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Andrej Rublew würde lieber schweigen, doch das wird für russische Sportler immer schwieriger.
Andrej Rublew würde lieber schweigen, doch das wird für russische Sportler immer schwieriger.Bild: keystone

Rublew beklagt «Diskriminierung» in Wimbledon – Switolina will russische Antworten

22.04.2022, 09:5022.04.2022, 12:44

«No war please», schrieb Andrej Rublew am 25. Februar – am Tag nach dem Beginn der russischen Invasion in die Ukraine – in Dubai auf die Kameralinse. Damit war der 24-jährige Tennisprofi einer der ersten russischen Sportler, der auf den Angriffskrieg seines Heimatlandes reagierte. «Ich habe nicht viel darüber nachgedacht, sondern einfach geschrieben, was ich in diesem Moment fühlte.»

Danach hielt sich die aktuelle Weltnummer 8 wie viele seiner russischen Sportlerkollegen mit Statements zum Krieg möglichst zurück. Ende März liess Rublew in Indian Wells verlauten: «Ich versuche seit Tagen, mich nur aufs Tennis zu konzentrieren und die anderen Dinge beiseite zu legen, die mir meine Energie rauben können. Der Sport sollte sich aus der Politik heraushalten.»

Nachdem alle russischen und belarussischen Tennisspielerinnen und Tennisspieler von Wimbledon ausgeschlossen worden sind, muss sich Rublew aber erneut mit dem für ihn schwierigen Thema auseinandersetzen. «Zunächst einmal möchte ich klarstellen, dass ich nicht politisch bin. Ich weiss nichts darüber – ich lese und verfolge keine News. Ich bin auch nicht besonders gebildet», begann der Top-10-Spieler am Rande des ATP-Turniers in Belgrad bei der Frage nach seiner Meinung über den Wimbledon-Ausschluss.

Er habe bereits ein Statement dazu abgegeben, werde es aber noch einmal tun, um hoffentlich alles klarzustellen: «Gestern hatten wir einen Call, ein paar Spieler und die Wimbledon-Verantwortlichen. Die Gründe, die sie uns genannt haben, machen keinen Sinn, sie sind nicht logisch», so Rublew. Was jetzt passiere, sei «eine komplette Diskriminierung gegen uns».

Das Statement von Rublew in Belgrad.Video: YouTube/TennisFans Productions

Der Ausschluss russischer Sportler würde nichts bringen und sei seiner Meinung nach vor allem das, was die britische Regierung wünsche. «Wir haben erklärt, dass wir gerne helfen würden und deshalb vorgeschlagen, alles Preisgeld, das wir gewinnen, für humanitäre Zwecke zu spenden. Das würde wenigstens etwas bringen.»

Rublew erklärte, dass er und seine russischen Kollegen einfach nur Tennis spielen wollen. «Wir sind nicht hier, um über Politik zu sprechen, denn wir haben keine Ahnung davon. Ich bin Russe, in Russland geboren und habe mein ganzes Leben in Russland verbracht. Und ich würde gerne zeigen, dass wir gute Menschen sind ... Ich selbst versuche bescheiden zu bleiben und das Richtige zu tun.»

Statements gegen den Krieg gefordert

Für Rublews ukrainische Tennis-Kollegin Elina Switolina gehen solche Statements aber zu wenig weit. «‹Kein Krieg› auf eine Kameralinse zu schreiben, ist ein sehr seichtes Statement», erklärte die 27-Jährige gegenüber der BBC. «Was bedeutet ‹kein Krieg›? Soll das bedeuten, unsere ukrainischen Soldaten sollten einfach aufgeben und unser Land abschreiben? Ist es das, was ‹kein Krieg› bedeutet?», fragte die aktuelle Weltnummer 25.

Dennoch sei sie gegen einen kompletten Ausschluss russischer Sportlerinnen und Sportler, fuhr Switolina fort. «Aber wir wollen, dass sie offen ihre Meinung sagen – ob sie mit dem Rest der Welt oder mit Russland sind.»

Deshalb hat Switolina zusammen mit ukrainischen Athletinnen und Athleten eine Forderung an die WTA, ATP und ITF verfasst, wonach russische und belarussische Sportler drei Fragen zu ihren Positionen zum Krieg beantworten müssten, wenn sie weiter spielen wollten.

Die drei Fragen:

  1. «Unterstützt ihr die Invasion von Russland und Belarus in das Gebiet der Ukraine und als Folge den Krieg, den diese Länder begonnen haben?»
  2. «Unterstützt ihr die militärischen Aktivitäten von Russland und Belarus in der Ukraine?»
  3. «Unterstützt ihr Putins und Lukaschenkos Regime?»

«Es kommt eine Zeit, in der Schweigen Verrat ist. Und diese Zeit ist jetzt», schrieben die Verfasser um Switolina in ihrer Stellungnahme. Falls die Fragen von den russischen und belarussischen Sportlern mit «Ja» beantwortet würden, sollten sie von der Teilnahme an internationalen Veranstaltungen ausgeschlossen werden, wie es in Wimbledon bereits der Fall sei. (pre)

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151 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Asmodeus
22.04.2022 10:51registriert Dezember 2014
"Der Sport sollte sich aus der Politik heraushalten"

Sorry Jungchen. Das funktioniert erst, wenn die Politik sich aus dem Sport raus hält. Und das wird sie nie.
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Juliet Bravo
22.04.2022 11:51registriert November 2016
«Zunächst einmal möchte ich klarstellen, dass ich nicht politisch bin. Ich weiss nichts darüber – ich lese und verfolge keine News. Ich bin auch nicht besonders gebildet»
Dann soll er sich halt jetzt mal 5 Minuten Zeit nehmen, sich damit zu beschäftigen und sich dann dazu äussern. Wenn er das so zu begründen versucht, sagt er eigentlich, dass es ihm am Allerwertesten vorbei geht, was sein Land da für Verbrechen an der Bevölkerung begeht. Der Ausschluss ist damit mE mehr als gerechtfertigt.
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Massalia
22.04.2022 11:41registriert Juni 2021
Der Sport sollte sich aus der Politik heraushalten, er verstehe nichts von Politik, etc.

Immer diese billigen Allgemeinplätze, hinter denen dich diese Feiglinge verstecken. Mir kommt gleich das kotzen. Er will einfach nur Tennis spielen? Schön. Die ukrainische Zivilbevölkerung möchte einfach nur leben. Und nicht von einem gestörten Kriegsverbrecher und Massenmörder getötet, vergewaltigt und vertrieben werden.

Verlasst endlich mal die Komfortzone und macht das Maul auf, ihr feigen Weicheier!
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