Pumpfoiling wird beliebter – auf Schweizer Seen wächst das Konfliktpotenzial
Ein Kursschiff überquert den Zürichsee. Plötzlich nähert sich dem Heck eine Person im Neoprenanzug auf einem wippenden Brett, das scheinbar über der Wasseroberfläche schwebt. Sie reitet auf der Heckwelle des Schiffs. Kurz darauf folgen vier weitere Personen. Sie alle wollen die Heckwelle nutzen, um mit weniger Kraftaufwand über den See zu gleiten.
Noch ist der auf Instagram geteilte Anblick für die meisten ungewohnt. Für Pumpfoil-Instruktor Philipp Exner steht fest: «In Zukunft wird es in der Schweiz immer mehr Pumpfoiler geben. Und damit werden immer mehr von ihnen die Wellen von Kursschiffen nutzen.»
Der gebürtige Zürcher begann 2021 mit dem Sport, bei dem die Sportlerinnen und Sportler auf einem Brett stehen, unter dem ein sogenanntes Foil montiert ist. Den Vortrieb erzeugen sie durch Pumpbewegungen ihres Körpers. Mit der richtigen Technik und genügend Geschwindigkeit hebt das Foil das Brett aus dem Wasser.
Mit seiner Einschätzung steht Exner nicht allein. «Allgemein beobachten unsere Sektionen, dass Pumpfoiling in den vergangenen Jahren an Popularität gewonnen hat und auf Schweizer Gewässern häufiger anzutreffen ist als früher», schreibt die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) auf Anfrage. Auch die Luzerner Polizei stellt fest, dass Pumpfoiling «seit einigen Monaten regelmässig, hauptsächlich auf dem Vierwaldstättersee im Bereich des Tribschenhorns» betrieben werde.
Am Zürichsee etabliert, am Rhein unbekannt
Besonders am Zürichsee hat sich Pumpfoiling in wenigen Jahren von einer Nischensportart zu einer sichtbaren Freizeitaktivität entwickelt. Die Stadt Zürich schreibt auf ihrer Website: «Mit einem Pumpfoil auf dem Zürichsee unterwegs zu sein, gehört mittlerweile zu den Freizeitaktivitäten vieler Zürcher*innen.»
Nicht überall setzt sich Pumpfoiling gleich stark durch. SLRG-Basel-Präsident André Prétot sagt: «Auf dem Rhein bei Basel habe ich noch keine Pumpfoiler gesichtet oder davon gehört, dass solche Sportler und Sportlerinnen den Rhein entdeckt hätten.» Das liege wohl auch am knappen Platz. «An heissen Tagen schwimmen Tausende Menschen im Rhein, ausserhalb der Schwimmzonen verkehren Klein- und Grossschiffe.»
Wo der Sport wächst, wird das Miteinander auf den Seen anspruchsvoller. Das Gleiten hinter Kursschiffen ist nur eines von mehreren Konfliktfeldern.
Exner warnt davor, die Wellen von Kursschiffen gleich hinter dem Schiff zu nutzen. Und vor einem Schiff zu fahren, sei ein absolutes No-Go. Direkt dahinter könne es ebenfalls gefährlich werden. «Muss der Kapitän eine Notbremsung einleiten, dreht die Schiffsschraube rückwärts. Dabei entsteht eine enorme Sogwirkung. Befindet sich ein Pumpfoiler direkt hinter dem Schiff, sieht ihn der Kapitän nicht. Im schlimmsten Fall kann er in den Bereich der Schiffsschraube geraten.»
Flügel bergen Gefahren
Darum sollte genügend Abstand eingehalten werden. Exner orientiere sich an einem Mindestabstand von 50 Metern, halte jedoch bewusst meist mehr Abstand. «Die Welle trägt auch in rund 100 Metern Entfernung noch und man kann mit viel Spass dem Boot hinterher surfen.»
Auch in der internationalen Pumpfoiling-Community werden Risiken offen thematisiert. Eine Auswertung unserer Zeitung von 17 Fahrerporträts auf der Plattform pumpfoiling.community zeigt, dass viele von Prellungen, Schnitten oder Beinaheunfällen berichten. Einzelne schildern eine gebrochene Nase oder Schnitte in Augennähe, andere sprechen von Beinahekollisionen mit Schwimmenden. Gleichzeitig beschreiben die meisten ihre Verletzungen als eher geringfügig.
Die Risiken betreffen allerdings nicht nur die Sportlerinnen und Sportler selbst. Besonders dort, wo verschiedene Nutzungen auf engem Raum zusammentreffen, sei Vorsicht geboten, schreibt die SLRG auf Anfrage. Uferbereiche, Badeplätze, Hafenanlagen und Schifffahrtsrouten gehörten zu den sensibelsten Zonen.
Besonders problematisch sind Begegnungen mit Schwimmenden. Aufgrund des unter Wasser verlaufenden Flügels können Zusammenstösse erhebliche Verletzungen verursachen. Badebereiche sollten deshalb konsequent gemieden und genügend Abstand zu anderen Seenutzenden eingehalten werden, schreibt die SLRG auf Anfrage.
Auch Exner sensibilisiert seine Kursteilnehmenden dafür. «Ich sage den Leuten immer: Im Umkreis von mindestens 15, besser 20 Metern sollte sich kein Schwimmer befinden.» Gerade bei Anfängern kann bei einem Sturz das Brett unkontrolliert wegschiessen und zur Gefahr werden.
376 Starts für 30 Sekunden pumpen
Wer Pumpfoilen lernen will, braucht Geduld. Laut einer von Exner initiierten Umfrage aus dem Jahr 2025 mit 131 Teilnehmenden braucht es durchschnittlich 376 Starts, bis Anfängerinnen und Anfänger 30 Sekunden am Stück pumpen können. «Nach meinen ersten vier Versuchen hätte ich wahrscheinlich aufgegeben, hätte ich nicht Leute gekannt, die den Sport beherrschten. Ich hätte gedacht, dass das gar nicht funktionieren kann.»
Schwere Zwischenfälle mit Drittpersonen hat Exner bislang nicht erlebt. Einmal habe er beobachtet, wie ein Anfänger in der Nähe eines Stegs stürzte und das Brett gegen eine Person trieb. Verletzt worden sei niemand.
Auch den befragten Wasserpolizeien aus Zürich, Luzern und Basel sind bislang keine besonderen Zwischenfälle oder Unfälle im Zusammenhang mit Pumpfoiling bekannt.
Die Lebensrettungs-Gesellschaft bezeichnet den Sport als «relativ sicher», sofern die Sportlerinnen und Sportler über die nötigen Fähigkeiten verfügen, ihre Grenzen kennen und die Sicherheitsregeln einhalten. Risiken liessen sich durch Ausbildung, Erfahrung, passende Ausrüstung und eine umsichtige Fahrweise deutlich reduzieren. Gleichzeitig mahnt die SLRG zur Vorsicht: «Neue Wassersportarten entwickeln sich oft schneller als das Wissen über die damit verbundenen Risiken.» (schweizheute.ch)
