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Switzerland's Haris Seferovic celebrate the 5:2 goal during the UEFA Nations League soccer match between Switzerland and Belgium at the swissporarena stadium in Lucerne, Switzerland, on Sunday, November 18, 2018. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Erster Hattrick im Nati-Dress! Haris Seferovic hat es allen Kritikern gezeigt. Bild: KEYSTONE

«Einfach nur geil!» – Das sagen die Schweizer Nati-Helden nach der 5:2-Gala gegen Belgien

Der lang ersehnte Sieg gegen einen Grossen ist da! Die Schweiz schlägt die Weltnummer 1 Belgien nach frühem 0:2-Rückstand und nach grosser Wende 5:2 und qualifiziert sich für das Finalturnier der Nations League im kommenden Juni. Haris Seferovic erzielte drei Tore.



Am Ende war die Swissporarena in Luzern eine Festhütte. Als Matchwinner Haris Seferovic in der Nachspielzeit von Nationalcoach Vladimir Petkovic ausgewechselt wurde, bekam er die verdiente Standing Ovation. Ein Jahr und sechs Tage nach den bitteren Pfiffen von Basel in der WM-Barrage gegen Nordirland durfte der Stürmer den Rasen nach seiner ersten Triplette für die Schweiz als Held verlassen.

Seine Treffer brachten die Schweiz ins «Final Four», das vom 5. bis 9. Juni 2019 in Portugal stattfindet. Gegner sind dort neben dem Gastgeber auch England sowie Frankreich oder die Niederlande. Dabei wird es um den ersten Titel der Nations League gehen – und um einen schönen Batzen Geld. Neben den drei Millionen Euro als Startgage und für den Gruppensieg gibt es für den Turniersieger nochmals 4,5 Millionen Euro zu gewinnen.

Wenn der letzte Eindruck tatsächlich bleibend ist, dann hat die Schweizer Mannschaft aus einem schwierigen Jahr doch noch ein sehr gutes gemacht. Sie war ab der 25. Minute so gut, wie man sie seit der Startphase im EM-Qualifikationsspiel gegen Portugal vor mehr als zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte. Gemessen am Niveau des Gegners, des WM-Dritten und Nummer 1 im FIFA-Ranking, war es vielleicht sogar das beste Spiel seit Jahren. Ein Spiel, von dem man auch in Jahrzehnten noch reden wird. So wie beispielsweise vom 4:1-Sieg an der WM 1994 gegen Rumänien. Tempo, Kreativität, Entschlossenheit und Effizienz: Es stimmte alles.

Die Stimmen zum Spiel:

Haris Seferovic:

«Es ist ein Moment zum Geniessen. Wir haben zuerst geschlafen und sind dann aufgewacht. Wir sind richtig in Fahrt gekommen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Treffer fallen würden. Wir haben bestätigt, was für ein Team wir sind, welche Qualitäten wir besitzen. Jetzt muss es mit der Konstanz noch etwas besser werden.»

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Seferovic im SRF-Interview. bild: screenshot srf

Vladimir Petkovic:

«Es war etwas besser als vor drei Tagen gegen Katar. Grosses Kompliment an die Mannschaft. Wir sind nach dem 0:2 im Match geblieben. Ich bin stolz auf diese Jungs.»

Xherdan Shaqiri:

«Der Anfang war natürlich ein Schock, viele schrieben uns nach dem 0:2 wohl schon ab. Aber wir haben dennoch an uns geglaubt – das muss man immer tun. Ich bin richtig stolz, wie wir zurückgekommen sind. Wir haben wirklich eine gute Leistung gezeigt. Wir spielten uns viele Chancen heraus und nutzten die Schwächen der Belgier knallhart aus.»

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bild: screenshot srf

Granit Xhaka:

«Wir haben nach dem Katar-Spiel nicht zu viel versprochen. Wir haben uns das sicher anders vorgestellt, am Anfang kamen wir überhaupt nicht ins Spiel und schenkten den Belgiern quasi die zwei Tore. Wie wir danach zurückgekommen sind, das zeigt den Charakter dieser Mannschaft. Was wir heute über 90 Minuten gezeigt haben, war schon sehr souverän. Belgien hatte fast keine Chance mehr. Auf das haben wir so lange gewartet. Ich bin sehr stolz auf diese Mannschaft. Dass das Jahr so endet, ist einfach nur geil.»

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bild: screenshot srf

Nico Elvedi:

«Das war ein unbeschreibliches Spiel. Negativ und positiv. Wegen meines Fehlers gerieten wir früh in Rückstand, doch dann kamen wir zurück. Die Fans pushten uns und wir machten dann ein Super-Spiel. Natürlich bin ich auch froh, dass ich meinen Fehler mit dem Tor zum 4:2 wiedergutmachen konnte.

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bild: screenshot srf

Thorgan Hazard:

«Wir haben sehr gut begonnen, wahrscheinlich zu gut. Die Schweizer sind dann zurückgekommen. Wir sind enttäuscht, aber wir wussten, dass wir gegen einen sehr guten Gegner antreten, eine grosse Fussballnation. Das hat die Schweiz heute bewiesen. Wir hätten aber deutlich besser spielen können, vor allem besser gemeinsam verteidigen.»

Auf das Penaltytor durch Ricardo Rodriguez zum Anschluss nach einem diskutablen Pfiff von Schiedsrichter Daniele Orsato folgten noch vor der Pause zwei sehenswert herausgespielte Tore von Haris Seferovic. Beim 2:2 verwertete er eine Kopfballvorlage von Xherdan Shaqiri, der von Rodriguez brillant angespielt wurde (31.), beim 3:2 schloss er einen Konter über Steven Zuber und Edimilson Fernandes ab (43.). Seine Show schloss der Stürmer in der 84. Minute mit dem 5:2 nach Flanke von Kevin Mbabu ab. Zuvor hatte Nico Elvedi mit seinem ersten Tor im Nationalteam das 4:2 erzielt; bereits mit diesem Resultat wäre die Schweiz für das Finalturnier qualifiziert gewesen.

Die Tore

Der belgische Doppelschlag:

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Thorgan Hazard kriegt den Ball von Gladbach-Teamkollege Elvedi aufgelegt. Video: streamable

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Freie Bahn für Hazard beim 2:0 – ohne Gegenwehr trifft er herrlich ins lange Eck. Video: streamable

Die Schweizer Reaktion:

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Rodriguez erzielt per Penalty den 1:2-Anschluss. Video: streamable

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Der 2:2-Ausgleich durch Seferovic. Video: streamable

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Seferovic bringt die Schweiz kurz vor der Pause in Führung. Video: streamable

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Elvedi baut die Schweizer Führung mit dem 4:2 aus. Video: streamable

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Den 5:2-Schlusspunkt setzt noch einmal Seferovic. Video: streamable

Endlich den Grossen geschlagen

An ein solches Ende hätte knapp anderthalb Stunden zuvor kaum mehr jemand geglaubt. Früh hatten sich die Schweizer nämlich ein 0:2-Handicap eingehandelt. Zwei Gegentore, die sie zwangen, das Spiel mit zwei Treffern Differenz zu gewinnen. Bis sich die wegen der Absenzen von Stephan Lichtsteiner, Fabian Schär und Manuel Akanji neu formierte Verteidigung mit Kevin Mbabu auf der rechten Seite sowie den Innenverteidigern Nico Elvedi und Timm Klose gefunden hatte, war sie bereits mehrmals düpiert worden.

Switzerland's Xherdan Shaqiri, Switzerland's Kevin Mbabu and Switzerland's Nico Elvedi, from left, celebrate during the UEFA Nations League soccer match between Switzerland and Belgium at the swissporarena stadium in Lucerne, Switzerland, on Sunday, November 18, 2018. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Shaqiri und Mbabu waren die besten Schweizer gegen Belgien. Bild: KEYSTONE

Ein kapitaler Rückpass von Elvedi auf Thorgan Hazard führte bereits nach zwei Minuten zur belgischen Führung, ein Ballverlust von Klose und zu zögerliches Einsteigen von Elvedi ermöglichten wieder Thorgan Hazard das 2:0 schon in der 17. Minute. Es waren die Minuten, in denen man um die Schweizer Angst haben musste. Weil nicht nur die Abwehr überfordert war, sondern auch das Mittelfeld um Captain Granit Xhaka keinen Zugriff auf Ball und Gegner bekam. Eine womöglich krachende Niederlage zum Jahresabschluss lag in dieser Phase näher als der umjubelte und überragende Schlusspunkt.

Auch wegen dieser schwierigen Anfangsphase sind der Sieg und die Leistung der Schweizer in den folgenden rund 70 Minuten umso höher einzustufen. Nicht nur die Innenverteidigung gewann von Minute zu Minute an Sicherheit. Vor allem die beiden Leader im Team, Xhaka und Shaqiri steigerten sich auf ein hohes Niveau. In ihrem Sog überzeugten andere ebenfalls. Etwa Edimilson Fernandes, der auf auf dem rechten Flügel ein belebendes Element war. Oder Mbabu, der ab der 20. Minute mit seinem mutigen und stürmischen Spiel seinen Beitrag zur Wende leistete – er war es, der vor dem wichtigen Anschlusstor den Penalty herausgeholt hatte.

Das Telegramm:

Schweiz – Belgien 5:2 (3:2)
Luzern. - 15'000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Orsato (ITA).
Tore: 2. Thorgan Hazard 0:1. 17. Thorgan Hazard 0:2. 26. Rodriguez (Foulpenalty/Foul an Mbabu) 1:2. 31. Seferovic (Shaqiri) 2:2. 44. Seferovic (Edimilson Fernandes) 3:2. 62. Elvedi (Shaqiri) 4:2. 84. Seferovic (Mbabu) 5:2.
Schweiz: Sommer; Mbabu, Elvedi, Klose, Rodriguez; Xhaka, Freuler (79. Zakaria); Edimilson Fernandes, Shaqiri, Zuber (87. Benito); Seferovic (92. Ajeti).
Belgien: Courtois; Alderweireld, Kompany, Boyata; Meunier (90. Origi), Tielemans, Witsel, Chadli (65. Batshuayi); Thorgan Hazard, Mertens, Eden Hazard.
Bemerkungen: Schweiz ohne Lichtsteiner, Akanji, Embolo, Djourou, Mehmedi und Bürki (alle verletzt), Belgien ohne De Bruyne, Lukaku, Vermaelen, Vertonghen, Benteke, Dembele (alle verletzt) und Carrasco (abwesend). 86. Lattenschuss Eden Hazard. Verwarnungen: 38. Xhaka (Foul). 79. Mbabu (Foul). 87. Seferovic (Foul).

Die Schlusstabelle:

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bild: screenshot srf

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