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FCB-Präsident Degen im Interview: Können uns St.Jakob-Park nicht leisten

Le president du FC Basel David Degen reagit lors de la rencontre du championnat de football de Super League entre le FC Lausanne-Sport et le FC Basel 1893 le dimanche 29 octobre 2023 au stade de la Tu ...
«Es ist ein Überlebenskampf»: David Degen sieht beim FC Basel nicht alles rosig.Bild: keystone
Interview

FCB-Präsident David Degen schlägt Alarm: «Wir können uns den St.Jakob-Park nicht leisten»

Die finanziellen Probleme des FCB scheinen fast unlösbar. Jetzt bringt Präsident David Degen das teure Stadion aufs Tapet. Und er wird persönlich wie nie, er fühlt sich missverstanden: «Ich habe viel Geld dafür bezahlt, dass ich mich hier zum Deppen mache.»
21.12.2023, 14:01
Céline Feller, Christoph Kieslich und Patrik Müller / ch media
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Es sind bald drei Jahre, seit Sie den FCB übernommen haben. Gibt es Tage, an denen Sie das bereut haben?
David Degen:
Die Übernahme bereue ich überhaupt nicht, aber es hat immer wieder Momente gegeben, wo ich mich gefragt habe: Warum tue ich mir das an? Ich wurde in eine Situation versetzt, mich dauernd rechtfertigen zu müssen. Irgendwann wird man müde.​

Rechtfertigen wofür?
Ich habe mit Kritik keine Mühe, wenn aber in den Medien nur Gerüchte gestreut werden und Leute Unwahrheiten erzählen, dann hat mich das lange Zeit belastet. Bis ich mir gesagt habe: Ich lese das nicht mehr, ich brauche mir nicht von sogenannten Experten Dinge vorhalten zu lassen, von denen sie keine Ahnung haben und die nicht wissen, wer ich bin und wofür ich stehe. Es ist leider so: 99 Prozent der Leute wissen nicht, wie ich ticke.​

Wirklich? Man kennt Sie seit langem, Sie waren Spieler und mussten da auch schon Kritik ertragen – etwa die Noten nach den Matches.
Da konnte man beurteilen, wie ich auf dem Platz war. Aber nicht, wie ich als Mensch bin, welche Werte ich verkörpere. In meiner Funktion als FCB-Präsident aber ist genau das entscheidend. Darum sage ich: Es gibt viele, die über mich urteilen, ohne mich zu kennen, die mir in dieser Funktion nie eine Chance gegeben haben.

BASEL, SWITZERLAND - APRIL 03: David Degen of Basel reacts after being challenged in the penalty box by Philippe Senderos of Valencia during the UEFA Europa League Quarter Final first leg match betwee ...
Kritik als Spieler war Degen lieber.Bild: Bongarts

Wieso haben Sie die Aufgabe dann überhaupt angenommen?
Weil ich den Aktionärsvertrag hatte mit dem damaligen FCB-Präsidenten Bernhard Burgener. Ich habe sehr, sehr viel Geld von meinem Vermögen investiert. Wieso ich dermassen All-in ging? Das weiss ich bis heute nicht.​

Sie tun es aus Leidenschaft.
Ja. Aber das müssen die Leute auch mal hören: Ich habe keinen Return. Wenn es nicht gut läuft, bin ich der Allererste, der einen hohen Preis dafür bezahlt. Ich habe mich – wie auch die anderen Eigentümer – auf eigenes Risiko engagiert, das Ego und die Selbstdarstellung, die mir unterstellt werden, sind das Letzte, worum es hier geht. Es geht mir einzig und allein um den Klub. Und dann von Aussenstehenden belehrt zu werden, welche die Hintergründe nicht kennen, das brauche ich nicht.

«Wenn ich das Problem bin, übergebe ich den Schlüssel und bin weg. Ich brauche das hier nicht für mich.»

Und Sie schaffen es jetzt, alles auszublenden?
Wenn am Morgen das Mail mit dem Medienspiegel kommt, klicke ich direkt auf Löschen. Ciao! Aber ich bekomme natürlich trotzdem vieles mit, weil es mir alle zuschicken.​

Fühlen Sie sich von der Öffentlichkeit falsch verstanden?
Von vielen Leuten, ja. Aber noch einmal: Es geht nicht um mich. Wenn ich das Problem bin, übergebe ich den Schlüssel und bin weg. Ich brauche das hier nicht für mich, und ich werde niemandem im Weg stehen. Aber wer nicht weiss, wofür ich stehe, kann und will das nicht sehen.

David Degen, Verwaltungsratspraesident der FC Basel Holding AG beim Super League Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Basel und dem FC Luzern vom Sonntag, 23. April 2023 in Basel. (KEYSTONE/Urs Flueele ...
«Ich gebe meine volle Energie für den Erfolg»: David Degen ist seit 2020 Präsident des FC Basel.Bild: keystone

Wofür stehen Sie denn?
Ich bin einer, der seine volle Energie dafür gibt, Erfolg zu haben. Das beginnt ab dem Moment, wo ich am Morgen aufstehe. Mir sind Offenheit und Transparenz wichtig, und ja: Ich lebe meine Emotionen, trage manchmal mein Herz auf der Zunge. In der Schweizer Mentalität wird diese Mischung schnell mal als arrogant empfunden.​

Wie meinen Sie das?
Ich will das Beste, ich will Erfolg haben: Das wird bei uns oft als «unschweizerisch» wahrgenommen.​

Vielleicht kommt es auch auf die Pace an. Wollten Sie zu schnell zu viel?
Als ich ankündigte, dass ich 90 Prozent der Mannschaft zusammenhalten möchte? Oder als ich sagte, ich wolle Schweizer Meister werden vor eineinhalb Jahren?​

Sie sagten unlängst selbst, dass man demütiger hätte sein sollen. Von Beginn weg schon. Und es spielt sicher auch mit rein, wie Sie durchs Leben gehen, dass Sie immer gewinnen wollen, der Beste sein wollen.
Dass wir demütiger hätten sein sollen, das stimmt. Aber die Erfolgsorientierung, die macht mich aus, und genau das wird mir jetzt um den Kopf gehauen. Jeden Tag.

«Ich will nicht gefeiert werden, aber auch nicht an allem schuld sein. Manchmal fehlt mir einfach der Respekt.»

Weil Ansage und Realität auseinanderklaffen. Sportlich läuft es beim FCB gar nicht, und finanziell kriegt es der Klub auch nicht auf die Reihe.
Ihre zweite Aussage lasse ich so nicht gelten. Wenn Sie wüssten, was wir hier nach der Übernahme finanziell vorgefunden haben, dann würden Sie sagen: Die haben in zweieinhalb Jahren so viel aufgeräumt, wie andere in fünf Jahren. Wir hatten unter den Spielern acht Gehaltsmillionäre, als ich übernommen habe. Das wird es unter meiner Regie nicht annähernd mehr geben. Weil das einfach nicht gesund ist.

Deception du milieu balois Taulant Xhaka, gauche, et du milieu balois Fabian Frei, droite, lors de la rencontre du championnat de football de Super League entre le FC Lausanne-Sport et le FC Basel 189 ...
In der Super League steht der FC Basel auf Platz 11.Bild: keystone

Hätten Sie nicht wissen müssen, als Sie den FCB übernahmen, dass die Erwartungshaltung beim grössten Klub der Schweiz enorm ist – finanziell und emotional?
In Deutschland oder England würde jemand, der so viel investiert und gemacht hat für einen Verein, gefeiert. Auch in Italien oder Spanien. Ich will nicht gefeiert werden, aber auch nicht an allem schuld sein. Ich werde verrissen für Personalentscheide. Und manchmal fehlt mir einfach der Respekt.

Als Chef und Hauptaktionär sind Sie letztlich für alles verantwortlich.
Schauen wir das grosse Ganze an. Verglichen mit der Situation vor zweieinhalb Jahren hat sich die finanzielle Lage in die richtige Richtung bewegt. Heute könnte ich den Klub jemandem übergeben und der würde sich bei mir bedanken für die Sanierungsarbeit. Aber der Weg ist noch weit.

Das strukturelle Defizit fiel von 35 Millionen auf 15 Millionen und nun auf 8 Millionen Franken, aber reicht das?
Wir konnten es senken, weil wir uns mit Leihgeschäften über Wasser gehalten haben. Wir haben schlicht keine Reserven. Im Gegenteil: Wir haben sogar noch Bundesdarlehen in den Büchern aus den Coronazeiten, die wir abzahlen müssen. Ich weiss nicht, ob ich dieses Geld genommen hätte. Für mich ist 2025 das entscheidende Jahr. Dann müssen wir gewisse Ziele erreicht haben.​

Also weitere Spielerverkäufe?
Ich weiss, welche Spieler ich im Sommer verkaufen kann. Das gibt eine gewisse Berechenbarkeit. Aber es ist wie im Hamsterrad. Du läufst und läufst und läufst – doch irgendwann musst du dich befreien. Wir müssen irgendwann in gesunde Bahnen kommen. Bei einem strukturellen Defizit von 5 Millionen Franken sieht es einigermassen gut aus, damit können wir beim FCB leben. Weil wir gewisse Komponenten haben, die immer reinkommen: Solidaritätsbeiträge, Ausbildungsentschädigungen und Beteiligungen an Weitertransfers.

Basels Zeki Amdouni jubelt nach seinem Tor zum 1:0 im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem Grasshopper Club Zuerich im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am S ...
Über 18 Millionen Euro brachte Zeki Amdouni dem FC Basel angeblich ein.Bild: keystone

Zu den erfolgreichen Champions-League-Zeiten hatte der Klub ein Budget von 80 Millionen Franken. Und jetzt ist es noch die Hälfte?
Um die 45 Millionen. Planen ist schwierig, bis auf den kleinen TV-Rechte-Beitrag von 1,4 Millionen ist kaum etwas genau kalkulierbar.​

Wie sieht das konkrete Ergebnis für 2023 aus?
Wir werden eine schwarze Null erreichen. Dieses Mal kann ich das wirklich sagen. Und das auch noch mit dem Hintergrund, dass wir im Februar im Verwaltungsrat zusammengesessen sind und nicht wussten, wie wir es schaffen sollen. Da stellst du dann vieles infrage und hast einige schlaflose Nächte …​

«Ich würde aus dem Stadion ausziehen. Sofort. Der St.Jakob-Park ist für uns nicht finanzierbar.»

Sah es so aussichtslos aus?
Wir haben so viele Altlasten, die nur mühsam abzubauen sind. Ich habe mir oft überlegt: Wie würden wir den FCB auf der grünen Wiese bauen? Klar ist: Ich würde aus dem Stadion ausziehen. Sofort. Der St.Jakob-Park in allen Ehren, das Joggeli ist das schönste und tollste Stadion der Schweiz. Aber: Es ist für uns nicht finanzierbar. Ein Stadion mit 25'000 Plätzen wäre eine perfekte Grösse für den FCB.

Das ist keine realistische Option.
Aber es wäre das Beste, ein Stadion, das dem Klub gehört. Die einzige andere Option: Es gehört der öffentlichen Hand, und wir zahlen einen moderaten Betrag von maximal einer Million pro Jahr.

St. Jakob-Park FC Basel von oben Vogelperspektive aussen
Für Degen das schönste Stadion der Schweiz – und trotzdem würde er mit dem FCB aus dem St.Jakob-Park ausziehen.Bild: Shutterstock

Wo steht die Diskussion mit den Kantonen über das grosse Sanierungspaket für das Stadion?
Das müssen Sie die Politik fragen. Die kantonalen Mühlen mahlen etwas sehr langsam, was dem schnellen Fussballalltag komplett widerspricht. Es braucht schnellere Entscheidungen zugunsten einer guten Lösung. Basel-Stadt und Baselland sind sich in zu vielen Themen uneinig. Es wäre wünschenswert für die Zukunft des FCB, dass sie sich bald einig werden. Fakt ist, es wird in Zukunft keine Gigi Oeris mehr geben, die einfach Geld reinschütten und jeder kann profitieren. Der Klub muss im weiteren Sinn selbsttragend werden, und das geht nicht mit den aktuellen Stadionverhältnissen.​

Es gibt keine Gigi Oeris mehr – aber ausländische Investoren.
Ja, die würden dann den FCB in ein internationales Konstrukt einbringen. Der würde dort hervorragend passen. Denn der FCB ist eine Perle. Was die Fans angeht, die Möglichkeiten, die Spieler, der Akademie. Diese Ausländer würden dafür auch genug zahlen. Es gibt Interessenten, aber das ist, Stand heute, keine Option für uns.

Ist das Stadion wirklich das zentrale Problem?
Wir können uns dieses Stadion bei weitem nicht leisten. Es frisst uns alle Ticketeinnahmen weg – inklusive Hospitality. Ich finde das Stadion mega, aber mit dem ganzen Konstrukt rund um die Genossenschaft ist das nicht finanzierbar. Wir bekommen beispielsweise Stromrechnungen, aus denen nicht ersichtlich ist, was vom Einkaufszentrum, was vom Tertianum und was von uns generiert wurde. Das hat alles 365 Tage im Jahr offen, wir haben alle 2 Wochen ein Heimspiel, aber haben horrende Rechnungen!

«Der FCB bräuchte die Einnahmen aus dem Verkauf des Stadionnamens.»

Hat sich das nicht entspannt mit der Übernahme des Innenraums? Der FCB wollte mit dieser Massnahme, die er im Frühling kommuniziert hat, doch die Kosten deutlich senken.
Wirklich entspannt hat es sich nicht. Es macht vielleicht eine Million aus. Es war ein erster Schritt, mehr nicht. Die Lösung ist noch weit weg, weil die Politik sich in gewissen Bereichen nicht schnell genug bewegt. Und 2025 kommt die Frauen-EM. Auch da gibt es noch Gesprächsbedarf zwischen der UEFA, der Stadt und dem Klub. Es muss für uns aufgehen. Wenn es das nicht tut, sorge ich höchstpersönlich dafür, dass die Türe zum Stadion zu bleibt. Nur so viel: Der Kanton stellt 12,9 Millionen zur Verfügung, aber davon ist nichts für notwendige Investitionen in die Infrastruktur im und ums Stadion vorgesehen. Es kann nicht sein, dass der FCB als Klub für eine Europameisterschaft draufzahlt.

Eine Einnahmequelle wäre der Verkauf des Stadionnamens, wie beim ZSC mit der Swiss Life Arena.
Das ist eine berechtigte Diskussion. Und ich gebe Ihnen eine ehrliche Antwort: Der FCB bräuchte diese Einnahmen. Er kann es sich eigentlich nicht erlauben, auf derartige Einnahmen zu verzichten. Aber ob das mit den Fans zu machen ist? Sie sind das höchste Gut des FCB.​

Was ist der Stadionname ungefähr wert?
1 bis 2,5 Millionen Franken sind realistisch.

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«Die Fans sind das höchste Gut des FCB», sagt der Präsident.Bild: keystone

Ein Teil dieses Betrags würde mit der aktuellen Konstellation an die Genossenschaft fliessen, richtig?
Ja. Obwohl ein Sponsor ja nicht die Genossenschaft, sondern den FC Basel bezahlen möchte. Hier sehen Sie das Problem: Es käme Geld in ein Konstrukt, das so nicht funktioniert.​

Kann der FCB mit diesen Sachzwängen rund ums Stadion überhaupt finanziell ins Gleichgewicht kommen?
Fussball ist heute die schönste Nebensache der Welt. In Frankreich, Spanien, England, Italien oder Deutschland schaffen es Klubs, nicht nur selbsttragend zu sein, sondern grosse Gewinne zu machen. Das wäre, auf kleinerem Niveau, auch in der Schweiz möglich. Ich appelliere an die Genossenschaft und die Politik, eine nachhaltige Lösung für die nächsten 20, 30 oder 50 Jahre zu finden. Gelingt das nicht, wird sich der FCB nicht aus dem Hamsterrad befreien können. Denn ich sage Ihnen: Der FCB hat die letzten Jahre im Schnitt 16 Millionen Plus gemacht mit Spielertransfers. Die finanzielle Schieflage liegt unter anderem auch am aus unserer Sicht längst überholten Stadion-Konstrukt.

«Angesichts unserer Verkäufe ist die schwarze Null ungenügend, ja eigentlich eine Katastrophe.»

Eine schwarze Null, wie Sie es nun ankündigen, ist auf den ersten Blick gar nicht so schlecht. Aber wenn man bedenkt, dass der FCB in diesem Jahr 55 Millionen Franken einnahm aus Spielerverkäufen, ist das nicht gerade toll.
Ich sage es klipp und klar: Angesichts unserer Verkäufe ist die schwarze Null ungenügend, ja eigentlich eine Katastrophe. Aber das ist aktuell noch die Realität.

Hat der Europacup nicht einiges an Geld abgeworfen?
In der Conference League gibt das nicht viel. Vielleicht zwei Millionen, doch davon geht der Mammut-Teil als Prämien an die Spieler. Dann kommen noch die Sicherheitskosten dazu. Gegen Nizza betrug die Polizeirechnung 90'000 Franken, gegen Florenz das Doppelte, rund 180'000 Franken. Wieso so hoch? Keine Ahnung. Wir können ja nicht entscheiden, wie viele Polizisten im Einsatz sind.​

Dann macht ja alles wenig Sinn: Man kommt europäisch in den Halbfinal, verkauft Spieler für 55 Millionen – und am Ende resultiert dennoch nur eine schwarze Null. Wird man da nicht verrückt im Hamsterrad?
An gewissen Tagen schon ... Darum weise ich auf das Stadionproblem hin. Wir müssen den FCB endlich aus den Sachzwängen befreien, um wieder handlungsfähig zu werden.

Basel's Dan Ndoye, left, against Fiorentina's Jonatha Ikone, right, during the UEFA Conference League semifinal second leg match between Switzerland's FC Basel 1893 and Italy's ACF ...
Die Einnahmen aus der Conference League brachten dem FCB nur wenig.Bild: keystone

Wenn aus diesem Jahr nur eine schwarze Null resultiert, was erwartet den FCB dann 2024?
Wir haben die Kosten runtergebracht, haben etwa 20 Millionen gut gemacht. Aber die aktuelle sportliche Lage ist eine Belastung. Es geht jetzt darum, nicht ganz unten zu sein. Wir sind im Abstiegskampf.​

Es geht ums nackte Überleben.
Sportlich definitiv. Finanziell – da kenne ich nichts anderes als den Überlebenskampf, seit wir übernommen haben.

«Wir haben gewisse Spieler falsch ausgewählt, für die wir sehr wahrscheinlich Lösungen suchen müssen.»

Was ist in der Winterpause angedacht? Wird sich der FCB punktuell verstärken?
Wir werden sicher das eine oder andere machen. Aber nicht zu viel. Wir werden das intensiv diskutieren in der Sportkommission, und auch mit dem Trainer. Ich habe mich auf gewisse Dinge eingelassen, wir haben Fehler gemacht und müssen Korrekturen vornehmen. Wir haben gewisse Spieler falsch ausgewählt, für die wir sehr wahrscheinlich Lösungen suchen müssen.

Sie haben sich auf etwas eingelassen, heisst, auf Ideen des damaligen Sportchefs Heiko Vogel, von denen Sie nicht überzeugt waren?
Er tat alles für den Erfolg, am Schluss fehlten ihm die Werkzeuge dafür. Er hat seine Verdienste, etwa beim Erreichen des Halbfinals in der Conference League, auch wenn man während dieses europäischen Höhenfluges die Meisterschaft vernachlässigte. Leuten, die gut sind, lasse ich enorme Freiheiten. Daniel Stucki, unserem Nachwuchschef zum Beispiel. Wir möchten starke, gute Leute – sodass es uns als Klub-Eigentümer operativ nicht mehr braucht. Dann machen wir den Job richtig. Wir als Eigentümer müssen Persönlichkeiten haben, die den FCB tragen.

Wie viele Stunden befassen Sie sich täglich mit dem FCB?
Eigentlich 24 Stunden. Abschalten kann ich kaum. Manchmal denke ich: Ich habe viel Geld dafür bezahlt, dass ich mich hier zum Deppen mache. Darum ärgere ich mich vielleicht, wenn es wieder heisst: Du hast den falschen Trainer ausgewählt. Glaubt denn wirklich jemand, ich wolle mir selbst schaden? Ich leide bei solchen Entscheidungen doch am meisten mit!​

Wie finden Sie einen Ausgleich, wann gönnen Sie sich mal was?
Was gönne ich mir? (Überlegt) Wie meinen Sie das?​

Auswärts essen gehen, schöne Ferien …
Ferien ja, aber nur zwei, drei Tage. Längere Ferien hatte ich schon lange nicht mehr.​

David Degen, executive chairman of FC Basel, is pictured prior the UEFA Conference League round of 16 second leg soccer match between Switzerland's FC Basel 1893 and France's Olympique de Ma ...
Für viel anderes als den FC Basel hat David Degen keine Zeit.Bild: keystone

Man weiss, abgesehen von Ihrer Fussball-Leidenschaft, kaum etwas über Sie als Person. Was machen Sie neben dem FCB?
Da ist nicht viel mehr. Es gibt Wichtigeres als den FCB, klar, zum Beispiel die Gesundheit, ich treibe auch viel Sport. Aber ich habe echt nicht viel nebenher.​

Keine Pläne, zum Beispiel eine Familie zu gründen?
Eine Familie hätte ich irgendwann schon noch gerne. Aber zwischen Menschen lässt sich nichts erzwingen. Es passt, wenn es passt. Ich werde nie etwas eingehen, von dem ich am nächsten Morgen weiss, es ist das Falsche. In eine Beziehung muss man viel investieren, da mache ich keine halbherzigen Sachen. Damit bin ich gut gefahren. Ich habe im Leben zum Glück keine ernsthaften Probleme. Tauchen welche auf, löse ich sie immer so schnell wie möglich.​

Privat geht das wohl, aber in einem Klub lassen sich die Probleme nicht einfach so lösen – obwohl Sie auch schon als Alleinherrscher bezeichnet wurden.
Genau. Als würde ich sogar noch die Aufstellung bestimmen. Absurd. Da rede ich nicht drein. Auch wenn es zugegebenermassen nicht immer einfach ist, nur zuzuschauen.​

«Einen Trainer wie Fabio Celestini hatten wir hier noch nie.»

Wäre denn die Aufstellung dieselbe, wenn Sie sie machen würden?
Zumindest bis vor kurzem nicht unbedingt (lacht). Wobei ich bei unserem neuen Trainer Fabio Celestini manchmal fast unheimlich finde, wie ich selbst beim Zeitpunkt der Auswechslungen sehr ähnlich handeln würde. Einen Trainer wie ihn hatten wir hier noch nie. Er ist auf positive Art und Weise ein Workaholic.​

Als Fussballer hat man oft ein Idol. Haben Sie als Präsident ein Vorbild?
Ich war immer sehr beeindruckt, was Uli Hoeness aus dem FC Bayern gemacht hat. Er hat einen Weltklub erschaffen.​

epa07580941 Bayern's president Uli Hoeness smiles before the German Bundesliga soccer match between FC Bayern Munich and Eintracht Frankfurt in Munich, Germany, 18 May 2019. EPA/PHILIPP GUELLAND  ...
Ihn sieht Degen als Vorbild: Bayern-Legende Uli Hoeness.Bild: EPA/EPA

Und ist im Gefängnis gelandet.
Ich wusste, dass Ihr jetzt damit kommt. Das ist eine andere Geschichte. Ich beziehe mich auf die Leistung von Hoeness beim FC Bayern. Das sucht seinesgleichen. (bzbasel.ch)

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quelle: keystone / peter klaunzer
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78 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Pedro Rodriguez
21.12.2023 15:01registriert November 2018
Schon unglaublich was aus diesem Verein geworden ist. Ich habe mir die magischen Champions League Abende gegen ManU, Chelsea, Bayern usw immer gerne angeschaut und auch als nicht FCB Fan mit den Baslern mitgefiebert. Tut irgendwie schon weh mitanzuschauen was diese Leute mit dem Verein anstellen
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N. Y. P.
21.12.2023 14:43registriert August 2018
Ich frage mich gerade, ob der gute David Degen sich zuwenig informiert hat, auf was er sich da einlässt. Er hat den Club als Fan übernommen und als Präsident ist er dann erwacht..
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El Vals del Obrero
21.12.2023 15:22registriert Mai 2016
Bezüglich alternativem Spielort könnte man doch den alt-ehrwürdigen Landhof wieder zum Leben erwecken.

Für "Traditionalisten" und "Anti-Mode-Fans" wäre somit der Niedergang fast noch ein Gewinn :)
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