Lazio-Fans zeigen, wie ein Boykott im Fussball tatsächlich funktionieren kann
Wenn Lazio Rom am 16. August in der ersten Runde des italienischen Cups sein erstes Pflichtspiel der Saison bestreitet, droht dem Team, das vor leerer Kulisse zu tun. Denn die Laziali, die Fans des Traditionsklubs aus der Hauptstadt, ziehen momentan eine grosse Protestaktion gegen Besitzer Claudio Lotito durch.
Bereits Anfang Juni hatten die organisierten Fangruppen von Lazio dazu aufgerufen, die Saisonkarten für die Saison 2026/27 nicht zu erneuern. Und dem Aufruf folgte offenbar die grosse Mehrheit der Fans. Wie italienische Medien berichten, sollen bislang nur etwas mehr als 2000 Saisonkartenbesitzer ihr Abo erneuert haben. Da Lazio in der letzten Saison über 30'000 Saisonkarteninhaber vorweisen konnte, entspricht das einem Einbruch von über 90 Prozent. Vor einem Jahr hatten zum gleichen Zeitpunkt über 29'000 Lazio-Fans ihr Dauerabo bereits erneuert.
🚨🇮🇹 Ultras Lazio have just announced that will not buy season tickets or attend any home matches in either the Serie A or the Coppa Italia next season.
— Ultras Clips (@ultras_clips) June 5, 2026
The Major fan group is staging this total boycott to protest club president "Claudio Lotito". The ultras are deeply frustrated… pic.twitter.com/6hZS3nFPf9
Es ist ein deutliches Zeichen des Protests gegenüber Besitzer Claudio Lotito. Der 69-jährige Politiker übernahm den Klub im Jahr 2004 und rettete ihn damals vor dem Konkurs. Unter ihm gewann Lazio drei Mal den Cup, war aber auch immer wieder in Kontroversen verwickelt. 2006 wurde Lotito im Rahmen des Calciopoli-Wettskandals für mehrere Monate gesperrt.
Der aktuelle Protest hat aber mehr mit der aktuellen Lage des Klubs zu tun. Angefangen haben die Aktionen schon letzte Saison, als die Fans begannen, die Lazio-Heimspiele zu boykottieren. Die Fans kritisieren die Transferstrategie von Lotito, die immer wieder dazu führt, dass Lazio seine besten Spieler verkauft. Der Vorwurf ist, dass der Präsident schlechtere Resultate einfach in Kauf nehme. Zudem befürchten die Anhänger, dass Lotito die Jugendakademie wie auch die Stadioninfrastruktur des Klubs verlottern lasse. Zuletzt hagelte es zudem Kritik, weil der Präsident eine Sponsoring-Partnerschagt mit Polymarket eingegangen ist, das in Italien wenig später verboten wurde.
Mit dem Boykott erhoffen sich die Fans, Lotito dazu zwingen zu können, den Klub zu verkaufen. (abu)
