Reif für mehr
Erstmals seit 88 Jahren gewinnt die Schweiz ein K.o.-Spiel an einer Fussball-Weltmeisterschaft. Das 2:0 gegen Algerien zeugt von der Reife dieser Equipe.
Die Nati schlägt die Nordafrikaner im Stil einer Klasse-Mannschaft. Bloss gleich zu Beginn sind die Algerier gefährlich, aber das frühe 1:0 erstickt ihr Feuer.
Breel Embolo erzielt diesen Treffer, der zu einem grossen Teil dem Vorbereiter gehört: Johan Manzambi. Wow, was haben wir da für ein Juwel! Der Höhenflug der 20-jährigen WM-Entdeckung geht weiter. Manzambi ist im besten Sinne jugendlich unbekümmert und er ist mit seinem Tempo und seiner Technik eine Gefahr für jede Abwehr.
Kompromisslos, aber nicht überhart kontrolliert die Schweiz zunehmend die Partie. Nach Wiederbeginn ist sie – wie schon im letzten Gruppenspiel gegen Kanada – erneut sofort da und schiesst mit dem ersten Angriff das nächste Tor. Danach findet die Nati die Balance, lässt fast nichts vom Gegner zu, der zunehmend entmutigt ist.
Erstmals an dieser WM bleibt die Schweiz ohne Gegentreffer und sie gerät gegen Ende der Partie nicht mehr ins Schwimmen, anders als noch gegen Kanada. Abgezockt bringen die Schweizer um Rekord-Nationalspieler Granit Xhaka in dessen 150. Länderspiel den Sieg ins Trockene. Vladimir Petkovic, der frühere Nati-Trainer, der jetzt Algerien coacht, findet keine Lösung.
Natürlich geht der Schweiz nicht alles auf, man denke nur an Fabian Rieder, der das leere Tor nicht trifft. Aber im Fussball geht nie alles auf.
Wer sah, wie Spanien gegen Österreich Ball und Gegner laufen liess, wer den wirbelnden Franzosen zuschaute, der stellt einen Klassenunterschied zu den Weltbesten fest. Doch der nächste Gegner wird am Dienstag (22 Uhr Schweizer Zeit) erneut einer auf Augenhöhe sein, Kolumbien oder Ghana.
Mit einer ähnlich guten, kontrollierten, abgeklärten Leistung liegt der nächste Sieg drin und damit der Vorstoss in den WM-Viertelfinal. Damit wäre das ausgerufene Ziel, die beste Weltmeisterschaft einer Schweizer Mannschaft zu spielen, erreicht.
Und es muss dann ja nicht Schluss sein. Wer so abgezockt auftritt, hat sich das Recht erarbeitet, weiterzuträumen.
