Zeigt Geldgeier Infantino endlich die Grenzen auf!
Zuletzt konnte FIFA-Präsident Gianni Infantino wieder einmal grosse Reden schwingen. Die Weltmeisterschaft in Nordamerika sei die «grossartigste WM der Geschichte» gewesen. Und nicht nur das, es habe sich sogar um «das grösste menschliche, soziale und kulturelle Ereignis, das die Menschheit je erlebt und gesehen hat» gehandelt.
Tatsächlich brach die WM viele Rekorde. Zum Beispiel in Sachen Tore, verkaufte Tickets, TV-Quoten oder Einnahmen. Da das Turnier erstmals mit 48 Mannschaften stattgefunden hat und damit 40 Spiele mehr ausgetragen wurden als noch vor vier Jahren, war dies aber zu erwarten – und ist es kein Verdienst von Infantino oder der FIFA. Abgesehen davon, dass sie für die Erweiterung von 32 auf 48 Teilnehmer verantwortlich sind.
Dennoch war es ein tolles Turnier, das viele schöne Bilder und Geschichten geliefert hat. Aber das lag mit Sicherheit nicht an Infantino, der sich nur zu gern als Held des Fussballs inszeniert. Vielmehr ist dieser Sport einfach zu grossartig, zu mitreissend und zu tief in unseren Herzen verankert, als dass ihn eine Person kaputtmachen könnte. So sehr der 56-jährige Walliser es auch versucht.
Zum Beispiel mit seiner unerträglichen Nähe zu US-Präsident Donald Trump, dem Infantino in Eigenregie den neu eingeführten FIFA-Friedenspreis verliehen hat. Im Gegenzug gab es von Trump kaum ein Entgegenkommen bezüglich der Einreisegenehmigungen von Fans aus mehreren Teilnehmerländern oder des somalischen Schiedsrichters Omar Artan sowie im Umgang mit dem iranischen Nationalteam. Als Trump dann darum bat, die Sperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun aufzuheben, passierte dies wie von Geisterhand. Obwohl Trump und Infantino nichts damit zu tun gehabt haben wollen.
Infantino hatte aber noch viele weitere Einfälle, um den Fussball kaputt zu kriegen. Zum Beispiel die Zerstückelung des Spiels in vier Viertel aufgrund der Trinkpausen, die den Spielfluss störten und von vielen TV-Sendern als Werbepausen genutzt wurden – bei den immer steigenden Kosten der Übertragungsrechte ist das nur verständlich. Oder die Halbzeitshow beim Final, durch welche die Pause fast doppelt so lang dauerte, und auch die Klub-WM. Auch die Freundschaft zu den menschenrechtsverachtenden Regimen in Katar und Saudi-Arabien machen Infantino und die FIFA nicht gerade zu Sympathieträgern.
Kritik daran wischt der Präsident des Weltverbands einfach weg. Diese würde nämlich nur von bemitleidenswerten und von Hass zerfressenen Menschen kommen, die wahrscheinlich keine Ahnung von Fussball hätten. Dabei kann Infantino keiner mehr abnehmen, dass er den Fussball wirklich liebt und um dessen Wohlergehen bemüht ist. Denn sein Handeln dient nur einem Zweck: der Maximierung der Einnahmen der FIFA und seiner eigenen Macht. Jetzt schiesst er den Vogel aber komplett ab.
So teilte die FIFA mit, dass sie ein Unternehmen gründen will, das die kommerziellen Rechte an der WM und der Klub-WM sowohl bei den Männern als auch den Frauen verwaltet. Dazu ist die Unterstützung der Mitgliederverbände notwendig. Der Wert des Unternehmens wird zunächst auf 20 Milliarden Dollar (rund 16,4 Milliarden Franken) festgelegt.
Profitieren würden auch die Verbände, die ebenfalls Anteile erhalten und diese verkaufen könnten. Mit der gerade für die kleinen Mitgliederverbände grossen Unterstützung sichert Infantino seine Machtstellung. Investieren sollen unter anderem Personen aus dem Umfeld von Donald Trump, vorsitzen will Infantino dem Unternehmen nach dem Ende seiner Zeit als FIFA-Präsident selbst. Es soll ein Gehalt in Höhe von fast 50 Millionen Franken winken. Ein Traum für Geldgeier Infantino.
Es ist zu hoffen, dass die kontinentalen und nationalen Fussballverbände dies verhindern. Dass sie endlich aufwachen und FIFA-Präsident Gianni Infantino die Grenzen aufzeigen. Dass sie verhindern, dass er den Fussball immer weiter für sich vereinnahmt und ihn so zerstört. Der europäische Verband UEFA hat mit seinem Statement schon mal einen guten Anfang gemacht.
Das Vorgehen Infantinos überschreite «eine Linie, welche die leitenden Institutionen des Fussballs nie überschreiten sollten», heisst es dort. Die UEFA stellt ausserdem klar: «Niemandem von uns gehört der Fussball. Es steht der FIFA nicht zu, diesen zu verkaufen.» Diese Sätze dürfen keine leeren Worthülsen bleiben, die UEFA muss dem Weltverband mit aller Macht Einhalt gebieten. Dazu gehört auch das Lobbyieren bei anderen Verbänden, die von der FIFA sehr stark profitieren. Die europäischen Landesverbände müssen Zugeständnisse machen. Sonst bleibt Infantino für viele Nationen die attraktivere Option und könnte er mit seinem Plan durchkommen.
Die Konsequenzen sind kaum auszumalen. Sollten tatsächlich private Investoren knapp die Hälfte der Anteile an der Fussball-Weltmeisterschaft halten, würde die Kommerzialisierung des Events noch viel weiter voranschreiten. Dann könnten selbst 64 Teilnehmer nicht mehr genug, vier Jahre zwischen zwei Turnieren viel zu lang und nur zwei TrinkWerbepausen neben der Halbzeit zu wenig sein. Der Fussball würde immer mehr ausgeweidet werden – damit Investoren profitieren können.
Nur die Mitgliedsverbände und ihre Verantwortlichen können dies noch verhindern. Denn sie haben die Macht, Infantino abzuwählen. Das wäre dringend nötig, da er, solange er die Zügel bei der FIFA in der Hand hält, schalten und walten kann, wie er will. Die nächste Wahl steht im Frühling 2027 an.
Infantino wird noch immer von der deutlichen Mehrheit der Mitgliedsverbände unterstützt. Noch bleibt Zeit, dies zu ändern. Und das ist die Pflicht derer, «denen die Zukunft des Fussballs etwas bedeutet», um es in den Worten der UEFA zu sagen. Denn ansonsten könnte Infantino die Zerstörung des populärsten Sports der Welt doch noch gelingen.
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