«Manchmal ist Angriff die beste Verteidigung»: Pogacar denkt nicht ans Bremsen
Eine Warnung an die Konkurrenz hatte Dominator Tadej Pogacar vor dem ersten Ruhetag der Tour de France noch parat. Ob er denn mit seinem grossen Vorsprung den Rest der Rundfahrt nun defensiver bestreiten würde, wurde der Slowene gefragt. «Das Hauptziel ist es doch, das Gelbe Trikot zu behalten, oder? Aber manchmal ist Angriff die beste Verteidigung», sagte der 27-Jährige.
Dass Pogacar sich bei den noch kommenden Bergprüfungen im Zentralmassiv, den Vogesen und den Alpen nur noch hinten dranhängt, wird keiner seiner Konkurrenten ernsthaft glauben. Aber wie stehen die Chancen der Favoriten für den Rest der Tour, die am 26. Juli in Paris endet?
Tadej Pogacar (Erster):
Der Slowene dominiert das Rennen bisher nach Belieben. Nach einer knappen Niederlage im Team-Zeitfahren holte er selbst zwei Etappensiege und verschenkte einen an Edelhelfer Isaac del Toro. Mit dem beeindruckenden Soloritt über den Tourmalet in den Pyrenäen holte er sich das Gelbe Trikot zurück und demoralisierte seine Kontrahenten. Sein Vorsprung ist jetzt schon gross. Nur ein krasser Einbruch, ein Sturz oder eine Krankheit können den fünften Toursieg des Weltmeisters wohl noch verhindern.
Jonas Vingegaard (Zweiter, 2:42 Minuten Rückstand):
Der Däne ist wie schon in den Vorjahren der zweitstärkste Fahrer im Feld, kann Pogacar aber offensichtlich auch nicht ernsthaft gefährden. Die Hoffnungen darauf nach dem Mannschaftszeitfahren hielten nur kurz. Auf der Tourmalet-Etappe verlor er viel Zeit auf den Slowenen und wurde selbst fast noch von den restlichen Klassement-Fahrern eingeholt. Immerhin liegen die langen und gleichmässig steilen Anstiege in den Alpen dem 29-Jährigen. Vingegaard hat nicht nur bei seinen Tour-Siegen 2022 und 2023 gezeigt, dass er sich in der dritten Woche einer Rundfahrt noch steigern kann.
Knapp hinter Vingegaard liegen fünf Fahrer innerhalb von nur 33 Sekunden. In der Reihenfolge sind dies Isaac del Toro, Remco Evenepoel, Juan Ayuso, Paul Seixas und Florian Lipowitz. Sie alle haben das Podest im Visier.
Remco Evenepoel (Vierter, 3:30 Minuten Rückstand):
Der extrovertierte Belgier sorgte für einen Aufreger, als er seinen Teamkollegen Florian Lipowitz nach der Pyrenäen-Etappe am vergangenen Donnerstag verbal anging. Lipowitz habe ihm die Hilfe verweigert, mäkelte der Belgier. Das Team probierte die Wogen zu glätten, aber die Dynamik zwischen den Co-Captains bleibt spannend. Im Zeitfahren am 21. Juli hofft der Olympiasieger auf einen Etappensieg. Ob er auf den schwierigen Hochgebirgsetappen mit den Allerbesten mithalten kann, bleibt äusserst fraglich.
Paul Seixas (Sechster, 3:55 Minuten Rückstand):
Das französische Wunderkind fährt bisher eine eher unauffällige erste Tour, ist aber hervorragend positioniert. Grosse Attacken gab es von dem 19-Jährigen, der im Frühjahr mit seinen Auftritten für Furore gesorgt hatte, noch nicht. Spannend wird sein, wie der grosse Hoffnungsträger der Grande Nation die Strapazen seiner ersten dreiwöchigen Rundfahrt kompensieren kann.
Florian Lipowitz (Siebter, 4:00 Minuten Rückstand):
Der Deutsche wirkte vom emotionalen Ausbruch seines Kollegen Evenepoel etwas überrascht, gab sich in der Folge aber locker und versöhnlich. Am Sonntag holte er dem Belgier vom Begleitwagen eine Trinkflasche. «Wir können jetzt nach vorne schauen. Es kommen jetzt mehr härtere Etappen, und ich glaube, dann wird es sich langsam selektieren», sagte der 25-jährige Vorjahresdritte, der wieder gute Chancen auf das Podium hat. Möglicherweise löst sich die Captain-Frage bei Red Bull dann auch von alleine. Am Tourmalet hängte Lipowitz Evenepoel zumindest schon einmal ab. (car/sda/dpa)
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