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Fall Vondrousova – darum haben Bencic und Co. Angst vor Dopingjägern

Belinda Bencic of Switzerland poses for a portrait ahead of the Wimbledon All England Lawn Tennis Championships in London, on Saturday, June 27, 2026. The Wimbledon Tennis Championships 2026 will be h ...
Belinda Bencic spricht über die Schattenseiten ihres Berufs.Bild: keystone

«Ich lebe mit dauernder Angst», sagt Bencic über nächtliche Besuche von Dopingjägern

Weshalb Tennisspielerin Belinda Bencic ihr Handy auch nachts nie auf stumm schaltet – und wie Kontrollen ihren Alltag prägen.
29.06.2026, 09:0429.06.2026, 09:04
Simon Häring
Simon Häring

Es ist kurz nach fünf Uhr morgens. In der Wohnung ist es noch still, der Kaffee noch nicht aufgebrüht. Dann klingelt es an der Haustür. Einmal. Zweimal. Kurz darauf klingelt auch das Handy. Eine unbekannte Nummer. Ihre Tochter Bella weint, als Belinda Bencic aufwacht. Sie hat fünf Anrufe in Abwesenheit. Vor der Tür steht eine Fremde mit einem grauen Koffer.

Solche Besuche gehören für Belinda Bencic zum Alltag als Profisportlerin. Die Frau stellt sich als Dopingkontrolleurin vor und weist sich aus. Wer wie Bencic zur Weltspitze gehört, muss der International Tennis Integrity Agency (ITIA) für jeden einzelnen Tag mitteilen, wo sie sich aufhält. Dazu gehören: Adresse, Trainingszeiten, Reisen, Hotels – und ein tägliches 60-Minuten-Zeitfenster, in dem man garantiert an besagtem Ort anzutreffen ist. «Wir Spielerinnen, auch ich, leben mit einer dauernden Angst», sagt Bencic.

Belinda Bencic of Switzerland hits a return during a training session, ahead of the Wimbledon All England Lawn Tennis Championships in London, on Friday, June 26, 2026. The Wimbledon Tennis Championsh ...
Ab Montag steht Belinda Bencic in Wimbledon im Einsatz.Bild: keystone

Rund um die Uhr verfügbar

Nicht etwa vor einem positiven Test, sondern davor, Fehler zu machen. Zu vergessen, nachzutragen, dass sie früher vom Turnier abgereist ist, weil sie bereits ausgeschieden ist. Angst davor, dass die Dopingjäger etwa in einem Hotel in Paris vorbeikommen, obwohl sie wieder Zuhause in Bratislava ist. «Ich habe überhaupt kein Problem damit, getestet zu werden. Aber wenn du alleine Zuhause bist, ist das einfach unangenehm», sagt die 29-Jährige.

Kontrollen sind jederzeit möglich – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, überall auf der Welt. Entscheidend ist jedoch die gemeldete Stunde: Dann muss Bencic am angegebenen Ort sein. Drei sogenannte «Whereabout-Failures» innerhalb von zwölf Monaten genügen, um eine Sperre von bis zu vier Jahren zu riskieren – selbst wenn nie Doping nachgewiesen wurde.

Alarm erinnert Bencic an Pflichten

Deshalb legt Bencic das Zeitfenster jeweils auf den frühen Morgen. «Immer von sechs bis sieben Uhr», erklärt sie. Das schränke den Tagesablauf am wenigsten ein – selbst wenn das bedeutet, dass sie regelmässig aus dem Schlaf gerissen wird. «Mein Telefon ist nachts immer auf laut. Ich habe jeden Tag einen Alarm, damit ich nicht vergesse, meine Angaben zu aktualisieren.» Bencic lebt seit anderthalb Jahrzehnten mit dieser Sorge.

Noch härter sind die Konsequenzen, wenn ein Test verweigert wird. Das zeigt der Fall von Marketa Vondrousova. Im Dezember des vergangenen Jahres erschien eine Kontrolleurin unangekündigt vor ihrer Wohnung – ausserhalb des gemeldeten Zeitfensters, was zulässig ist. Die Tschechin verweigerte den Test. Sie habe aus Angst gehandelt, als eine fremde Person am späten Abend bei ihr geklingelt und sich nicht ausgeweisen habe. Vondrousova sagt, sie leide unter einer diagnostizierten Angststörung.

FILE - Czech Republic's Marketa Vondrousova celebrates with the trophy after beating Tunisia's Ons Jabeur to win the final of the women's singles on day thirteen of the Wimbledon tennis ...
Wimbledon-Siegerin Marketa Vondrousova wurde für vier Jahre gesperrt.Bild: keystone

Bencic: «Diese Sperre ist unfassbar»

Drei Tage später wurde die Wimbledon-Siegerin von 2023 und Olympia-Zweite von 2021 (Finalniederlage gegen Bencic) erneut kontrolliert und negativ getestet. Für die ITIA spielte das allerdings keine Rolle. Sie sperrte Marketa Vondrousova für vier Jahre, weil sie einen Test verweigert hatte.

Bencic sagt, sie kenne nicht alle Details und räumt ein, dass Vondrousova den Test nicht hätte ablehnen sollen. Dennoch findet sie klare Worte, als «Schweiz heute» sie in Wimbledon auf den Fall anspricht. «Ich finde es absolut lächerlich und unfassbar, dass sie vier Jahre gesperrt worden ist.»

Jannik Sinner of Italy poses for pictures after a tennis exhibition match against Cameron Norrie of Great Britain at the Hurlingham Tennis Club in London, Wednesday, June 24, 2026.(AP Photo/Kirsty Wig ...
Jannik Sinner wurde im vergangenen Jahr wegen einer positiven Dopingprobe für drei Monate gesperrt.Bild: keystone

Der Vergleich mit Sinner und Swiatek

Für Unverständnis sorgt bei Bencic vor allem der Vergleich mit anderen prominenten Fällen. Während Vondrousova ohne positiven Dopingtest für vier Jahre gesperrt wurde, mussten Jannik Sinner und Iga Swiatek trotz nachgewiesener verbotener Substanzen deutlich kürzer pausieren. Bei Sinner gelangte diese angeblich bei einer Behandlung durch seinen Physiotherapeuten und ohne sein Wissen in den Körper. Der Italiener wurde für drei Monate gesperrt. Swiatek erklärte den Befund mit einer verunreinigten Tablette und musste lediglich einen Monat aussetzen.

Noch ist nicht bekannt, ob Vondrousova das Urteil an den internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne weiterzieht. Die Solidarität mit ihr ist aber gross. Auch Bencic hat sie kontaktiert und ihre Hilfe angeboten. «Es ist extrem hart für Marketa und ich habe enorm grosses Mitleid mit ihr.»

Swiss players Belinda Bencic, left, and Viktorija Golubic talk during a joint training session, ahead of the Wimbledon All England Lawn Tennis Championships in London, on Friday, June 26, 2026. The Wi ...
Gute Stimmung bei den Schweizerinnen Bencic und Viktorija Golubic im Vorfeld von Wimbledon.Bild: keystone

Dopingregime ist alternativlos

Doch das Dopingregime lebt von diesen unangekündigten Kontrollen. Nur so lässt sich verhindern, dass verbotene Substanzen gezielt kurz vor einem Test abgesetzt werden oder die Einnahme kaschiert wird. Für die Integrität des Sports ist dieses Vorgehen deshalb alternativlos. Auch wenn das für Sportlerinnen heisst, dass sie niemals richtig abschalten können.

Auch Belinda Bencic schläft nie ganz unbeschwert. Ihr Handy bleibt nachts auf laut, jeden Tag erinnert sie ein Alarm daran, ihren Aufenthaltsort zu aktualisieren. Und wenn nachts jemand bei ihr klingelt, weiss sie: Vor der Tür könnte wieder eine fremde Frau mit einem grauen Koffer stehen. (schweizheute.ch)

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Tokio 2025: Bencic – Noskova 6:2, 6:3

quelle: keystone / kiyoshi ota
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mMn
29.06.2026 09:50registriert September 2020
Fände gut, wenn man ein solches Regime auch bei Politikern und Wirtschaftsbossen einführen könnte. Mitten in der Nacht wird der Laptop/das Mobiltelefon auf mögliche Korruption oder illegale Absprachen mit der Konkurrenz und eventuellen Isiderhandel geprüft. Wenn dieses Dopingregiem für die Itegrietät des Sports alternativlos ist, was ist den mit der Integrietät unserer Demokratie und unseres Rechtsystems? Wer in der Elite mitmachen will, muss die Konsequenzen tragen oder sein Amt abgeben.
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Pafeld
29.06.2026 09:46registriert August 2014
Was mich an der ganzen Dopingdebatte etwas stört, ist die Kritikverteilung. Wir hören immer wieder davon, dass das Kontrolleegime hart und unmenschlich sei, auf der anderen Seite wird fast nie Kritik der Sportler an ihren Mitsportlern laut, die beim Betrug gegen sie aufgeflogen sind. "Verunreinigte Tabletten oder versehentliche Kontamination beim Physiotherapeut"? Come on... Solange die Kritik an den Kontrollen jene gegenüber den aufgeflogenen Betrügern so dermassen übersteigt, muss man ja fast wirklich davon ausgehen, dass die alle in der Angst leben, irgendwann selbst aufzufliegen.
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ABWESEND
29.06.2026 10:18registriert September 2024
schon sehr fraglich, wenn ein positiver Test weniger Konsequenzen mit sich führt, wie das Vergessen der Datenaktualisierung einer sehr fragwürdigen Kontrollmethode oder der Verweigerung eines Tests, wenn die fremde Person sich nicht ausweisen kann.

da kann ich eine Verweigerung vollkommen verstehen. ich würde auch keine fremde Person spätabends einfach so in meine Wohnung lassen.
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