Fluch gebrochen: Zverev ringt Cobolli nieder und gewinnt erstmals ein Grand-Slam-Turnier
Zverev, dem in der Vergangenheit oft die Nerven einen Strich durch die Rechnung machten, stand nach 4:16 Stunden und einem verschlagenen Smash Cobollis beim zweiten Matchball als Sieger fest. Mit 29 Jahren beendete Zverev damit eine jahrelange Zitterpartie. Seine ersten drei Grand-Slam-Finals hatte der Bruder und Sohn der Ex-Profis Mischa und Alexander Zverev Sr. seit 2020 verloren. Die grössten Erfolge waren bislang die zwei Triumphe an den ATP Finals (2018, 2021) und der Olympiasieg 2021.
Auch in seinem vierten Grand-Slam-Final wirkte Zverev phasenweise blockiert, doch gegen den über die ganze Partie gesehen zu fehlerhaft spielenden Final-Debütanten Cobolli reichte dem klaren Favoriten eine durchschnittliche Leistung zum Sieg - nicht zuletzt, weil ihn die körperliche Erschöpfung schliesslich wieder zu einer offensiveren Spielweise zwang und weil ihm Cobolli im dritten Satz das Break zum 6:4 auf dem Silbertablett servierte.
Zverev wurde seiner Favoritenrolle im ersten Grand-Slam-Final ohne Beteiligung und Sieg von Jannik Sinner oder Carlos Alcaraz seit zweieinhalb Jahren gerecht, obwohl er in alte Muster verfiel. Der erste Satz, den Zverev mit einem Break eröffnete und nach etwas mehr als einer halben Stunde im Trockenen hatte, war noch eine klare Sache. Danach wurde der Deutsche wiederholt wieder zu passiv.
In seinen vorangegangen Grand-Slam-Finals hatte Zverev gegen Dominic Thiem, Alcaraz und Sinner wie seinerzeit Andre Agassi, Ivan Lendl und Andy Murray jeweils das Nachsehen. Gegen Thiem gab er am US Open 2020 eine 2:0-Satzführung aus der Hand, gegen Alcaraz am French Open 2024 eine 2:1-Satzführung.
Später als von vielen Experten erwartet, kürte sich der 1,98 m grosse Athlet mit dem starken ersten Aufschlag und der grossen Reichweite nun zum dritten deutschen Grand-Slam-Sieger in der Open Era nach Boris Becker (80er- und 90-Jahre) und Michael Stich (Wimbledon 1991). Am French Open hatten als Deutsche bislang einzig Gottfried Von Cramm und Henner Henkel, beide in den 1930er-Jahren lange vor der Profi-Ära (ab 1968) triumphiert.
Cobolli, der im Halbfinal vom Forfait seines Landsmanns Matteo Arnaldi profitiert hatte, begann in seinem ersten Grand-Slam-Final nervös und fehlerhaft. Zwar steigerte er sich und profitierte von Zverevs Schwächen, übers Ganze zahlte sich die Gratwanderung zwischen Risiko und zu viel Risiko aber nicht aus. Im letzten Satz ging ihm zudem der Schnauf aus.
Trösten kann sich der 24-jährige Cobolli, der bis zum Alter von 14 Jahren auch ambitioniert Fussball spielte und zur Jugendakadamie der AS Roma gehörte, mit dem erstmaligen Vorstoss in die Top 10 der Weltrangliste. Die neue italienische Nummer 2 hinter dem Weltranglisten-Ersten Jannik Sinner und vor den weiteren Top-20-Spielern Lorenzo Musetti und Luciano Darderi verbessert sich vom 14. auf den 10. Platz. (riz/sda)
