Börsen zeigen gefährliche Signale: Warren Buffett warnt
Warren Buffett hat sich zum Jahreswechsel als Chef von Berkshire Hathaway zurückgezogen. Am Anlageportfolio des gemeinsam mit Charlie Munger aufgebauten Unternehmens wirkt er jedoch weiterhin mit. Mit den Kursen, die er derzeit an den Aktienmärkten beobachtet, zeigt sich der Starinvestor unzufrieden.
Im Gespräch mit dem US-Wirtschaftssender CNBC kritisierte Buffett die aktuelle Entwicklung an der Börse. CNBC-Moderatorin Becky Quick sagte er: «Es ist schwer, Wertanlagen zu finden, wenn alle lieber zocken.»
Doch sind die Börsen deshalb grundsätzlich zu teuer? Sollte man jetzt investieren oder lieber Cash halten und auf einen Kurseinbruch warten?
Zwei bekannte Bewertungskennzahlen senden deutliche Warnsignale.
«Kirche mit angeschlossenem Casino»: Buffett kritisiert die Börse
Buffett warnt vor der zunehmenden Zockerei am Aktienmarkt. Bereits im Mai verglich er die modernen Finanzmärkte mit einer «Kirche, an die ein Casino angeschlossen ist». Der Casino-Teil habe inzwischen eine gefährliche Dominanz erreicht.
Besonders kritisch sieht Buffett Optionen, mit denen Anleger auf steigende oder fallende Kurse setzen und die noch am selben Tag verfallen, sowie gehebelte ETFs. Diese können die täglichen Kursbewegungen eines Index verstärken. Dadurch können Gewinne, aber auch Verluste deutlich höher ausfallen.
Nach Buffetts Einschätzung hat dieses Verhalten nichts mehr mit langfristigem Investieren zu tun. Er bezeichnet es als Glücksspiel und erklärt: «Die Menschen waren noch nie so sehr in Glücksspielstimmung wie heute.»
Das bedeutet aus seiner Sicht nicht, dass Aktien grundsätzlich schlechte Anlagen sind. Vielmehr hält er die Preise vieler Vermögenswerte für absurd hoch. Unter anderem der Hype um künstliche Intelligenz hat zahlreiche Kurse auf Rekordstände getrieben.
Der an der New Yorker Börse notierte, etwa 1,06 Billionen Dollar wertvolle Mischkonzern Berkshire Hathaway findet deshalb kaum noch Unternehmen, deren Börsenwert nach Buffetts Massstäben unter ihrem tatsächlichen wirtschaftlichen Wert liegt. Die Holding verfügt inzwischen über Cash-Reserven von fast 400 Milliarden US-Dollar.
Shiller-KGV erreicht historisch hohes Niveau
Auch eine bekannte Bewertungskennzahl stützt Buffetts Skepsis. Nach Angaben des US-Finanzportals «The Motley Fool» hat das Shiller-CAPE des S&P 500 eines der höchsten Niveaus der Geschichte erreicht, wie «finanzen.net» berichtet.
Das Shiller-CAPE, auch Shiller-KGV genannt, setzt die Aktienkurse ins Verhältnis zu den inflationsbereinigten Unternehmensgewinnen der vergangenen zehn Jahre. Ein gewöhnliches Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, zeigt, wie hoch eine Aktie im Verhältnis zu ihrem Gewinn bewertet ist. Das Shiller-CAPE glättet kurzfristige Schwankungen und soll dadurch ein langfristigeres Bild der Marktbewertung liefern.
Aktuell liegt das Shiller-CAPE bei rund 41. Seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1881 erreichte die Kennzahl nur einmal einen höheren Stand: Im Dezember 1999, kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase, lag sie bei 44,2 Punkten. Anschliessend verlor der S&P 500 rund die Hälfte seines Werts.
Auch im November 2021 folgte auf einen CAPE-Höchststand von 38,6 Punkten eine Korrektur. Der Börsencrash von 1929 begann dagegen bereits bei einem Wert von etwa 27,6 Punkten und damit deutlich unter dem heutigen Niveau.
Buffett-Indikator steigt auf Rekordhoch
Gleichzeitig hat auch der sogenannte Buffett-Indikator ein Allzeithoch erreicht. Die Kennzahl setzt den Gesamtwert der US-Aktien ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten. Einfach ausgedrückt zeigt der Indikator, wie gross der Aktienmarkt im Vergleich zur gesamten Wirtschaft ist. Je höher der Wert ausfällt, desto teurer erscheint der Markt.
Warren Buffett zufolge deuteten Werte zwischen 70 und 80 Prozent in der Vergangenheit auf Kaufgelegenheiten hin. Werte nahe 200 Prozent bezeichnete er dagegen als Zeichen eines extrem hohen Risikos, wie es etwa während der Dotcom-Blase bestand.
Der historische Durchschnitt seit 1970 liegt bei rund 88 Prozent. Laut «The Motley Fool» erreichte der Buffett-Indikator am 1. Juni 2026 einen Rekordstand von 238,5 Prozent. Das spricht für eine massive Überbewertung des US-Aktienmarkts.
Hohe Bewertungen sagen keinen Crash voraus
Shiller-CAPE und Buffett-Indikator zeigen eine historisch hohe Bewertung des US-Markts. Anleger sollten beide Kennzahlen dennoch nicht als präzise Zeitmesser für einen bevorstehenden Crash verstehen.
Ein Markt kann lange teuer bleiben. Solange insbesondere KI-Aktien weiter steigen, wirkt es Buffett zufolge verlockend, auf der Erfolgswelle mitzuschwimmen. Ein starker Hype kann kurzfristig sogar die Kurse schwacher Unternehmen in die Höhe treiben.
Das Risiko steigt jedoch, wenn der Aktienkurs nicht mehr zu den wirtschaftlichen Grundlagen eines Unternehmens passt. Zu diesen Fundamentaldaten zählen etwa Umsatz, Gewinn, Verschuldung und die langfristigen Geschäftsaussichten. Überbewertete Aktien können in einem Bärenmarkt oder während einer Rezession besonders stark fallen. Als Bärenmarkt bezeichnet man eine längere Phase deutlich sinkender Kurse.
Der 95-jährige Milliardär Buffett, der für seinen konsequenten Value-Investing-Ansatz bekannt ist, setzt deshalb auf Qualitätsunternehmen mit einem stabilen Geschäftsmodell und soliden wirtschaftlichen Grundlagen. Solche Unternehmen fallen an der Börse nicht immer besonders auf. Langfristig erhöhen sie seiner Ansicht nach jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Portfolio positiv entwickelt.
Investieren statt Lotto spielen
Buffett hält bedeutende Kaufgelegenheiten inzwischen für seltener. Anleger brauchen deshalb Geduld und Disziplin. Sie sollten weder jedem Trend folgen noch versuchen, durch kurzfristige Wetten schnell reich zu werden.
Sein Rat lautet: «Das Beste, was man tun kann, ist, nicht Lotto zu spielen.» Stattdessen sollten Anleger investieren und «dann zusehen, wie das Geld wächst».
Gleichzeitig machte Buffett im CNBC-Interview deutlich, wann sich besonders attraktive Kaufgelegenheiten ergeben können: wahrscheinlich dann, wenn niemand mehr ans Telefon gehe, weil die Märkte zusammengebrochen seien.

