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«Genozid»-Vorwurf: Irland und Israel zoffen sich vor Fussballspiel

FILE - Ireland coach Heimir Hallgrimsson stands near the bench before the World Cup 2026 group F qualifying soccer match between Hungary and Ireland in Budapest, Hungary, Nov. 16, 2025. (AP Photo/Dene ...
Irland-Trainer Heimir Hallgrimsson freut sich nicht auf die Spiele gegen Israel.Bild: keystone

«Spielen gegen Genozid»: Irland-Trainer verärgert Israels Verband vor Duell

In den nächsten beiden Wochen trifft Irland in der Nations League zweimal auf Israel. Die Stimmung zwischen den beiden Ländern ist schon länger aufgeheizt – nun sorgte Irlands Nationaltrainer für einen neuen Konflikt.
23.09.2026, 05:5523.09.2026, 05:55

Der israelische Fussballverband hat Irlands Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson wenige Tage vor dem Direktduell in der Nations League «Dummheit, Ignoranz und Heuchelei» vorgeworfen.

Hallgrimsson hatte bei der Vorstellung seines Kaders für die nächsten Spiele gesagt: «Wir spielen nicht mit dem Völkermord. Wir spielen gegen den Völkermord. Und wir spielen gegen Israel, nicht mit Israel.» Ausserdem erklärte der 59-jährige Isländer, der seit 2024 an der Seitenlinie Irlands steht, dass sich niemand im Team damit wohlfühle, die Partien gegen Israel zu bestreiten. Der Trainer wiederholte zudem, dass er nicht verstehe, weshalb Israel im Gegensatz zu Russland von der UEFA nicht gesperrt werde.

Der israelische Fussballverband schrieb in einem Post auf X daraufhin: «Wir spielen nicht mit Dummheit, Ignoranz und Heuchelei. Wir spielen gegen den Trainer, der diese verkörpert.» Israel, das seine Heimspiele im Exil austragen muss, trifft am Sonntag im ungarischen Debrecen auf Irland. Irische Fans sollen aus Sicherheitsbedenken keine Tickets erhalten. Eine Woche später steht das Rückspiel an – dieses findet unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit im serbischen Backa Topola statt.

Der X-Post von Israels Fussballverband.
Der X-Post von Israels Fussballverband.bild: screenshot x

Der irische Fussballverband hatte sich dazu entschieden, nachdem es in Irland Proteste und Boykottforderungen gegeben hatte. Ausserdem wird der Fernsehsender RTE nicht wie üblich von dem Spiel berichten. So soll es keinen eigenen Kommentator, kein Studio und weder eine Halbzeitanalyse noch Berichte vom Spielfeldrand geben.

Irland ist eines der Länder, die Israel für seine militärischen Handlungen in Gaza seit dem Angriff der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 am stärksten kritisiert. So warf die irische Regierung Israel Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen vor. Erst am Montag hat Irlands Aussenministerin Helen McEntee gemäss der BBC klargestellt: «Irlands Standpunkt ist klar: Es liegt ein Verstoss gegen das Völkerrecht vor. Wir sind Zeugen eines Versuchs, eine Bevölkerungsgruppe auszulöschen.» Ministerpräsident Micheál Martin bezeichnete das Statement von Israels Fussballverband nun als «inakzeptabel» und forderte, dass dieses «zurückgezogen» werde.

Nach der Auslosung der Nations League wurde gar ein Boykott der Spiele gegen Israel diskutiert. Dies forderte unter anderem eine Gruppe von 160 aktiven und ehemaligen irischen Sportlern, welche die israelische Regierung von Benjamin Netanyahu gemäss der Sportschau der Beteiligung an Völkermord beschuldigte. Dabei verwiesen sie auf den «anti-kolonialen und anti-imperialistischen Widerstand» als wichtigen Teil in Irlands Geschichte. Das Land erkämpfte sich erst im vergangenen Jahrhundert die Unabhängigkeit von England, was das Nationalbewusstsein noch immer stark prägt.

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Irische Fans zeigen bei einem Spiel im September 2025 ein Banner mit der Aufschrift: «Zeigt Israel die Rote Karte!»Bild: www.imago-images.de

Auch die League of Ireland, der Verband der ersten Liga, unterstützte die Forderung. Der irische Fussballverband FAI hatte im letzten Jahr zwar mit einer grossen Mehrheit für eine Forderung gestimmt, den israelischen Verband zu suspendieren, doch entschied er sich gegen einen Boykott der Partien gegen Israel. Ein solcher würde einen «erheblichen und dauerhaften Schaden» nach sich ziehen. Er beschloss lediglich die Verlegung des Heimspiels ins Ausland.

Ausserdem habe der Verband gemäss seinem Vorsitzenden David Courell bei der UEFA angefragt, Duelle zwischen Irland und Israel in Zukunft auszuschliessen, wie es bei Spielen zwischen Armenien und Aserbaidschan oder Kosovo und Serbien der Fall ist. Der europäische Kontinentalverband lehnte dies aber ab.

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quelle: keystone / abir sultan
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