernehmen – Kosten, die aus Sicht der Behörden durch Fans des FC Zürich entstanden sind.

Die leere Tribuene der Gaestefans, aufgenomen vor dem Fussballspiel der Super League zwischen dem FC Aarau und dem FC Zuerich, am Samstag, 25. April 2015, in Aarau. Die Aargauer Polizei hat am Samstagnachmittag rund 200 Anhaenger des FC Zuerich vor dem Stadion Bruegglifeld in Aarau eingekesselt. Ein Teil dieser Fans hat inzwischen eingesehen, dass sie nicht zum Spiel des FC Aarau gegen den FC Zuerich ins Stadion gelassen werden. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Die Auswärtskurve blieb am Samstag leer. Bild: KEYSTONE

Bei einem jährlichen Betrag bis zu einer Million Franken muss der FC Aarau gemäss Rahmenbewilligung der Kantonspolizei einen Viertel der Kosten tragen. Bei einem Betrag über einer Million muss der Verein sogar die Hälfte zahlen. Zum jüngsten Fall sagt Sicherheitsdirektor Urs Hofmann: Bei den Kosten müsse noch entschieden werden, ob man nach dem normalen Schlüssel rechne oder ob der Kanton aufgrund der besonderen Umstände mehr übernehme. Klar ist: Für den FC Aarau wird die Rechnung so oder so teuer. Laut Geissberger will der FC Aarau nun abklären, ob man gegen den FC Zürich Regress nehme. Einfach sei dies jedoch nicht, wie die ersten Abklärungen gezeigt hätten. 

Denn: Die Behörden hatten entschlossen, den Gästesektor zu schliessen, und nicht der FC Zürich. Könnte der FC Aarau auf die FCZ-Fans zurückkommen? Immerhin liegen der Kantonspolizei die Personendaten aufgrund der Kontrollen vor. Geissberger: Die Polizei dürfe die Namen aus Gründen des Datenschutzes nicht weitergeben. «Wir können höchstens Strafanzeige gegen unbekannt einreichen.» Hofmanns Departement geht jedoch nicht davon aus, dass man die Fans belangen könnte. Diese hätten sich ja ruhig verhalten, so Generalsekretär Fricker.

Der Regierungsrat ist gefordert

Dies sieht der FDP-Grossrat Adrian Meier anders: «Der FC Zürich müsste die Sicherheitskosten übernehmen.» Erst wenn man den Verein und die gewalttätigen Fans haftbar machen könne, würde ein solches Chaos aufhören. Mit dem derzeitigen Verteilschlüssel der Kosten werden laut Meier die Falschen bestraft. Mit dem Hooligan-Konkordat liesse sich etwas umsetzen, sagt Meier. Er erwartet nun vom Regierungsrat, dass dieser sich etwas ausdenkt und sich mit den anderen Kantonen abspricht.

Auch der SVP-Grossrat Clemens Hochreuter ist der Meinung, dass die FCZ-Fans belangt werden müssten. «Sie wussten ja im Voraus, dass sie nicht hätten kommen dürfen.» Peter Koller, SP-Grossrat und Mitglied der Sicherheitskommission, findet es schade, dass überhaupt eine solche Massnahme ergriffen werden musste. «Ob es die optimale war, bin ich mir indes nicht sicher.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Christian Gross motiviert Hakaaaan bis in die Zehenspitzen und wir dürfen zuschauen

9. Mai 2002: Das Schweizer Fernsehen strahlt einen Dok-Film über den FC Basel aus, der auf dem Weg zum ersten Meistertitel der Neuzeit ist. In Erinnerung bleibt besonders eine Pausenansprache von Trainer Christian Gross.

Acht Meistertitel in Folge zwischen 2010 und 2017 – bis YB zu seinem Höhenflug ansetzte, war der FC Basel das Mass aller Dinge im Schweizer Klubfussball. Dabei liegen die Zeiten, als Rot-Blau selber zu den Habenichtsen gehörte, noch gar nicht weit zurück.

Erst 2002 holt der FCB den ersten Titel der Neuzeit und aus dieser Zeit stammt auch ein köstliches Video. Es zeigt die Halbzeit-Ansprache von Trainer Christian Gross im Rückspiel des UI-Cup-Finals bei Aston Villa im August 2001, die bei seinem …

Artikel lesen
Link zum Artikel